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Unglück vor 30 Jahren
Planwagenfahrt endet mit schrecklichem Unfall

Ein Polizeibeamter fotografiert damals das erschreckende Ende der Planwagenfahrt auf der Friedrichshütte bei Bad Laasphe am 18. Juni 1990. Sechs Menschen sterben in den Trümmern des Wagens.
  • Ein Polizeibeamter fotografiert damals das erschreckende Ende der Planwagenfahrt auf der Friedrichshütte bei Bad Laasphe am 18. Juni 1990. Sechs Menschen sterben in den Trümmern des Wagens.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Holger Weber (Redakteur)

howe Bad Laasphe. An jenem Montag des 18. Juni 1990 bricht in Bad Laasphe eine kleine, beschauliche Welt zusammen. Vor genau 30 Jahren freuen sich 34 Senioren einer 42-köpfigen Reisegruppe aus Norddeutschland auf ihre Planwagenfahrt durch den Wittgensteiner Wald.

Der Bürgerverein des Hamburger Stadtteils Sasel-Poppenbüttel ist es, der damals eine Busreise in den Kurort Bad Laasphe bucht. Das Kneipp-Heilbad und das Wittgensteiner Land mit seinen Bergen und der einzigartigen Natur – das sind die Vorzüge, die die älteren Menschen in die Region locken. Im Hotel Fasanerie sind die Gäste untergebracht, zwei Stunden lang soll es auf der Friedrichshütte an der alten Industriebrache vorbei in den Wald gehen – auf einem Planwagen, gezogen von zwei Pferden.

howe Bad Laasphe. An jenem Montag des 18. Juni 1990 bricht in Bad Laasphe eine kleine, beschauliche Welt zusammen. Vor genau 30 Jahren freuen sich 34 Senioren einer 42-köpfigen Reisegruppe aus Norddeutschland auf ihre Planwagenfahrt durch den Wittgensteiner Wald.

Der Bürgerverein des Hamburger Stadtteils Sasel-Poppenbüttel ist es, der damals eine Busreise in den Kurort Bad Laasphe bucht. Das Kneipp-Heilbad und das Wittgensteiner Land mit seinen Bergen und der einzigartigen Natur – das sind die Vorzüge, die die älteren Menschen in die Region locken. Im Hotel Fasanerie sind die Gäste untergebracht, zwei Stunden lang soll es auf der Friedrichshütte an der alten Industriebrache vorbei in den Wald gehen – auf einem Planwagen, gezogen von zwei Pferden. Der Sohn des bekannten Senior-Reit- und Fahrlehrers macht Pferde und Fuhrwerk klar. Der Mann lebt von den Planwagenfahrten. Reiten und Unterricht werfen längst nichts mehr ab. Alles bereitet sich auf einen angenehmen Nachmittag vor. Um 14 Uhr startet die erste der beiden Gruppen, um 16 Uhr die zweite. Dann passiert das furchtbare Unglück. Eine Seitenwand, an der die Senioren sitzen, bricht offenbar und kippt nach außen weg.

Die alten Leute stürzen mit dem Kopf zuerst auf den Boden, verfangen sich in der Plane und in den losen Brettern. Den Rettungskräften vor Ort bietet sich ein schreckliches Bild. Wie sich herausstellt, sterben bei dem schrecklichen Unfall sechs Personen. Für sie kommt jede Hilfe zu spät. Der Ausflug nach Bad Laasphe wird zum Alptraum. Exakt ein Jahr später, sogar am Jahrestag des Unglücks, verhandelt die Erste Große Strafkammer des Siegener Landgerichts den Fall. Das Magazin „Der Spiegel“ berichtet ganz groß.

Die Staatsanwaltschaft klagt den Betreiber der Planwagenfahrten wegen fahrlässiger Tötung an. Der schwere Vorwurf: Der mangelhafte Zustand des Wagens habe dem Mann bekannt sein müssen, schließlich sei er Betreiber und Fahrer in einem gewesen. Was man sich gar nicht ausdenken mag, wird leider wahr: Ein Gutachter stellt dem Planwagen kein gutes Zeugnis aus. Aus einem Gummiwagen soll mit weiteren Brettern und einfachen Holzschrauben ein Planwagen gebaut worden sein – wobei der Sohn während der Gerichtsverhandlung versichert, sein Vater besitze jahrelange Erfahrung und wisse, wie stabil so ein Planwagen sein müsse. Der Staatsanwalt findet laut Spiegel deutliche Worte, wirft dem Betreiber vor, er hätte nur mit gesundem Menschenverstand wissen müssen, dass das Ganze unfachmännisch zusammengebaut worden sei. Bestätigt wird der Staatsanwalt vom Gutachter. Der Sachverständige für Kraftfahrzeuge aus Marburg kommt zu dem Ergebnis: Die Bodenbretter und die Bordwände seien nur mit einfachen Holzschrauben befestigt worden. Eine Schraube im hinteren Bereich habe gefehlt, bei einer anderen sei der Kopf abgebrochen.

Auch die Sitze seien mitunter lediglich mit wenigen Schrauben an der Seitenwand festgemacht worden. Am Boden seien die Sitze sogar überhaupt nicht befestigt gewesen. Der Gutachter beschreibt zu den Mängeln auch die enorme Beanspruchung des Planwagens durch Schlaglöcher und über den Waldweg. Der Angeklagte wird schließlich zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Außerdem muss er 3000 Euro Geldstrafe zahlen, berichtet der Spiegel. Am Ende trägt der Angeklagte auch die Last, dass bei einem Unglück mit seinem Planwagen sechs Menschen ums Leben gekommen sind. Die Hauptschuld, sagt der Richter, liege sicher nicht bei dem Sohn, sondern bei dem Vater. Der habe das Gefährt schließlich konstruiert. In Bad Laasphe kehrt mit den Jahren Ruhe ein. Zwar ist vielen das Unglück noch in Erinnerung, es ist aber nicht mehr großes Thema in der Lahnstadt. In aller Stille errichten Angehörige der Opfer von 1990 eine Gedenktafel – genau an dem Ort, wo das Unglück einst geschah.

Christel und Helmut Wickel vom Wabachtal kümmern sich seit 1996 um das Andenken an die Opfer. Sie bepflanzen den Kübel vor Ort mit frischen Blumen, sorgen sich um die Gedenkstätte, um an diejenigen Menschen zu erinnern, die einst tödlich verunglückten. Helmut Wickel führt sogar haarklein über die Jahre Buch. Immerzu setzt er sich unermüdlich für die Pflege der Gedenkstätte in der Lahnstadt ein, moniert ein ums andere Mal den Zustand und investiert privat neben zahlreichen ehrenamtlichen Stunden auch einiges an Geld.

Im Jahre 2008 wechselt die Patenschaft des Andenkens. Aus Altersgründen übertragen Christa und Helmut Wickel die Pflege der Unfallstelle an die Lachsbachschule, die jedes Jahr eine Landschaftsschutzaktion durchführt, indem die Schüler unter anderem die Wanderwege von Müll und Unrat befreien. Bis zu 20 Jugendliche zeichnen fortan für die Pflege der Gedenkstätte verantwortlich und pflanzen Blumen.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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