Seit gestern gibt es 19 neue Stolpersteine in Bad Laasphe

Weitere Messingsteine des Künstlers Gunther Demnig erinnern vor den ehemaligen Wohnhäusern an Wittgensteiner Juden, die in der Lahnstadt lebten

JG Bad Laasphe. »Machen sie mal«, das sagte der Laaspher Horst Hainbach, als ihm mitgeteilt wurde, dass man gestern Nachmittag vor seinem Haus mit der Nummer 67 an der Bahnhofstraße Stolpersteine verlegen wollte. An die Laaspher Juden Berthold und Irma Wagner und ihre achtjährige Tochter Ellen, die 1942 gemeinsam deportiert wurden, erinnern die drei blitzenden Messingsteine im Gehweg. Vermerkt sind auf den Steinen die Namen und die bekannten Lebensdaten der früheren Laaspher Bürger.

Acht Monate nachdem der Kölner Künstler Gunther Demnig die ersten neun Laaspher Stolpersteine an der Königstraße und an der Schlossstraße verlegt hatte, konnte er gestern immerhin 19weitere Steine setzen. Waren bei der ersten Verlegung im vergangenen März noch zahlreiche Gäste anwesend, geschah das Ganze diesmal sehr viel weniger aufwendig. Eine offizielle Feierstunde wird es erst im Januar geben.

Trotzdem schauten auch gestern einige Leute etwas genauer zu. Horst Hainbach fand es prima, dass die Steine nun vor seinem Haus liegen. Nur der Name sei etwas irreführend, denn die Platten schauten ja nicht aus dem Pflaster oder dem Teer heraus. Sie seien keine Stolpersteine, sondern ganz einfach wichtige Gedenksteine. Auch einige Schüler, die im Religions-Unterricht von der Aktion gehört hatten, warfen einen Blick auf die kleinen Bauarbeiten, während sie am Bahnhof auf ihre Busse warteten. Neben Mitgliedern des Laaspher Freundeskreises für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der die Aktion für die Lahnstadt angestoßen hatte und über Spenden finanziert, war auch noch Sigrun Röß vor Ort.

Die Saßmannshäuserin lebte früher in der Kernstadt, ihre Eltern hatten in den 50er Jahren ein Haus in Laasphe von einer jüdischen Erbengemeinschaft gekauft. Es habe damals zwei Jahre Zeit und viele Recherchen gekostet, um die Besitzer des Hauses herauszufinden. Sehr gut konnte sich Sigrun Röß an schöne Jahre in diesem Haus erinnern und an zwei Leute, wahrscheinlich Nachfahren der früheren Besitzer, die eigens aus Amerika nach Laasphe kamen, um das Haus anzuschauen. Sie wisse noch genau, wie sie diese Geschichte in jenen Tagen beeindruckt habe. Und deshalb war es Sigrun Röß eine Herzensangelegenheit, dass der Stolperstein für die 60-jährige Mathilde Oster, die zwei Tage vor Heiligabend 1936 ihren Tod in der Lahn fand, vorm richtigen Haus an der Bahnhofstraße – bei der Wäscherei Herr – verlegt wurde.

Nahe der Feinkost-, Woll- und Kunstgalerie »Ckukuk« an der Bahnhofstraße wurde ein Stolperstein für Emma Rosenberg verlegt, an der Königstraße 23 waren es gleich acht, für Julius und Amalie Brill sowie die Kinder Inge, Norbert, Lothar, Helga, Lieselotte und Sara. Alle wurden 1942 deportiert, die kleine Sara hatte im gleichen Jahr das Licht der damals bösen Welt in Wittgenstein erblickt. An Heli und Frieda Gunzenhäuser erinnern nun zwei Stolpersteine vor dem Haus an der Wasserstraße 3. An der Bergstraße 1 wurden gestern Steine für Jakob, Karoline, Johanna und Rudolf Moses verlegt.

Freundeskreis-Vorsitzende Gisela Weissinger, die mit weiteren Vorstand-Mitgliedern gestern Nachmittag Gunter Demnig begleitete, hofft, dass es eine dritte Verlegung von Stolpersteinen geben wird. Dafür braucht der Laaspher Freundeskreis allerdings noch Spenden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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