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Nach Verstößen gegen die Verordnung
Paukenschlag: Drei Hausärzte im Kreis verlieren ihre Impf-Lizenz

Frank Leyener geht aus seiner Sicht pragmatisch mit übriggebliebenem Corona-Impfstoff um - und verliert nun seine Lizenz.
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vö Siegen/Feudingen/Bad Berleburg/Burbach. Die Tatsache, dass Frank Leyener Corona-Impfstoff, der bei seinen Einsätzen in Alten- und Pflegeheimen übrig war, in eigener Regie an Patienten seiner Praxis verimpfte, hat für den Feudinger Mediziner Konsequenzen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat ihm am Mittwoch die Impf-Lizenz entzogen. Entsprechende SZ-Informationen bestätigte KV-Vertreter Dr. Thomas Gehrke, der Leiter des Impfzentrums Eiserfeld, auf Anfrage: „Wir werden den Kollegen Frank Leyener nicht mehr berücksichtigen.“ Die KV begründet ihre Entscheidung mit deutlichen Worten.

KV bestürzt über öffentliche Wahrnehmung von Frank Leyener
Das gelte auch für einen Kollegen aus Burbach, der schon länger im Verdacht gestanden habe, die Verordnung zu ignorieren, und einen Arzt aus Bad B

Siegen/Feudingen/Bad Berleburg/Burbach. Die Tatsache, dass Frank Leyener Corona-Impfstoff, der bei seinen Einsätzen in Alten- und Pflegeheimen übrig war, in eigener Regie an Patienten seiner Praxis verimpfte, hat für den Feudinger Mediziner Konsequenzen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat ihm am Mittwoch die Impf-Lizenz entzogen. Entsprechende SZ-Informationen bestätigte KV-Vertreter Dr. Thomas Gehrke, der Leiter des Impfzentrums Eiserfeld, auf Anfrage: „Wir werden den Kollegen Frank Leyener nicht mehr berücksichtigen.“ Die KV begründet ihre Entscheidung mit deutlichen Worten.

KV bestürzt über öffentliche Wahrnehmung von Frank Leyener

Das gelte auch für einen Kollegen aus Burbach, der schon länger im Verdacht gestanden habe, die Verordnung zu ignorieren, und einen Arzt aus Bad Berleburg. „von dem wir wissen, dass in seiner Praxis junge Menschen geimpft worden sind“. Gehrke machte kein Geheimnis daraus, dass die KV bestürzt darüber sei, dass Frank Leyener in der öffentlichen Wahrnehmung „als Held dargestellt“ werde, obwohl er das moralische Recht nicht auf seiner Seite habe. Tatsächlich schlugen dem Feudinger nach der SZ-Berichterstattung Wellen der Sympathie entgegen, weil er sich den Regeln „von oben“ widersetze. Das sieht die KV völlig anders: „Es wurde eindeutig gegen die Verordnung und gegen Qualitätsmerkmale des Impfstoffes verstoßen.“ Der Kollege habe Fläschchen ohne die vorgeschriebene Kühlung transportiert. Und: Er habe rekonstituierte Fläschchen geöffnet und einfach Menschen priorisiert, die noch überhaupt nicht an der Reihe gewesen seien. Das entspreche nicht dem gesellschaftlichen Konsens.

"Sein Verhalten ist nicht korrekt"

Thomas Gehrke legte nach: „Ich unterstelle dem Kollegen nicht, dass er damit Geld verdienen wollte, aber sein Verhalten ist nicht korrekt. Das hat mit ärztlich-ethischem Verhalten nichts zu tun.“ Leyeners Vorgehen schränke die Handlungsfähigkeit und die Glaubwürdigkeit der Arbeit des Impfzentrums ein. „Ich bin ratlos, sprachlos, enttäuscht und verärgert.“
Sein Stellvertreter Dr. Michael Klock gab zu bedenken, dass sich alle Kollegen, die in diesem Bereich tätig seien, an Regeln halten müssten. Er wolle ein Beispiel geben: In Siegen seien die Menschen eines Altenheims geimpft worden – die Bewohner eines betreuten Wohnens in unmittelbarer Nachbarschaft dagegen nicht, weil sie noch nicht priorisiert gewesen seien. „Das tut mir als Arzt auch weh, aber es ist die vorgesehene Reihenfolge.“ Frank Leyener habe diese Ärzte, „die sich zu geschätzt 95 Prozent an die Regeln halten, vor den Kopf gestoßen“. Wenn die offenbar gängige Praxis in Feudingen Schule mache, „dann ist der Impfstoff weg, bevor die Generation über 80 geimpft ist“.

Es wird kein Corona-Impfstoff verschwendet

Torsten Manges, Pressesprecher des Kreises Siegen-Wittgenstein, machte im SZ-Gespräch deutlich, dass nach der Berichterstattung über Frank Leyener der Eindruck entstanden sein könnte, dass es für Impfstoff, der übrig sei, keine Verwertung gebe: „Das ist definitiv nicht der Fall.“ Volle Fläschchen würden mit einem Spezialfahrzeug zurück ins Impfzentrum gebracht. Das komme „sogar sehr häufig“ vor. Angebrochene Dosen würden von den Ärzten ebenfalls gemeldet. Dann würden zunächst die impfenden Teams berücksichtigt, danach die Mitarbeiter in den Einrichtungen. Wenn dort kein Bedarf mehr bestehe, schicke das Impfzentrum Menschen los, die ihre Impfung – entsprechend der Prioritätenliste – empfangen könnten. Diese Variante „kommt nicht ganz so häufig vor, aber auch sie ist gelebte Praxis“. Das sei der Beitrag des Kreises in einem funktionierenden Gesamtkonzept.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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