»Notfalls muss man mit Arnsberg in den Clinch«

Laaspher unglücklich mit Anregungen der Bezirksregierung

JG Bad Laasphe. »90 Prozent all unserer Vorschläge sind akzeptiert worden«, freute sich gestern Abend im Laaspher Bauausschuss Wolfgang Theofel, der gerade dabei ist, für die Lahnstadt einen neuen Flächennutzungsplan aufzustellen. Lediglich bei zehn Prozent habe die Bezirksregierung in Arnsberg Änderungen angeregt, die sich jedoch nicht auf den Umfang von Gewerbeflächen und Wohnbebauung bezögen, sondern lediglich auf deren Standort. Doch was sich beim Wallauer Stadtplaner so schön anhörte, kam bei den Ausschussmitgliedern nicht so recht an. Denn viele der Arnsberger Anregungen sorgten bei den Kommunalpolitikern nur für Kopfschütteln.

So hatten sich die Laaspher vorgestellt, dass Baulücken an der Rückershäuser Eichwaldstraße geschlossen werden könnten. Doch der Besuch bei der Bezirksregierung ergab, dass man sich dort eher eine Besiedlung zwischen Eichwaldstraße und Siegener Straße vorstellen konnte. Der Eichwald-Anwohner Klaus Preis (FDP) mochte das nicht so recht verstehen, fehlte hier auf der grünen Wiese doch komplett die Infrastruktur für Wohnbebauung: weder Straße noch Kanal. Auch der CDU-Mann Volker Gautsch fasste sich an den Kopf, weil durch den vermeintlichen Kompromiss-Vorschlag der Arnsberger erheblich mehr Flächen versiegelt würden. Noch deutlicher wurde schließlich der Sozialdemokrat Ulrich Krüger: »Diese Lösung ist überhaupt nicht nachzuvollziehen. Notfalls muss man mit der Bezirksregierung in den Clinch gehen.«

Der ärgerte sich auch noch darüber, dass sein einleuchtender Vorschlag, die neue Oberndorfer Wohnbebauung stärker auf das Gebiet um den Bahnhof zu konzentrieren, ebenfalls in Arnsberg auf taube Ohren gestoßen war. Vielleicht wegen der Nähe zum Naturschutzgebiet, so die Mutmaßung von Wolfgang Theofel. Der damit Ulrich Krüger allerdings nicht beruhigen konnte. Bei allen gesetzlichen Einschränkungen, mit den Wittgenstein sowieso leben müsse, könne doch nicht allein die Nähe zum Naturschutzgebiet schon der Grund für Ablehnung sein: »Jetzt ist Schluss.« Und so beschloss das Gremium einstimmig bei einer grünen Enthaltung, auch die bisherige Planung für Oberndorf und Rückershausen weiter zu verfolgen. Ob die Laaspher Beharrlichkeit von Erfolg gekrönt wird, schien Wolfgang Theofel eher fraglich. Er habe beim Termin diese Punkte vorgetragen, offenbar seien die nicht stark genug gewesen gegen die »unerwünschte Siedlungsentwicklung aus landesplanerischer Sicht«.

Und nicht nur bei der Wohnbebauung, auch bei den gewerblichen Flächen gab es Schwierigkeiten. Pläne für die Feudinger Espen sowie für Laasphe-Ost und Laasphe-West waren für die Arnsberger in Ordnung, das angedachte Kleingewerbegebiet Banfetal nicht. Statt am viel befahrenen Banfer Ortseingang aus Richtung Herbertshausen, bevorzugten die offenbar nicht ortskundigen Sauerländer einen Standort in Richtung Lindenfeld/Ilsetal. Hier hielt der Bauausschuss einstimmig an der ursprünglichen Planung fest. Beigeordneter Dieter Kasper hörte die Entscheidung wohl, schien aber davon auszugehen, dass Arnsberg im weiteren Verfahren nun Probleme bereiten werde.

Neben Wolfgang Theofel war gestern noch ein zweiter Planer im Bauausschuss. Dieter Eckey stellte für die Firma Lidl die Planungen für einen neuen Supermarkt vor. Demnach will Lidl nun an den alten Standort von Aldi am Laaspher Ortsausgang in Richtung Hessen, nachdem der neue Aldi-Markt bald neben dem bestehenden Lidl in der Stockwiese seine Pforten öffnet. Beide Märkte wechseln sozusagen die Standorte, wobei Lidl das alte Aldi-Gebäude vollständig abreißen wird. Auf 950 Quadratmetern Verkaufsfläche möchte Lidl dann seine Waren hier anbieten. Die Bahnhofstraße sei für sie, so der Planer, die einzige Laaspher Einkaufsstraße. Entstehen sollen außerdem 111Parkplätze. Alle Planungen seien mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein abgestimmt, die Bauvoranfrage liege bei der Regierungspräsidentin. Architektin Claudia Hengst wollte für die CDU wissen, da das alte Aldi-Gebäude direkt am Ortseingang keine Schönheit sei, wie sich die Planer das neue Gebäude vorstellten. »Es wird auf jeden Fall ansprechender,« so Dieter Eckey. Es bekomme ein Satteldach, sei wohl vergleichbar mit dem neuen Aldi-Gebäude in der Stockwiese, wobei der Lidl-Mann einräumte: »Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters.«

Und obwohl es heißt, aller guten Dinge sind drei, kam gestern der dritte Planer, mit dem sich der Bauausschuss beschäftigen musste, am schlechtesten weg. Der hatte sich nämlich für den Hesselbacher Holderweg etwas Schönes ausgedacht. Doch völlig vorbei an den Realitäten wie Besitzverhältnisse oder Bürgerwünschen, fand Siegfried Fey. Das erzürnte den Genossen: »Wo hat der geplant, im stillen Kämmerlein?« Die Verwaltung hat jedoch nun mit den Anwohnern einen gangbaren Weg gefunden, der diese zwar nicht unbedingt jubeln lässt. Doch am Ende wurde der Ausbau gegen die sechs Stimmen der SPD beschlossen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

Der Weltsparmonat für Groß und Klein

ThemenweltenAnzeige
Eine glänzende Zukunft ist einfach
2 Bilder

Eine glänzende Zukunft ist einfach
Der Weltsparmonat für Groß und Klein

Die erste Erinnerung an die Sparkasse Für viele reicht sie in die Kindheit zurück. Die volle Spardose unterm Arm ging es Jahr für Jahr Ende Oktober zum Weltspartag in die nächste Filiale der Sparkasse. Dabei hat der Weltspartag eine fast hundertjährige Tradition: Zum ersten Mal fand am er 31. Oktober 1925 statt. Das Ziel: Mit kleinen Beträgen über die Jahre ein Vermögen aufbauen – und so den Wert des Geldes schätzen lernen. Sparen, so hieß es damals „ist eine Tugend und eine Praktik, die...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen