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Windkraft in Bad Laasphe und Hilchenbach
Prinz Karl rügt „10-Häuser-Regelung“

Der Bürgerwindpark Hilchenbach wäre von der 1000-Meter-Regelung und der „10-Häuser-Regelung“ nicht betroffen.
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  • Der Bürgerwindpark Hilchenbach wäre von der 1000-Meter-Regelung und der „10-Häuser-Regelung“ nicht betroffen.
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howe/js Bad Laasphe/Hilchenbach. Dass die Landesregierung die Einführung von 1000-Meter-Abständen von der Wohnbebauung zu Windenergieanlagen plant, ist hinlänglich bekannt. Jetzt soll diese Abstandsregel aber schon bei zehn Häusern und bei Mischgebieten gelten – auch, wenn die nicht allein als Wohnort dienen. Mehr noch: Wie der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) aktuell mitteilt, nutze die Landesregierung ihren Spielraum „so restriktiv wie möglich“ aus. Denn sowohl der Austausch von Alt-Anlagen als auch der Zubau neuer Anlagen werde durch diese Regelung blockiert.
Energiewende ausgebremstFür Karl Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg vom Bad Laaspher Windkraft-Unternehmen Wittgenstein New Energy (WNE) würde das durchaus gravierende Probleme nach sich ziehen.

howe/js Bad Laasphe/Hilchenbach. Dass die Landesregierung die Einführung von 1000-Meter-Abständen von der Wohnbebauung zu Windenergieanlagen plant, ist hinlänglich bekannt. Jetzt soll diese Abstandsregel aber schon bei zehn Häusern und bei Mischgebieten gelten – auch, wenn die nicht allein als Wohnort dienen. Mehr noch: Wie der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) aktuell mitteilt, nutze die Landesregierung ihren Spielraum „so restriktiv wie möglich“ aus. Denn sowohl der Austausch von Alt-Anlagen als auch der Zubau neuer Anlagen werde durch diese Regelung blockiert.

Energiewende ausgebremst

Für Karl Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg vom Bad Laaspher Windkraft-Unternehmen Wittgenstein New Energy (WNE) würde das durchaus gravierende Probleme nach sich ziehen. „Wir bremsen die Energiewende in NRW aus. Das ist gegen alles, was in Berlin und im Pariser Abkommen beschlossen wurde“, sagt Prinz Karl, der zugleich als Bezirksvorsitzender des LEE NRW fungiert. „Wir sind einerseits Opfer des Klimawandels wegen der Käferschäden, andererseits versuchen wir, die Schäden durch Windkraftanlagen wieder wett zu machen.“

Neue Regelung zerstört Projekte

Allein durch die Schallimmissionen seien Abstände unter 800 Meter gar nicht möglich. Insofern habe die WNE ohnehin die meisten Anlagen auf 800 bis 900 Meter gesetzt. „Das jetzt nochmal neu zu regulieren und eine Zehn-Häuser-Regelung vorzugeben, zerstört die Projekte.“ Problem für die Bad Laaspher WNE, die seit 2013 einen Windpark mit in Kürze zwölf Anlagen zwischen Banfe und Hesselbach betreibt: „Wenn die Regelung so durchgesetzt wird, können wir einen hohen Anteil unserer Anlagen vergessen.“ Denn würden die in einigen Jahren aus Altersgründen erneuert, würde wohl keine Genehmigung mehr erteilt. „Einige Anlagen können dann nicht mehr repowert werden“, so Prinz Karl, der vor weiteren Effekten warnt. So gebe es dann in Zukunft weniger Flächen für die Windkraft. Und für die, die noch zur Verfügung stünden, würden die Besitzer regelrecht „umgarnt“ von den Windkraft-Betreibern. Heißt im Klartext: Die Preise für solche Flächen schnellen in die Höhe. „Die Nachfrage wird höher als das Angebot.“

"Geisterfahrt der Landesregierung"

Prinz Karl warnt vor dieser Entwicklung, die mit den neuen Abstandsregelungen herbeigeführt werde. Der Landesverband LEE NRW reagiert angesäuert: „Jetzt, kurz vor Weihnachten, kommt dieser Tritt vors Schienbein. Die Landesregierung folgt hier den Windkraftgegnern und opfert dafür das Zugpferd der Energiewende“ betont Christian Mildenberger, Geschäftsführer des LEE NRW. Für Reiner Priggen als Vorsitzender des LEE NRW ist das Vorgehen der Landesregierung ebenfalls unverständlich: „Das ist eine energiepolitische Geisterfahrt dieser Landesregierung. In den kommenden zwei Jahren werden 5600 Megawatt Kohle-Kraftwerkleistung stillgelegt. Die Wertschöpfung daraus entfällt und sollte durch Erneuerbare Energien ersetzt werden. Aber die Landesregierung will gleichzeitig noch Flächenpotenziale für die Windenergie blockieren und kommt auch bei der Solarenergie nicht voran. Eine Lose-lose-Situation für alle.“ Wir haben die Standorte bewusst nach maximaler Ortsentfernung ausgesucht.

Nur Waldtabu wäre problematisch

Auch Günter Pulte, Landwirt und Windmüller aus Rahrbach, betrachtet die Restriktionen des Landes kritisch. Seine eigenen Projekte sind davon allerdings nicht betroffen. „Problematisch wäre für uns ein Waldtabu geworden.“ Das hätte in Kombination mit der 1000-Meter-Regelung bedeutet, dass in ganz Nordrhein-Westfalen kein einziges Windrad mehr gebaut werden könnte. Dass der Mindestabstand der Anlagen zur nächsten Wohnbebauung – selbst kleinen Weilern – nun auf einen Kilometer festgelegt wurde, berührt weder Pultes bestehende, noch die geplanten Windkraftanlagen. Seit 20 Jahren betreibt der Rahrbacher mit Partnern das Windrad „Ewiger Fuhrmann“ in Littfeld, dessen Förderung mit dem Jahresende ausläuft.

Einstiges Rekordwindrad bald ausgefördert

Bürgerwindpark Hilchenbach nicht betroffen

Ein Repowering, also eine zeitgemäße Erneuerung der Anlage am selben Standort, ist aktuell nicht geplant. Die Abstandsregel würde dies jedoch nicht verhindern: Das nächstgelegene Wohnhaus, ein Bauernhof, liegt 1400 Meter weit entfernt. Auch der Bürgerwindpark Hilchenbach mit seinen fünf 2007/08 ans Netz gegangen Anlagen ist nicht betroffen: Das Hotel Sonnenhang in Hilchenbach ist 1925 Meter von den nächstgelegenen Anlagen entfernt, der Abstand zur Wohnbebauung in Heinsberg liegt bei mindestens 1650 Metern. Der neue Bürgerwindpark, den Pulte und Partner mit 17 Anlagen auf Hilchenbacher und Kirchhundemer Terrain planen, wird mindestens zwei Kilometer von Heinsberg und über 1000 Meter vom nächsten Gebäude im Hilchenbacher Stadtgebiet entfernt liegen. „Die Akzeptanz der Bürger war uns bei den Planungen immer wichtig“, erklärt Günter Pulte. „Daher haben wir die Standorte bewusst nach maximaler Ortsentfernung ausgesucht.“

Der Bürgerwindpark Hilchenbach wäre von der 1000-Meter-Regelung und der „10-Häuser-Regelung“ nicht betroffen.
Der Windpark von Prinz Karl Wittgenstein und dessen Vater Ludwig Ferdinand sehr wohl.
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SZ Redaktion aus Siegen

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