Dennoch werden Wohnungen gesucht
Nur ein einziger Flüchtling in 2021

Bad Laasphe nahm 2015 über 100 Flüchtlinge auf. Das Bild aus 2016 zeigt einige Männer und Kinder bei einer Demo vor der ehemaligen Schlossbergklinik, ihrer damaligen Unterkunft. Dieses Jahr wurde nur eine Person zugewiesen.
  • Bad Laasphe nahm 2015 über 100 Flüchtlinge auf. Das Bild aus 2016 zeigt einige Männer und Kinder bei einer Demo vor der ehemaligen Schlossbergklinik, ihrer damaligen Unterkunft. Dieses Jahr wurde nur eine Person zugewiesen.
  • Foto: howe (Archiv)
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howe Bad Laasphe. Keinen einzigen Flüchtling hat die Stadt Bad Laasphe in diesem Jahr zugewiesen bekommen, den sie „mit Wohnsitzauflage“ unterbringen muss. Das geht aus dem Bericht von Volker Kohlberger hervor, den der Fachbereichsleiter Bürgerdienste am Montagabend dem Ausschuss für Freizeit, Jugend, Soziales und Sport vorlegte. Zur Erinnerung: 2018 wurden der Stadt noch 35 Menschen zugewiesen. Ähnlich sieht es bei denjenigen aus, die nach dem sogenannten Flüchtlingsaufnahmegesetz in die Lahnstadt kommen – die sich also mitten im Asylverfahren befinden oder nach dem Duldungsrecht in Deutschland sind. Hier erfolgte für Bad Laasphe bisher in 2021 gerade mal eine Zuweisung, in 2020 waren es 4.

Zu wenig Wohnraum für Flüchtlinge

Dennoch wirkt die Flüchtlingswelle von 2015 weiterhin deutlich nach. Damals musste Bad Laasphe 105 Menschen aufnehmen, in den Folgejahren lag auch die Zahl derer, denen eine adäquate Wohnung zugeteilt werden musste, jeweils zwischen 25 und 35. Die Folge: Bis heute hat sich an der Situation nichts geändert. Es steht zu wenig Wohnraum für diese Menschen zur Verfügung. Ziel ist, Personen aus den Notunterkünften langfristig in eigenen Wohnungen unterzubringen.

„Die Unterbringung ist nur für einen vorübergehenden, begrenzten Zeitraum vorgesehen“, hieß es. Die städtischen Notunterkünfte würden nur dazu dienen, Obdachlosigkeit zu verhindern. Volker Kohlberger verriet, dass für 41 Personen noch „angemessener Wohnraum“ gesucht werde. Insgesamt wohnen aktuell 36 Personen mit Wohnsitzauflage in Bad Laasphe, hinzu kommen 5 Obdachlose, die in den städtischen Unterkünften untergebracht sind.

Probleme zwischen Obdachlosen und Flüchtlingen

Die Stadt Bad Laasphe sucht nun weiter nach Wohnungen – schon allein, um auch die Probleme unter den Menschen selbst zu lösen. Volker Kohlberger: „Es gibt Probleme im zwischenmenschlichen Bereich zwischen den Obdachlosen und den Flüchtlingen. Das muss man ganz klar feststellen.“ Der Sozialamtsleiter legte einen detaillierten Bericht ab. Demnach unterschieden nach den Flüchtlingen, die sich im Asylverfahren befinden (Flüchtlingsaufnahmegesetz), und jenen, deren Asylgesuch positiv beschieden wurde.

Bei Ersteren erfüllt die Stadt Bad Laasphe ihre Quote deutlich mit derzeit 130,62 Prozent. Volker Kohlberger nannte die Zahlen der Nachbarkommunen: In Bad Berleburg sind es 100,64 Prozent, in Erndtebrück 157,52 Prozent. Anders sieht es bei Flüchtlingen aus, die nach der sogenannten Wohnsitzauflage den Kommunen zugewiesen werden.

65 Betten sind in der Notunterkunft belegt

Hier erreicht Bad Laasphe gerade mal eine Aufnahmequote von 31 Prozent. Auch die bei den anderen Wittgenstein-Kommunen liegen nicht im Soll. Bad Berleburg hat eine Aufnahmequote von 27,2 Prozent, Erndtebrück von 36,53 Prozent. Was die Wohnsitzzuweisung anbetrifft, so stammt die eine Person, die in diesem Jahr nach Bad Laasphe gezogen ist, aus dem Irak.

Insgesamt kommt die Lahnstadt auf 65 Personen, die hier Zuflucht gefunden haben, darunter die meisten aus Syrien (12 Personen), Eritrea (9), Afghanistan (8) und Armenien (6). Für die Unterbringung der Flüchtlingen stehen der Stadt weiterhin freie Kapazitäten zur Verfügung.

65 Betten sind in den städtischen Notunterkünften derzeit belegt, bei einer maximalen Kapazität von 141 wären noch 74 frei. Wie gesagt: Es muss aber Wohnraum für diejenigen gefunden werden, die hier anerkannt und verpflichtet sind, mindestens drei Jahre ihren Wohnsitz in Bad Laasphe zu nehmen.
Diese Flüchtlinge erhalten auch Leistungen vom Jobcenter, während die nur geduldeten oder im Asylverfahren befindlichen Personen städtische Leistungen in Anspruch nehmen. Volker Kohlberger bezifferte die Ausgaben nach dem Asylbewerberleistungsgesetz für 2020 auf rund 435 000 Euro, wobei der Kreis auch 175 000 Euro erstattet. In 2019 lagen die Kosten bei rund 340 000 Euro.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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