Sieben Puderbacherinnen spinnen

Im Dorf lebt eine alte Handwerkstradition auf: Einmal pro Monat gibt es eine Spinnstube

BW Puderbach. Gleichmäßig drehen sich die Spinnräder, alle bis auf eines surren leise, nur jenes von Tatjana Schuppener quietscht laut beim Spinnen. »Da müsst ihr mal ein bisschen Öl dran machen«, meinte Adolf Schäfer, der am Freitagabend in der neuen Puderbacher Spinnstube zu Gast sein durfte. Der Vorsitzende vom Heimatverein Puderbach freute sich darüber, dass sieben junge und jung gebliebene Frauen des Dorfes sich einmal pro Monat treffen, um zu spinnen. Nicht mit dem Kopf. Mit der Hand. Wollgarn natürlich. Sieben Spinnräder stehen so bei Claudia Heinze-Schäfer im Wohnzimmer, das an diesem Abend zur Puderbacher Spinnstube umfunktioniert wurde.

Zum Jubiläum kam die Wiederbelebung

Beim Dorfjubiläum von 2003, als Puderbach die erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1253 und damit seinen 750. Geburtstag feierte, hatte eine Gruppe dieses alte Handwerk der Flachsverarbeitung den Besuchern vorgestellt. Nach einer gehörigen Pause von fast drei Jahren versuchten die Darstellerinnen von einst, das Ganze in einer Spinnstube weiterzuführen. Gesagt – getan: Seit Anfang des Jahres treffen sich die sieben Frauen regelmäßig und spinnen ihr Garn. In der Spinnstube dabei sind neben Claudia Heinze-Schäfer sowie Tatjana Schuppener zudem Tanja Schäfer, Andrea Klein, Loretta Schuppener, Anja Wick und Angela Schreiber. »Es geht immer lustig zu«, verrieten die Verfechterinnen dieser alten Handarbeitstradition.

»Es war auf dem Fest so toll«

Eben diese ist das Spinnen, wie Adolf Schäfer berichtete. Wie in anderen Orten hatte auch in Puderbach jedes Haus und jede Familie früher ein Spinnrad. »Jedes junge Mädchen erhielt ein Spinnrad früher als Aussteuer mit«, erzählte der Vorsitzende des Heimatvereins, der sehr froh darüber ist, dass diese Spinnstube wieder auflebt. »Es wäre schade, es würde untergehen. Es war auf dem Fest so toll«, meinte Adolf Schäfer, »toll, dass ihr das weiterführt.« Früher trafen sich die Frauen eben auch zum Spinnen, meistens in den Familien. Heute ist das in Puderbach natürlich familienübergreifend. Gelernt haben die Spinnerinnen ihr altes, neues Handwerk bei den weiblichen Vorfahren, so Claudia Heinze-Schäfer. Von diesen stammen auch größtenteils noch die Spinnräder, das älteste wurde im Jahre 1919 gebaut. Andere wurden freilich extra für die neue Spinnstube angefertigt.

Seit jeher gab es Schäfer in dem Ort

Eigentlich ist das Spinnen relativ einfach, doch braucht man ein gewisses Fingerspitzengefühl. Die Wolle muss auf die Spindel drauf, mit dem rechten Fuß muss die Spinnerin das Spinnrad gleichmäßig und fortwährend in Bewegung halten. Man braucht also schon Muskelkraft im rechten Bein, wenn man ein Spinnrad stundenlang drehen lassen möchte. Am Ende der Fahrt durch das Spinnrad wird das Garn auf einer anderen Spindel aufgerollt. Natürlich ist die Wolle gekauft und nicht von den noch rund 30 Schafen, die es heute vielleicht noch in Puderbach gibt. Im Jahre 1744 habe es im Ort 367 Schafe gegeben, bei 14 Schafhaltern und einem Schäfer, berichtete Adolf Schäfer aus der Dorfchronik. »Und im Jahr 1901 gab es noch eine Schafsherde in Puderbach«, sagte Adolf Schäfer. Mit der Wolle der heute übrig gebliebenen Schafe könnte die Spinnstube freilich nicht viel erreichen.

Auch in Niederlaasphe wieder im Einsatz

Außerdem ist gekaufte Wolle bereits gewaschen, gekämmt und gefärbt. Favorit sei die weiche australische Merino-Wolle, sagte Claudia Heinze-Schäfer, während Tatjana Schuppener einige Garnknäuel zur Begutachtung zeigte. Mit dem Garn stricken die sieben Handarbeiterinnen dann Schals, Strickjacken oder Westen. »Strümpfe eher nicht ––die sind undankbar und halten nicht lange«, erläuterte Claudia Heinze-Schäfer. Die Spinnstube trifft sich nicht nur weiterhin regelmäßig, sondern wird im Juni 2007 das alte Handwerk auf dem historischen Markt zum Niederlaaspher Jubiläum präsentieren.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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