Baumaßnahmen in der Bad Laaspher Königstraße
Nach dem Abriss ist vor den neuen Problemen

Was vom Haus noch übrig blieb: Die Fläche zwischen dem Wohnhaus von Hans-Jürgen Biberger (l.) und der Kneipe von Michael Kelch (r.) ist weitgehend vom Schutt des Abrisses befreit. Die Schäden an den beiden Häusern allerdings bestehen noch.
  • Was vom Haus noch übrig blieb: Die Fläche zwischen dem Wohnhaus von Hans-Jürgen Biberger (l.) und der Kneipe von Michael Kelch (r.) ist weitgehend vom Schutt des Abrisses befreit. Die Schäden an den beiden Häusern allerdings bestehen noch.
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  • hochgeladen von Timo Karl (Redakteur)

tika Bad Laasphe. Nur noch wenige Gesteinsbrocken liegen auf dem Areal, ansonsten ist von dem Gebäude in der Königstraße in Bad Laasphe nicht viel übrig. Zwischen einem Wohnhaus und einer Kneipe klafft nun inmitten der Altstadt eine Lücke. Direkt daneben klaffen Löcher im Boden. Die ansonsten so malerische Straße ist derzeit eine große Baustelle. Einige Anwohner zeigen sich dieser Tage bedient – es ist dabei wohl die Summe der vielzitierten Einzelteile, denn dass in der Königstraße einige Baustellen entstehen würden, war ihnen durchaus bewusst.

In direkter „Nachbarschaft“ zu dem nun abgerissenen Gebäude lebt Hans-Jürgen Biberger, vis-à-vis seines Hauses steht die Kneipe von Michael Kelch. Beide blicken täglich auf das Areal auf dem einst ein Haus stand – und auf ihre Hausfassaden, auf denen die Maßnahme durchaus Spuren hinterlassen hat.

Für das Duo eines der aus ihrer Sicht zwei großen Probleme, die mit den parallel laufenden Maßnahmen einhergehen. „Für mich stellt sich die Frage, wer für die entstandenen Verschmutzungen und Schäden an den Häusern aufkommt, die durch den Abriss entstanden sind. Die Erschütterungen waren erheblich. Der Teer, der das Wasser aus meinem Haus hält, bröckelt“, berichtete Hans-Jürgen Biberger bei einer Ortsbesichtigung mit der Siegener Zeitung. Vor allem im Hinblick auf den Teer befürchtete er Spätschäden, sollten die entsprechenden Stellen auf dem Boden dauerhaft unversiegelt bleiben.

Ähnlich gelagerte Probleme beschrieb auch Michael Kelch: „Mir bröckelt seit dem Abriss der Putz von der Wand, einige Kabel, die daran entlang verlaufen, sind beschädigt. Ich möchte die Dinge nicht dramatisieren, die Frage ist aber, wer für die entstandenen Schäden aufkommt“, haderte der Kneipenbetreiber, der den Betrieb erst vor zwei Jahren aufgenommen hatte – verbunden mit hohen Investitionskosten. „An einigen Stellen muss man sogar befürchten, dass ganze Platten des Fachwerks herunterfallen“, ergänzte Hans-Jürgen Biberger und deutete auf eine entsprechende Stelle an der Hauswand. Inzwischen hat das Duo einen gemeinsam unterzeichneten Brief an die Kreisverwaltung gesendet, der der Heimatzeitung vorliegt.

Darin listen die beiden Anwohner die entstandenen Schäden auf, die aus ihrer Sicht unverschuldet – also durch die Abrissarbeiten bedingt – entstanden sind und laden Vertreter des Kreises zu einem Ortstermin ein, um die Schäden zu begutachten – und „um die weiteren Maßnahmen zur Beseitigung der entstandenen Schäden und Verschmutzungen abzustimmen“. Damit meldeten die beiden Anwohner selbige auch offiziell an. Ein zwingend erforderlicher Schritt, denn bislang wusste die Kreisverwaltung als zuständige Behörde nichts davon. „Eine Beurteilung der Ursache, der Art und des Umfangs der Verschmutzung kann nur stattfinden, wenn sich die Betroffenen direkt an den Kreis Siegen-Wittgenstein oder an die Abbruchfirma wenden“, erklärte Jana Schröder.

Die Pressesprecherin des Kreises Siegen-Wittgenstein verdeutlichte zugleich, dass der Abriss „sehr kleinschrittig mit einem Bagger vorgenommen worden“ sei, „da ja auch auf die umliegenden Häuser Rücksicht genommen werden musste. Es wird daher davon ausgegangen, dass die Erschütterungen sich im normalen Rahmen gehalten haben und keine Auswirkungen auf die umliegenden Häuser gehabt haben. Ob es zu größeren Erschütterungen bei den Bauarbeiten zur Verlegung der Fernwärmeleitungen gekommen ist können wir nicht beurteilen“.

Im Vorfeld hatte der Kreis die Anwohner über die Abrissarbeiten informiert. „Bisher wurden die Beschwerden nicht an unsere Bauaufsicht gerichtet“, berichtete Jana Schröder auf SZ-Anfrage im Hinblick auf die Gesamtsituation. Apropos Gesamtsituation: Die beurteilte Hans-Jürgen Biberger vor allem ob des Zeitplans als suboptimal. Denn nicht nur die Baustelle, die durch den Abriss entstanden ist, sorgt aus seiner Sicht für Probleme, sondern auch die Arbeiten in der Königstraße selbst. „Rund um das Haus sind Löcher – und jetzt ist Urlaubszeit. Der Steinweg ist nur bedingt befahrbar, die Königstraße ist eine Vollkatastrophe – man kann nicht einmal richtig aus dem Haus gehen, weil überall Löcher sind, die jetzt nicht geschlossen werden“, haderte der Lahnstädter.

Dabei ist es einerseits die Einschränkung seines persönlichen Umfeldes an der er sich stört – andererseits die zahlreichen Engstellen und Sperrungen. Aus seiner Sicht das zweite große Problem, das aus den beiden Maßnahmen resultiert. „Wenn die Freiwillige Feuerwehr hier anrücken muss, dann wird es nicht nur große, sondern schwerste Probleme geben. Langsam aber sicher habe ich den Hals voll“, erklärte Hans-Jürgen Biberger vielsagend.

Die Kreisverwaltung beurteilte die Situation anders: „Die mit dem Abriss beauftragte Firma musste sich bei der Beantragung der notwendigen Absperrarbeiten bei unserem Ordnungsamt auch mit der Firma, welche die Leitungen in der Königstraße verlegt, abstimmen. Die zuständige Mitarbeiterin bei der Verkehrslenkung hat uns mitgeteilt, dass bei der Prüfung des Straßensperrantrages auch die Stadt und die Polizei beteiligt werden. Wir gehen daher davon aus, dass auch Bedenken hinsichtlich der Anfahrt von Feuerwehr und Notarzt geprüft wurden“, erklärte Jana Schröder – und lag damit richtig.

Denn: Die Stadt Bad Laasphe – nicht für die Abrissmaßnahme zuständig – beurteilte die Gesamtsituation aller laufenden Maßnahmen ebenfalls als kontrolliert. „Aus verkehrssicherungspflichtigen und brandschutztechnischen Gründen muss jedes Gebäude zu jeder Zeit für Rettungskräfte erreichbar sein. Das ist bei den Bauarbeiten in der Königstraße der Fall. Die Bauplanung seitens der BL-E beispielsweise sieht mehrere, kleine Bauabschnitte vor, die extra so terminiert und gelegt wurden, dass jedes Haus immer für die Rettungskräfte zugänglich ist. Das Baukonzept ist genau aus diesen Gründen damals auch gemeinsam mit der Feuerwehr ausgearbeitet worden“, erklärte die Pressesprecherin der Stadtverwaltung, Ann Kathrin Müsse, auf SZ-Anfrage.

Problematisch ist die Situation derweil ohne Frage für die noch verbliebenen Einzelhändler und Gastronomiebetreiber in der Königstraße – viele Menschen verirren sich derzeit nicht in die Altstadt. Dass die Phase des Abrisses nun ausgerechnet in die fiel, in der Außengastronomie möglich wäre, beeinträchtigte wiederum Michael Kelch noch einmal besonders – die Fläche vor seiner Kneipe stand währenddessen nicht zur Verfügung.

„Ich bin nach wie vor der Meinung, dass der Abriss gar nicht notwendig war. Bevor dieses Haus eingestürzt wäre, wäre eher das Bürgermeisteramt eingestürzt“, beschrieb Michael Kelch seine Sicht der Dinge mit einem drastischen Vergleich. Hans-Jürgen Biberger wiederum beschrieb die Gesamtsituation so: „In der Altstadt war vor dem Maßnahmenbeginn schon nicht viel los, aber jetzt ist sie tot.“

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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