Rebellin und Mystikerin vorgestellt

Gern signierte die Referentin Renate Wind nach dem Vortrag und der Diskussion ihre Biographien von Sölle und Bonhoeffer. Foto: jg
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jg Bad Laasphe. „Erinnerung - Verantwortung - Zukunft“ heißt die neue Vortragsreihe der Laaspher Kurseelsorge. In der Unterzeile steht dabei „60 Jahre Bundesrepublik - 20 Jahre Mauerfall“. Das hätte man im speziellen Fall des Auftakts um „80 Jahre Dorothee Sölle“ ergänzen können, denn genau um diese evangelische Theologin - die in knapp fünf Wochen 80 geworden wäre - ging es jetzt vor rund 30 Zuhörern im Laaspher Haus des Gastes. Die passe gut in die Reihe, schließlich sei für ihn Dorothee Sölle sehr deutlich eine bundesrepublikanische Theologin gewesen, so Johannes Weissinger als organisierender Lahnstadt-Kurseelsorger.

Über Dorothee Sölle sprach in Bad Laasphe eine Frau, die die Theologin selbst gekannt hatte: Dr. theol. Renate Wind, die vor knapp 60 Jahren im westfälischen Hamm geboren worden war. Heute lebt diese in Heidelberg und lehrt als Professorin für Biblische Theologie und Kirchengeschichte an der evangelischen Fachhochschule für Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit in Nürnberg. Sehr bekannt wurde sie Anfang der 90er Jahre mit ihrer hochgelobten Bonhoeffer-Biographie „Dem Rad in die Speichen fallen“.

Vor rund einem Jahr brachte Renate Wind die Biographie „Dorothee Sölle - Rebellin und Mystikerin“ auf den Markt, auch hierfür gab es viel Anerkennung. Zunächst einmal stellte sich die Frau mit Ruhrgebietswurzeln in Bad Laasphe selbst vor: „Mein Herz schlägt blau-weiß und links“. Wer den Farbcode darin entschlüsseln kann, wundert sich nicht darüber, dass die Referentin dann noch über Johannes Weissinger sagte: „Leider ist er aus Dortmund.“

Aber wider Erwarten ging es dann doch nicht um Fußball, sondern um Dorothee Sölle. Renate Wind stellte sehr persönlich die renommierte Theologin vor, in klar durchdachten und zuvor akribisch recherchierten Sätzen: „Die Wahrheit wollte sie wissen, deshalb studierte sie Theologie.“ Nachvollziehbar charakterisierte sie die Frau, die „für ein entrücktes Denkmal nicht tot genug“ sei, zu der ihr zweiter Ehemann sagte: „Das Schönste an Dir ist Deine Widersprüchlichkeit.“ Nicht umsonst habe sie im Titel ihrer Sölle-Biographie sowohl die Rebellin als auch die Mystikerin angesprochen, sagte Renate Wind über Dorothee Sölle, die für Befreiungs-Theologie, Feminismus, Friedensbewegung und Solidarisches Handeln sowie umweltorientierte Graswurzelbewegung wichtig gewesen sei.

Nachdem die Referentin kurzweilig ihr differenziertes und sehr persönliches Bild von Dorothee Sölle gezeichnet hatte, nutzten einige der Zuhörer gern die Gelegenheit, Fragen an Renate Wind zu stellen. Der Laaspher Alex Pfeil etwa wollte wissen, wie es inzwischen um die Wertschätzung für die einst höchstumstrittene Theologin in der großen offiziellen Kirche der EKD bestellt sei. Auch hier antwortete die Sölle-Kennerin klar und differenziert. In den Führungsgremien seien heute viele angekommen, die Dorothee Sölle geschätzt hätten: „Das Problem sind die Jungen.“ Vielen dieser Christen gehe es um eher eine „unpolitische Spiritualität“ oder auch das „Party-Machen“ im Glauben.Vertiefend sprach Renate Wind in der Diskussion auch über die heimatsuchende Dorothee Sölle, die deshalb auch für das nationale Pathos der Nazis in jungen Jahren zunächst einmal anfällig gewesen sei. Mit 20 habe Dorothee Sölle das Tagebuch der Anne Frank - gleicher Geburts-Jahrgang wie Dorothee Sölle - gelesen. Dabei zeichnete die Laaspher Referentin ebenfalls ein greifbar dreidimensionales Bild von Sölles Persönlichkeit.Genau das machte eine großen Teil der Qualität des Abends aus, zu dem sogar Berleburger eigens den Weg nach Bad Laasphe gefunden hatten. Wenn das keine Auszeichnung ist.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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