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Jahrhundertealten Balken integriert
Nostalgie pur: Jan Simon Georg baut Schuppen "wie früher"

Jan Simon Georg aus Feudingen hat auf dem Grundstück des Rainhauses einen Schuppen gebaut – und zwar mit den über 300 Jahre alten Eichenbalken des Vorgänger-Rainhauses.
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  • Jan Simon Georg aus Feudingen hat auf dem Grundstück des Rainhauses einen Schuppen gebaut – und zwar mit den über 300 Jahre alten Eichenbalken des Vorgänger-Rainhauses.
  • Foto: Holger Weber
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

howe Feudingen. Als die Feudinger Dorfgemeinschaft im vorigen Jahr ihren Backhausplatz herrichtete, eine Rundbank installierte und das Gelände aufwertete, da staunten die Aktiven nicht schlecht. Schräg oben am Hang, vis à vis zum Backhaus, baute der Nachbar sein klein Häus’chen. Eine Art Fachwerkschuppen alter Handwerksart zog die neugierigen Blicke auf sich. In mühevoller Kleinarbeit schichtete Jan Simon Georg für das Fundament – althergebracht – Stein auf Stein. Als dann das Gerüst der Hunderte Jahre alten Eichenbalken stand, war die Überraschung perfekt: Ein 31-jähriger Handwerker, ein junger Freund der alten Baukunst, schrieb soeben Feudinger Geschichte. Die soll natürlich an dieser Stelle erzählt werden.

howe Feudingen. Als die Feudinger Dorfgemeinschaft im vorigen Jahr ihren Backhausplatz herrichtete, eine Rundbank installierte und das Gelände aufwertete, da staunten die Aktiven nicht schlecht. Schräg oben am Hang, vis à vis zum Backhaus, baute der Nachbar sein klein Häus’chen. Eine Art Fachwerkschuppen alter Handwerksart zog die neugierigen Blicke auf sich. In mühevoller Kleinarbeit schichtete Jan Simon Georg für das Fundament – althergebracht – Stein auf Stein. Als dann das Gerüst der Hunderte Jahre alten Eichenbalken stand, war die Überraschung perfekt: Ein 31-jähriger Handwerker, ein junger Freund der alten Baukunst, schrieb soeben Feudinger Geschichte. Die soll natürlich an dieser Stelle erzählt werden. „Ich wusste schon als Kind, dass ich irgendwann einmal was mit den Balken bauen würde“, betont der Bauherr im SZ-Gespräch. Der Satz bedarf der Klärung: „Rainhaus“ in Feudingen gab es mindestens mal seit dem allerersten Besitzer Johann Bilgen, der 1500 geboren wurde. Auf „Fäerjer Platt“ heißt das Haus „Raa“ mit lang gezogenem „a“ – angelehnt an einen Rain, eine Flurgrenze. Besitzer Peter Saßmannshausen erhielt im Dreißigjährigen Krieg wegen der Lage seines Hauses den Beinamen „aufm Rain“.

Balken 50 Jahre lang aufbewahrt

Während des großen Brandes von Feudingen anno 1741 brannte auch das Rainhaus vollständig ab. Johann Simon Frank baute es 1743 wieder auf. Das Gebäude trägt bis heute den Namen „Raa“. In den 70er-Jahren des 20. Jahrhundert soll das Haus baufällig gewesen sein. Wenn auch die Meinungen da auseinander gingen, wurde es trotzdem abgerissen. Immerhin: Nach dem Wiederaufbau in 1743 war es 230 Jahre alt. Die Familie bewahrte die Balken auf, erst im Schuppen, später in der Garage. Bis zum heutigen Tage, 50 Jahre lang. „Ich kannte die Balken von klein auf. Sie haben mich das ganze Leben lang begleitet“, erzählt Jan Simon Georg heute. Und der gelernte Schreiner weiß, was das für ein Holz ist. Die Balken des alten Raa-Hauses seien ja nicht nur so alt wie das Gebäude selbst, sondern die Eiche sei gewachsen. Vielleicht über einige Hundert Jahre. „Das ist ein Baum aus dem Mittelalter.“

Mauerbau dauert ein halbes Jahr

In diesem Wissen plante Jan Simon Georg, der 2016 das vererbte Haus übernahm und von Fischelbach nach Feudingen zog, sein Bauvorhaben. Wie wäre es denn, wenn man unterhalb des Raa-Hauses auf dem Grundstück gegenüber vom Backhaus einen Schuppen errichten würde. Der sollte aber genauso in der Bauart ausgeführt werden wie einst das alte Rainhaus. „Ich bin eben für das Alte“, lacht Jan Simon Georg. Ein Kumpel hatte damals in Fischelbach eine Mauer mit alten Grauwacke-Steinen abgerissen, vielleicht wären die ja irgendwann im Container gelandet. Also: aufgeladen die dicken Brocken und in Feudingen verarbeitet. Jan Simon goss ein Fundament und mauerte die Steine. „Ein halbes Jahr war ich damit beschäftigt“, berichtet er. Ja, und dann erinnerte sich der 31-Jährige natürlich an die Balken, die in der Garage lagerten.

Traditionell in Lehmbauweise

„Ich bin als Kind oft und gerne im Freilichtmuseum gewesen. Ich hatte genaue Vorstellungen von dem, was ich bauen würde. Am Ende hat mich das Ganze eine Menge Schwielen an den Händen gekostet.“ Im Winter 2019 holte der versierte Schreiner die Eichenbalken aus der Garage, baute sie erst einmal testweise auf – mit Zapfen und Holzverbindung wie Lego zusammengesteckt, um die Gewissheit zu haben, dass der Plan aufgeht. Und dann legte er los: die Balken für die vier Wände rundherum, und für die Gefache gab es eine Sonderbehandlung. „Die habe ich traditionell in Lehmbauweise gemacht“ – inklusive Geflecht aus Nussbaum-Ästen mit Mittelsteg, Kerbe und Leisten abwechselnd geflochten sowie den Lehm aufgebracht.

Alles "wie früher"

Jan Simon Georg erzählt das alles, als hätte er mit seinen 31 Lenzen im Leben nichts anderes getan. „Ich hätte es ja auch ausmauern können“, sagt er. „Aber ich wollte es wie früher haben.“ Ein Vollprofi sei er keineswegs. „Aber man wächst so rein.“ Mit dem Haus hat Jan Simon Georg auch Verantwortung für ein Waldstück übernommen. Den Lehm, den nahm er „in den Birken“ aus seinem eigenen Forstbereich. „Da ist steinig schluffiger Lehmboden“, sagt der Kenner. Mit Stroh hat er die „Matschepampe“ gemischt und die Gefache mit Lehm zugeworfen. „Wie früher“. Bei Jan Simon geht das Herz auf, wenn er von seiner Arbeit erzählt. „Eine ordentliche Watzerei war das.“
Der eigene Wald bringt Vorteile mit sich. So hat Jan Simon Georg das Material für den Holzboden in seinem Schuppen natürlich aus den eigenen Ressourcen generiert. „Für mich ist das Nostalgie“, schwärmt der 31-Jährige. Auf das Dach ist Siegener Pfannenblech gekommen – verzinkt und aus Norddeutschland geliefert. Vor Kopf hat der Handwerker den Giebel geschiefert. Am Ende ist ein kleines Bauwerk entstanden, das zwar „nur“ Schuppen, aber großartig ist.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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