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Guter Dialog mit Denkmalbehörde
Neuer Ansatz für Synagogen-Projekt

Nach Rücksprache mit der Denkmalbehörde soll die Schlosserei-Zeit im Haus sichtbar gemacht werden.
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  • Nach Rücksprache mit der Denkmalbehörde soll die Schlosserei-Zeit im Haus sichtbar gemacht werden.
  • Foto: Holger Weber
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

howe Bad Laasphe. Als der Freundeskreis für christlich-jüdische Zusammenarbeit im Jahr 2019 die alte Synagoge in Bad Laasphe kaufte und sich gedanklich mit dem Konzept befasste, stand eines eigentlich fest: Die Schlosserei, die unten im Sakralraum eingerichtet war, musste schon mal als erstes verschwinden. Schließlich, so der Gedanke, wolle man ja wieder ein Gotteshaus daraus machen. Dass jetzt der vom Freundeskreis engagierte Siegener Architekt Christian Welter kommt und einen ganz neuen Aspekt in das Synagogen-Bauprojekt einfließen lässt, müssen die Freundeskreis-Leute um den Vorsitzenden Rainer Becker im ersten Moment einmal sacken lassen. Aber Christian Welter ist dafür bekannt, dass er die Sachen, wenn er sich um Denkmäler kümmert, sehr bedacht, behutsam und äußerst gründlich angeht.

howe Bad Laasphe. Als der Freundeskreis für christlich-jüdische Zusammenarbeit im Jahr 2019 die alte Synagoge in Bad Laasphe kaufte und sich gedanklich mit dem Konzept befasste, stand eines eigentlich fest: Die Schlosserei, die unten im Sakralraum eingerichtet war, musste schon mal als erstes verschwinden. Schließlich, so der Gedanke, wolle man ja wieder ein Gotteshaus daraus machen. Dass jetzt der vom Freundeskreis engagierte Siegener Architekt Christian Welter kommt und einen ganz neuen Aspekt in das Synagogen-Bauprojekt einfließen lässt, müssen die Freundeskreis-Leute um den Vorsitzenden Rainer Becker im ersten Moment einmal sacken lassen. Aber Christian Welter ist dafür bekannt, dass er die Sachen, wenn er sich um Denkmäler kümmert, sehr bedacht, behutsam und äußerst gründlich angeht.

"Spannende Dissonanz" mit Denkmalbehörde

Darum hat er auch just nach Erhalt des spannenden Auftrags in der Lahnstadt Kontakt zur Unteren und Oberen Denkmalbehörde aufgenommen. „Das ist ganz wichtig. Und ich verstehe die Leute immer nicht, die sich über Denkmalbehörden beschweren. Wenn ich vernünftig mit denen rede, erhalte ich sehr gute Ergebnisse“, erläutert Christian Welter im SZ-Gespräch. Eine „spannende Dissonanz“ habe sich aus den Gesprächen ergeben, weil der Freundeskreis einerseits die Synagoge so rekonstruieren wolle, wie sie gewesen sei. Andererseits habe das Denkmalamt die Schlosserei-Zeit betont.

Künftig könne man nicht einfach über die anderweitige Nutzung der alten Synagoge hinweggehen. Der letzte Bezugspunkt dürfe nicht 1938 sein, ein Verschweigen der Zeit danach sei historisch nicht akkurat – und könne als Verbergen einer unangenehmen Wahrheit verstanden werden. „Stellt man lediglich die Zeitebene der Synagoge heraus, überdeckt man das Zeugnis der gewaltsamen Inanspruchnahme der Synagoge.“

"Man kann nicht nur die eine oder andere Zeitschicht zeigen. Wir sollten die Schlosserei erkennbar machen."
Christian Welter
Architekt aus Siegen

Christian Welter formuliert das gegenüber der Siegener Zeitung sogar noch deutlicher: „Die Synagoge ist brutal überformt worden.“ Aus dem Gotteshaus sei sozusagen gewaltsam eine andere Nutzung herbeigeführt worden. Und genau der Aspekt kommt nun zum Tragen. Gerade mit der Dualität der Zeitschichten könne man noch viel besser erzählen, was damals passiert sei, so Christian Welter. In der Synagoge habe er bereits ein „paar Sachen gefunden“, die dazugehören würden und die Schlosserei-Zeit sichtbar machten.

„Man kann nicht nur die eine oder andere Zeitschicht zeigen. Wir sollten die Schlosserei erkennbar machen." Auch in der Begrifflichkeit liege ein Spannungsfeld, weiß der Architekt aus Siegen. Täter und Opfer seien im Zusammenhang klar definiert. Hinzu komme mit dem Schlosser ein Begünstigter.

Präsentation am 30. Juni

Der künstlerische Ansatz findet sich im Entwurf von Christian Welter wieder, für den 30. Juni hat er eine Präsentation im Freundeskreis vorgesehen. Rein baulich sollen die Oberflächen möglichst erhalten bleiben. „Die Funktionalität steht über allem.“ Außerdem spare man Geld, weil manches nicht verändert werde. „Ich will am Gebäude sichtbar machen, was geschehen ist.“ Christian Welter spricht von „materiellen Überlieferungen.“ Klar sei, dass man hier nicht von einer Ausstellung im Sinne eines Heimatmuseums spreche.

Vielmehr dokumentiere das Haus selbst die Zeit. „Die Brutalität, wie man aus einem Sakralraum einen Profanraum gemacht hat“, beschreibt der Architekt. Mit der Denkmalbehörde hat Christian Welter Anfang Juli nochmal einen Termin. Dann will er den Vorentwurf präsentieren. Der Freundeskreis und die Öffentlichkeit dürfen gespannt sein.

Nach Rücksprache mit der Denkmalbehörde soll die Schlosserei-Zeit im Haus sichtbar gemacht werden.
Der Siegener Architekt Christian Welter hat den Auftrag für das Projekt „Alte Synagoge“ in Bad Laasphe bekommen.
Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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