Party-Service statt Steinchen-Schnitzel?

Bad Laasphe: Hickhack um Vertrag / SPD und CDU geben alle Macht dem Pächter

howe Bad Laasphe. Wer auch immer der neue Pächter des Bad Laaspher Restaurants »Zum Steinchen« wird (die SZ berichtete), er hätte eigentlich die jüngste Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses besuchen sollen. Dort berieten die Ausschussmitglieder nämlich die Modalitäten des Pachtvertrags. Am Ende entschied man sich bei zwei Gegenstimmen für das bestehende, alte Vertragswerk. Von vorn: Zwei »Fraktionen« hatten sich gebildet. Die eine, CDU und SPD vereint, sprachen sich dafür aus, dem neuen Pächter den alten Vertrag anzubieten.

Sprich: Der Pächter hat die Macht, er entscheidet über die Vergabe seiner Räumlichkeiten an Vereine. Die andere Fraktion setzte sich aus Bürgermeister Robert Gravemeier und den im Saal anwesenden Zuhörern Evelyn Benner (TKS) und Otto Wunderlich als Sprecher der Vereine zusammen. Sie vertraten, nachdem der Ausschuss ihnen das Wort erteilt hatte, die Ansicht, einen moderneren Weg einzuschlagen und den Pächter zu verpflichten, Veranstaltungen von Vereinen durchzuführen. Oder anders betrachtet: Die Vereine sollten das Recht erhalten, bestimmte Feiern in der in städtischem Besitz befindlichen Haus-des-Gastes-Gaststätte durchzuführen. Christdemokrat Jürgen Borchert formulierte die Angelegenheit aus seiner Sicht so: »Wir haben jahrlang negative Erfahrungen gemacht. Ein gut renoviertes Lokal soll wirtschaftlich rentabel sein. Ich verstehe die Vereine, aber das Vorrecht sollte beim Pächter liegen.«

CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Borchert sah folgendes Problem: Wenn der Pächter verpflichtet sei, Veranstaltungen von Vereinen zu bewirtschaften, müsse er auch das Preisniveau senken. Vielleicht verkaufe er an einem Abend auch nur 20 Fläschchen Wasser. Das sei wirtschaftlich nicht lukrativ für ihn. Jürgen Borchert schlug vor, es mit dem alten Vertrag ein Jahr lang auf Probe zu belassen. Sozialdemokrat Otto Düsberg stellte sich das Szenario vor, ein Verein wolle eine Veranstaltung im »Steinchen« ausrichten, bestelle das Essen aber bei einem Party-Service. Einen solchen Vertrag, bei dem die Vereine den Ton angeben, würde er nicht unterschreiben. Ausschuss-Vorsitzender Arno Vomhof forderte den neuen Pächter auf, zu zeigen, dass er alle Probleme mit den Vereinen in den Griff bekomme. Indes verfolgte das Quartett Evelyn Benner, Otto Wunderlich, Anne Bade (»Ich gebe dem Bürgermeister ja selten recht. Diesmal muss ich es aber.«) und Robert Gravemeier eine andere Argumentationslinie. Als die Gastronomie in Haus des Gastes lange geschlossen gewesen sei, hätten sich die Vereine gemeldet. »Wenn ein Gastronom flexibel ist, dann wird ein Pächter auf die Wünsche der Vereine eingehen. Er wird schon aufgrund seines Heimvorteils die Veranstaltungen selbst bewirten«, kämpfte die TKS-Geschäftsführerin noch vor der Abstimmung. Für den Pächter biete sich mit den Vereinsfeiern sogar eine Chance.

Otto Wunderlich sprach ebenfalls aus der Vereinsseele. Für die gebe es in Bad Laasphe nichts. Das Haus des Gastes und damit die Gastronomie solle mehr öffentlich genutzt werden. Die Vereine sollten nicht von Bad Laasphe weggehen, sondern sich hier ausbreiten. »Wenn der Pächter klug ist und er unternehmerisches Geschick beweist, dann läuft das. Geben Sie den Vereinen die Chance«, bat Otto Wunderlich. – Vergebens.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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