Ohne Hänger oder Haspler

Zwölftklässler des Städtischen Gymnasiums Laasphe spielten Dürrenmatts »Frank der Fünfte«

JG Bad Laasphe. Stellt man sich den Gipfel der gesellschaftlichen Angesehenheit in der westlichen Welt vor, dann fallen einem relativ zügig die Chefs von Banken ein. Vielleicht nicht immer zur Recht. Der größte portugiesische Dichter des 20.Jahrhunderts, Fernando Pessoa, etwa setzte in der gleichnamigen Satire einem »anarchistischen Bankier« ein Denkmal. Die Lebensphilosophie darin: Man muss sich erstmal als Banker genügend Geld und Einfluss verschaffen, um danach aus dieser Position das kapitalistische System von innen heraus auszuhebeln.

Auch der Dramatiker Friedrich Dürrenmatt – selbst Schweizer – war ganz augenfällig kein großer Freund der Bankiere, in seinem Stück »Frank der Fünfte« ist die Privatbank des Titelhelden schlicht und ergreifend Deckmantel für alle kriminellen Aktionen, die sich ein wohlanständiger Mensch zwischen Bestechung und Mord vorstellen kann. Die Lebensphilosophie hier: Erst reich, dann anständig. Mit der 1980 überarbeiteten Fassung der 1958er Komödie hatte sich der Theaterkurs der Jahrgangsstufe Zwölf des Städtischen Gymnasiums auch in diesem Jahr keine leichte Theater-Kost ausgesucht.

Wobei die Grundvoraussetzung für einen gelungenen Theaterabend schon einmal gegeben war. Ohne Haspler oder Hänger brachten die Oberstufenschüler ihr Stück auf die Bühne. Die Weidenhäuserin Anna Hofius, die Laaspher Stephanie Schäfer, Juliane Mazur, Markus Pfeil, Sandra Schäfer und Viola Hahn, die Feudinger Viola Dornhöfer und Timo Hofmann, Dinah Holzapfel aus Weide, Melanie Wickel aus Oberndorf, die Fischelbacherin Isabell Kuhli, die Hesselbacherin Katja Theuser, die Berleburgerin Ann Christin Weide, der Erndtebrücker Dominik Dellori sowie Birke Schwarz und Rabea Pankalla aus dem Hinterland zeigten auf den Brettern, was sie im vergangenen Schuljahr gelernt hatten. Die Erndtebrückerin Tanja Teichmann und die Breidenbacherin Tabea Burk sowie der Bermershäuser Björn Rothenpieler und der Wallauer Benjamin Dombert sorgten aus dem Off dafür, dass Bühnenbild, Kostüme, Maske und Technik funktionierten. Regie führte Christine van der Wijst-Althaus.

Dass das Stück über den Niedergang einer kriminellen Bankiersfamilie und deren Wiederauferstehung ein wenig Staub im Laufe der langen Jahre angesetzt hatte, das merkte man hier und da der Aufführung an. Doch allein die 15.Szene »Das Glück des Lebens« machte klar, zu welcher Qualität die Laaspher Schüler fähig waren. Ausgestattet mit Wasser-Maschinen-Pistolen saßen die Akteure im Tresorraum und feierten in einem ausgefeilten Klatsch-Rap Sittlichkeit und Tugend: »Anständigkeit, Anständigkeit / Traum des Lebens / Deiner harren wir vergebens.«

Mit immer wieder gereimten Passagen hatte Friedrich Dürrenmatt hierfür eine sehr gute Vorlage gegeben, die in diesem Fall perfekt aufgenommen wurde – deutlich spürbar war, mit wieviel Spaß die Schüler die Szene gemeinsam mit ihrer Lehrerin erarbeitet und gestaltet hatten. Allein dafür gebührte reichlich Applaus. Schade, dass bei so vielen engagierten Akteuren sich die Stuhlreihen der Aula nicht ganz füllten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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