»Schohlmäästa Schoja« zieht ins Siegerland

Das Gebäude von 1743 wird in Feudingen in Einzelteile zerlegt und soll dann in der Dautenbach wieder aufgebaut werden

JG Feudingen. »Wilder Mann an Feudinger Scheune im Brunnenweg« – wer das hört, mag sich denken: Das hab ich doch schon immer gewusst. Doch »Wilder Mann« bezieht sich in diesem speziellen Fall weder auf jemanden aus der früheren Feudinger Besitzer-Familie noch auf den neuen Eigner Steffen Meier. Nein, »Wilder Mann« ist die fachliche Bezeichnung für ein besonderes Zierformat des Fachwerks an der recht genau 260 Jahre alten Scheune in Feudingen. Seit dem vergangenen Samstag ist deren 35-jähriger Neu-Besitzer aus Bürbach wieder im Einsatz und will an den kommenden Wochenenden »Schohlmäästa Schoja« zunächst sorgfältig zerlegen und dann in die Siegener Dautenbach schaffen, wo die Wittgensteiner Scheune dann im Laufe der nächsten beiden Jahre wieder aufgestellt werden soll: Eichenbalken für Eichenbalken, mit Eichensparren für Eichensparren.

Ein Puzzle mit zwölf Meter langen Teilen

Und deshalb werden auch alle Einzelteile der so genannten »Schulmeister-Scheune« von dem gelernten Buchhalter Steffen Meier fein säuberlich mit Alu-Plaketten versehen. Die geben zum einen genaue Angaben zur Grobstrukturierung, etwa wie: »Giebelseite Nord«. Zum anderen eine Zahl, denn alle Balken einer Seite werden von unten nach oben durchnummeriert. Gemeinsam mit dem dazugehörigen, vorher aufgestellten Plan des Gebäudes die einzige Hilfe in diesem überdimensionalen, historischen Puzzlespiel. Was überdimensional in diesem Zusammenhang meint, macht eine beeindruckende Zahl klar: Zu diesem etwas anderen Steckspiel gehören unter anderem zwölf Meter lange Eichen-Balken.

600 Quadratmeter warten in Siegen

Wieder erstehen soll das unter Denkmalschutz stehende Gebäude aus der Zeit, als sich noch keiner um Statik scherte, auf einer 600-Quadratmeter-Fläche in der Dautenbach. Zusammen mit seiner historisch eher wertlosen Remise aus dem 19. Jahrhundert soll der Zwei-Seiten-Hof im Siegerland wieder aufgebaut werden. Doch zunächst muss erst mal weiter fleißig zerlegt werden, um die Einzelteile dann auf einem Tieflader nach Siegen zu transportieren. Hier ist dann alles vorbereitet: Auf Hohlblöcken wird die zerlegte Scheune zwischengelagert, danach wird zunächst die Remise, dann die Scheune wieder aufgebaut. In der Hauptsache will Steffen Meier für die Ausfüllung der Gefache Strohlehmziegel nutzen, die er heute fix und fertig einkaufen kann.

Konsistenz dank Kuhmist

Insbesondere weil die früher übliche Fachwerk-Füllung erst durch das Untermischen von Kuhmist seine grandiose Konsistenz erhielt, möchte der Siegener auf diese Authentizität weitestgehend verzichten. Beispielhaft werde er vielleicht ein Gefache mit solch einer historisch belegten Original-Füllung versehen. Denn verstecken will er das Schmuckstück im hessisch-fränkischen Stil später nicht. Vielmehr soll es einen Einblick geben in das Leben vor 250 Jahren – und dafür sogar ergänzt werden durch einen authentischen Bauerngarten mit Kräutern und alten Obstbaumsorten.

»Ich wollte damals nicht gelebt haben«

Er sei einfach fasziniert von dieser Zeit und von dem Handwerk, so Steffen Meier, der selbst aus einer Schreiner-Familie stammt. Doch bei aller Glorifizierung dieser Vergangenheit steht andererseits für den Bürbacher fest: »Ich wollte damals nicht gelebt haben.« Die Inneneinrichtung seines privaten Wohnhauses entführt auch auch in die Vergangenheit, allerdings in eine ganz andere Zeit, von 1820 bis 1850. Meiers Möbel entstammen zumeist dem Biedermeier, er sammelt die Stücke und restauriert sie selbst. Als er 14 war, hatte das angefangen: Damals faszinierte ihn ein Klavier von 1820 und nahm ihn gefangen. Heute lagere er sechs Tonnen Holz in 50 oder 60 verschiedenen Sorten insbesondre für Intarsien-Arbeiten auf seinem Dachboden, so Steffen Meier.

Ältester Eichenbalken datiert von 1609

Wichtig bei der Faszination für die Funktionsfähigkeit und die Nachhaltigkeit des Alten ist bei Steffen Meier aber auch der Reiz des Rätsels. Ein Eichenbalken der »Schohlmäästa Schoja« datiert nachgewiesenermaßen von 1609, und im Dachstuhl findet sich ein einzelner angekokelter Balken. So dass für dieses Gebäude vielleicht Holz der Vorgänger-Scheune, die an gleicher Stelle abgebrannt war, verwendet wurde. Der Nachweis fehlt noch, aber der Hobby-Handwerker und -Historiker Steffen Meier ist sich sicher, wenn es einen Beweis gibt, dann wird er den in seinem großen, überdimensionalen Puzzlespiel schon finden.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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