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Kritik an der Aufweichung
Notbetreuung: Mit einem Anstieg ist zu rechnen

Erzieherinnen und Lehrkräfte befürchten, dass die Zahlen der Corona-Notbetreuung spätestens kommende Woche deutlich anziehen werden. Das zeigen auch aktuelle Beispiele anderer Regionen, in denen manche Kita schon zur Hälfte wieder gefüllt ist. Foto: Archiv
  • Erzieherinnen und Lehrkräfte befürchten, dass die Zahlen der Corona-Notbetreuung spätestens kommende Woche deutlich anziehen werden. Das zeigen auch aktuelle Beispiele anderer Regionen, in denen manche Kita schon zur Hälfte wieder gefüllt ist. Foto: Archiv
  • hochgeladen von Björn Weyand (Redakteur)

bw Wittgenstein. Die Landesregierung hat am vergangenen Wochenende die Vorgaben für die Notbetreuung an Schulen und Kindertagesstätten in ganz Nordrhein-Westfalen geändert, manche sagen: aufgeweicht. Die neue Regelung, nach der auch einzelne Elternteile, die in der viel zitierten kritischen Infrastruktur tätig sind, die Notbetreuung in Anspruch nehmen können (unabhängig vom Beruf des Partners), hat nicht nur Zustimmung geerntet. Zuvor mussten beide Elternteile in den exakt definierten Bereichen beschäftigt und auch unabkömmlich sein, um das Betreuungsangebot der Schulen sowie Kitas in der gegenwärtigen Corona-Krise nutzen zu können.

Nun sind die Betreuungszahlen an den Schulen in Wittgenstein weiterhin durchaus überschaubar und in den Kitas sieht es aktuell noch nicht schlimm aus.

bw Wittgenstein. Die Landesregierung hat am vergangenen Wochenende die Vorgaben für die Notbetreuung an Schulen und Kindertagesstätten in ganz Nordrhein-Westfalen geändert, manche sagen: aufgeweicht. Die neue Regelung, nach der auch einzelne Elternteile, die in der viel zitierten kritischen Infrastruktur tätig sind, die Notbetreuung in Anspruch nehmen können (unabhängig vom Beruf des Partners), hat nicht nur Zustimmung geerntet. Zuvor mussten beide Elternteile in den exakt definierten Bereichen beschäftigt und auch unabkömmlich sein, um das Betreuungsangebot der Schulen sowie Kitas in der gegenwärtigen Corona-Krise nutzen zu können.

Nun sind die Betreuungszahlen an den Schulen in Wittgenstein weiterhin durchaus überschaubar und in den Kitas sieht es aktuell noch nicht schlimm aus. So meldet beispielsweise der Evangelische Kirchenkreis für die kirchlichen Kindergärten nur geringen aktuellen Betreuungsbedarf. Am Mittwoch besuchten drei Kinder die Notbetreuung der Kitas „Farbklecks“ in Bad Laasphe und „Senfkorn“ in Bad Berleburg. Am Donnerstag sei nur ein Kind angemeldet für das Evangelische Kinderhaus Martin Luther in Erndtebrück, wie Jens Gesper als Pressesprecher des Kirchenkreises erläutert. Das zeigt: Der Bedarf ist bisher gering, die Zahlen schwanken und die Notbetreuung werde auch immer abgestimmt mit den Eltern, berichtet Jens Gesper nach Rücksprache mit Nina Stahl, sie ist die Geschäftsführerin für den Bereich Kindertageseinrichtungen des gemeinsamen Kreiskirchenamtes Siegen/Wittgenstein.

Nur: Erzieherinnen und Lehrkräfte befürchten, dass die Zahlen spätestens kommende Woche deutlich anziehen werden. Das zeigen auch aktuelle Beispiele anderer Regionen, in denen manche Kita schon zur Hälfte wieder gefüllt ist. Der Bad Laaspher Samir Schneider, 1. Vorsitzender des Fördervereins der Kita „Farbklecks“, hat von diesen Sorgen und Ängsten gehört und übt aus dem Grund deutliche Kritik an der erwähnten Aufweichung der Regelungen für die Notbetreuung. „Bevor man solch einen neuen Erlass veröffentlicht“, sagt der Bad Laaspher, „muss doch sichergestellt werden, dass unsere Bildungseinrichtungen wie Schulen und Kitas die nötigen Schutzmaßnahmen (Desinfektionsmittel, Schutzmasken) vorhanden haben, um unser Betreuungspersonal auch ausreichend schützen zu können.“ Die wenigsten Einrichtungen hätten Schutzmittel in so einer ausreichenden Form vorrätig.

Samir Schneider ärgert sich, dass keine Rücksprache mit Trägern und dem Personal über die Situation und die organisatorischen Möglichkeiten gesucht worden sei, bevor dieser Erlass aus dem Haus von Dr. Joachim Stamp, Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, herausgegangen sei. Dies wäre aus seiner Sicht notwendig gewesen, „um möglichen Verunsicherungen vorzubeugen“, betont der Bad Laaspher, der auch bereits als Kritiker der NRW-Landesregierung in Sachen Kinderbildungsgesetz (KiBiz) in Erscheinung getreten ist. Samir Schneider weiß aus vielen aktuellen Gesprächen, dass die Verunsicherung beim Betreuungspersonal vor Ort groß ist. „Wir müssen doch mit allen Mitteln unsere Ressourcen im Gesundheitsbereich bündeln und das Gesundheitswesen stärken“, findet der Laaspher, „auf der anderen Seite wird durch den aufgeweichten Erlass das Betreuungsangebot ausgeweitet, Einrichtungen haben keine ausreichenden Schutzmöglichkeiten – und damit öffnen wir neue Türen zur Verbreitung des Virus. Für mich unbegreiflich!“

Der Laaspher hat von Erzieherinnen erfahren, dass sie mit einem deutlichen Anstieg der Kinderzahlen in den Einrichtungen ab der kommenden Woche rechnen – die ersten Rückfragen sprechen dafür. Da hilft es auch wenig, dass das Ministerium einen Elternbrief verfasst hat, in dem Folgendes steht: „Aus Infektionsschutzgründen sollte die Inanspruchnahme dieser Neuregelung auf das unbedingt erforderliche Maß beschränkt bleiben. Bitte bringen Sie Ihre Kinder nur dann in die Kindertageseinrichtung oder die Kindertagespflege, wenn Sie die Betreuung wirklich nicht selbst wahrnehmen oder anderweitig verantwortungsvoll organisieren können.“

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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