SZ

Es fehlt der Nachwuchs
Schwierige Zeiten für Briefmarkenfreunde

Die unzähligen Alben und Aktenordner, die Andreas Scheuer normalerweise auf Briefmarkenbörsen und zu Tauschtagen mitnimmt, bleiben aufgrund der Corona-Pandemie in den Regalen stehen.
  • Die unzähligen Alben und Aktenordner, die Andreas Scheuer normalerweise auf Briefmarkenbörsen und zu Tauschtagen mitnimmt, bleiben aufgrund der Corona-Pandemie in den Regalen stehen.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

lh Sassmannshausen. Unzählige Alben und Aktenordner haben ihre Plätze in den Regalen von Andreas Scheuers Lager- und Büroräumen schon viel zu lange nicht mehr für Briefmarkenbörsen und Tauschtage verlassen: Die Corona-Pandemie setzt neben dem gesamten öffentlichen Leben auch den Briefmarkenfreunden Wittgenstein sowie allen anderen Sammlern deutlich zu. Dem 1. Vorsitzenden des regionalen Sammlervereins liegt besonders viel daran, bald wieder Tauschtage und turnusmäßige Treffen des Vereins unter den notwendigen Hygieneauflagen stattfinden zu lassen – und einen sozialen sowie materiellen Austausch in Form von Briefmarken, Ansichtskarten und anderen seltenen Dokumenten wieder zuzulassen.

lh Sassmannshausen. Unzählige Alben und Aktenordner haben ihre Plätze in den Regalen von Andreas Scheuers Lager- und Büroräumen schon viel zu lange nicht mehr für Briefmarkenbörsen und Tauschtage verlassen: Die Corona-Pandemie setzt neben dem gesamten öffentlichen Leben auch den Briefmarkenfreunden Wittgenstein sowie allen anderen Sammlern deutlich zu. Dem 1. Vorsitzenden des regionalen Sammlervereins liegt besonders viel daran, bald wieder Tauschtage und turnusmäßige Treffen des Vereins unter den notwendigen Hygieneauflagen stattfinden zu lassen – und einen sozialen sowie materiellen Austausch in Form von Briefmarken, Ansichtskarten und anderen seltenen Dokumenten wieder zuzulassen.

„Anfang April wäre normalerweise unsere große Briefmarkenbörse in der Siegerlandhalle gewesen“, bedauert Andreas Scheuer die Absage der größten Tauschveranstaltung im Kreis Siegen-Wittgenstein. „Definitiv bremst uns Corona aus“, erklärt der Briefmarkenfreund. Denn unter normalen Bedingungen ließe sich immer noch ein reger Markt für die Tauschbörsen beobachten: „Händler und Sammler kommen an diesen Orten zusammen und treffen sich zum Austausch“, sagt Andreas Scheuer im Gespräch mit der SZ.

Altersdurchschnitt oft über 70

Mit rund 50 aktiven Sammlern bilden die Briefmarkenfreunde Wittgenstein zurzeit den Ortsverein mit den meisten Mitgliedern. Bei anderen Vereinen im Siegerland und im benachbarten Westerwald sehe es „leider viel dünner“ aus. Der Altersdurchschnitt liege bei vielen bereits bei über 70 Jahren, so Andreas Scheuer, der im gleichen Zug das Engagement der Wittgensteiner Sammler, bei denen der Altersdurchschnitt wesentlich geringer ist, lobt.

Fakt ist aber: Die „Saure-Gurken-Zeit“ begann schon vor Corona, weil überall der Nachwuchs fehlt und das Briefmarken-Geschäft in den Hintergrund rückt. „Oft hat der Opa einige Briefmarken durch ein Post-Abo gesammelt und seinen Enkeln vermacht. Die Erben überschwemmen jetzt den Markt, was seit einigen Jahren absehbar war“, berichtet der Vorsitzende von seinen Erfahrungen.

Wartezeiten für fachgerechte Einschätzungen

Gerade in der jetzigen Zeit, in der die Leute im Homeoffice sitzen und mehr Zeit zu Hause verbringen, häufen sich die Anfragen für Bewertungen bei Andreas Scheuer. Es entstehen regelrechte Wartezeiten für die Einschätzungen. Viele Enkel oder auch Erstbesitzer von Briefmarken- oder Münzsammlungen wollen den Wert ihres Besitzes erfahren und setzen auf das geschulte Auge der Briefmarkenfreunde: „Dafür sind wir im Verein schließlich da und unterstützen natürlich jeden, der zu uns kommt – auch Nicht-Mitglieder“, erklärt der 1. Vorsitzende.

Die meisten Bewertungen finden dabei noch ehrenamtlich statt. Wenn es um An- oder Weiterverkauf geht, wird die Abwicklung meistens fair entlohnt, um beim Verkauf der Münzen oder Marken kein Minusgeschäft für die Vereinsmitglieder zu riskieren. Durch jahrelange Erfahrungen mit dem Handel weiß Andreas Scheuer außerdem, dass der Kauf von oft wertvollen und seltenen Waren im Internet über entsprechende Flohmarkt-Seiten häufig zu Problemen führen kann. Unseriöse Anbieter, Wucherpreise und sogar Fälschungen stehen dort leider an der Tagesordnung. „Um die Qualität oder Echtheit abschätzen zu können, muss ich die Marken selber in den Fingern oder unter der Lupe haben“, sagt Andreas Scheuer. Um auf „Nummer sicher zu gehen“, gibt es zusätzlich den Bundespostprüferverband, der die Echtheit von Marken untersucht und Fälschungen aufdeckt.

"Man muss wissen, was man tut"

Grundsätzlich empfiehlt Andreas Scheuer jedem, der noch eine Sammlung besitzt und nicht sicher ist, wie viel sie wert ist oder ob es sich um echte Sammlerstücke handelt, sich mit den Briefmarkenfreunden in Verbindung zu setzen und sich beim Sammeln helfen zu lassen. „Man muss wissen, was man tut und entsprechend organisiert sammeln“, weiß er. „Besonders sinnvoll ist dabei die Rückwärtssuche, beispielsweise Marken aus europäischen Ländern von 2000 bis 1850, um günstiger sammeln zu können und kein Porto an die Post zu bezahlen“, fügt er hinzu.

Neben dem hobbymäßigen Sammeln von Briefmarken lässt sich seit einigen Jahren, besonders im Wittgensteiner Raum, eine Vorliebe für alte Ansichtskarten, Zeichnungen, Lithografien und Fotos sowie handschriftliche Dokumente und Urkunden nachweisen, die teilweise aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammen. Durch seine breite Aufstellung kann der Verein auch auf diese Entwicklungen reagieren und behilflich sein.

Für die Zeit nach der Corona-Pandemie ist als nächster Termin das Erntedankfest in Bad Berleburg angesetzt, bei dem die Briefmarkenfreunde immer teilgenommen und einen Tauschtag angeboten haben. Die Börse in der Siegerlandhalle ist im Frühjahr 2022 ebenfalls geplant. Was davon umsetzbar sein wird, ist bisher noch unklar. Fest steht jedoch: „Der persönliche Kontakt zu den Sammlern fehlt und der Austausch untereinander ist für den Verein das Wichtigste“, zog Andreas Scheuer sein Fazit und hofft auf eine baldige Besserung der Lage.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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