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Eheleute Krämer sagen Urlaub ab
Siegen-Wittgenstein statt Schweden

Als Geheimtipp machte Marion Tamara Krämer die Tiefenrother Höhe zwischen Wilgersdorf und Dillbrecht (Hessen) aus.
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  • Als Geheimtipp machte Marion Tamara Krämer die Tiefenrother Höhe zwischen Wilgersdorf und Dillbrecht (Hessen) aus.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

ako Feudingen. Eigentlich sollte es für Marion Tamara Krämer und ihren Mann Olaf Ende Juli für zwei Wochen nach Schweden in die Nähe von Göteborg gehen. Eine Reise in ein einsam gelegenes Häuschen am See in der skandinavischen Natur, die schon länger geplant und bereits im vergangenen Herbst gebucht worden ist. Doch wegen der Corona-Pandemie entschied sich das Ehepaar, das seit über 20 Jahren in Feudingen lebt und dort auch eine Elektrotechnik-Firma leitet, bewusst gegen den Urlaub im Ausland und verbrachte stattdessen 14 freie Tage in der Heimat. Dem Umstand geschuldet lernten die Eheleute beim Wandern und Radfahren den Kreis Siegen-Wittgenstein noch besser kennen und erlebten dabei eine attraktive Urlaubsregion direkt vor der eigenen Haustür.

ako Feudingen. Eigentlich sollte es für Marion Tamara Krämer und ihren Mann Olaf Ende Juli für zwei Wochen nach Schweden in die Nähe von Göteborg gehen. Eine Reise in ein einsam gelegenes Häuschen am See in der skandinavischen Natur, die schon länger geplant und bereits im vergangenen Herbst gebucht worden ist. Doch wegen der Corona-Pandemie entschied sich das Ehepaar, das seit über 20 Jahren in Feudingen lebt und dort auch eine Elektrotechnik-Firma leitet, bewusst gegen den Urlaub im Ausland und verbrachte stattdessen 14 freie Tage in der Heimat. Dem Umstand geschuldet lernten die Eheleute beim Wandern und Radfahren den Kreis Siegen-Wittgenstein noch besser kennen und erlebten dabei eine attraktive Urlaubsregion direkt vor der eigenen Haustür.

"Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Kunden"

„Am Anfang habe ich gedacht: Urlaub zu Hause, geht das überhaupt, wenn man selbstständig ist? Kann man richtig Abstand von der Firma nehmen? Und kümmert man sich nicht nur um den Haushalt und den Garten? Doch das geht“, betonte Marion Tamara Krämer, die – obwohl sie „wahnsinnig gerne“ vereist – den Schweden-Urlaub zusammen mit ihrem Mann aus mehreren Gründen abgesagt habe: „Wir haben eine Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und Kunden – und auch unserer eigenen Gesundheit. Ich selbst habe zwar keine Angst, dass ich das Virus kriege, aber es geht mir um meine Lieben“, erklärte die 45-Jährige. Konkret meinte die Feudingerin damit unter anderem ihren 81-jährigen Vater oder ihre Schwiegereltern, die aufgrund des Alters zur Risikogruppe gehören. Ein weiterer Faktor, weshalb das Ehepaar den Urlaub nicht antrat, war die noch im Juli geltende Reisewarnung für Schweden.
Angetrieben von der Motivation, die freie Zeit auch in der Heimat sinnvoll zu nutzen und eigene Erlebnisse zu schaffen, habe Marion Tamara Krämer „einfach“ im Internet nach Wander- und Ausflugszielen in Siegen-Wittgenstein recherchiert: „Man stößt dabei auf viele Orte, die man noch nicht kennt und auch einige, wo man nochmal hin will.“

Viele Touren mit dem Fahrrad

Bereits am ersten Urlaubstag, einem Samstag, ist die 45-Jährige – noch ohne ihren Mann – den Ilsetalpfad (oberes Lahntal) entlang gewandert: „Den bin ich vor einigen Jahren bei der Eröffnung gelaufen. Nun war es das zweite Mal. Ich hatte den Weg ganz anders in Erinnerung. Auch die Orte, wo man schon einmal gewesen ist, verändern sich. So auch der Pfad, nach meinem Gefühl aber zum Positiven.“
Ein Höhepunkt auf der Tour war die Rast am Weidelbacher Weiher. Dort schoss die Feudingerin mit ihrer Kamera – aus durchaus interessanter Perspektive – ein Foto von einer Seerosenblüte, das sie anschließend auf ihren Social-Media-Kanälen teilte: „Obwohl jeder Zweite von hier schon mal da war, haben mich alle auf das Bild angesprochen und nach dem Ort gefragt“, berichtete Marion Tamara Krämer.

Bei einer Wanderung über den Ilsetalpfad (Oberes Lahntal) kam Marion Tamara Krämer am idyllisch gelegenen Weidelbacher Weiher vorbei – und schoss mit ihrer Kamera dieses schöne Foto.
  • Bei einer Wanderung über den Ilsetalpfad (Oberes Lahntal) kam Marion Tamara Krämer am idyllisch gelegenen Weidelbacher Weiher vorbei – und schoss mit ihrer Kamera dieses schöne Foto.
  • Foto: privat
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In den Tagen darauf war die 45-Jährige oft mit ihrem 48-jährigen Mann Olaf auf dem Fahrrad unterwegs. Bei einem Ausflug zum Forsthaus Immergrün über Stünzel habe das Ehepaar auch zum ersten Mal den Kinderwald entdeckt. Auf dem Rückweg nach Feudingen fotografierte Marion Tamara Krämer im Enderbach bei Saßmannshausen das alte rote Feuerwehrhäuschen. Auch dieses Bild hatte sie auf Facebook geteilt: „Ich wurde mehrfach gefragt, was das denn für ein Häuschen sei“, betonte die Feudingerin, die anmerkte, dass auch viele Menschen, die in Siegen-Wittgenstein beheimatet sind, noch viel Neues entdecken können.

Immer wieder unbekannte Orte entdeckt

Als „sehr schön“ beschrieb Marion Tamara Krämer auch die Wanderung über den Wisentpfad mit anschließendem Besuch der Wisentwildnis. „Da wir unser Auto am Sonnenhof in Wingeshausen abgestellt hatten, haben wir uns auch für eine Einkehr in das kleine Café entschieden. Sehr zu empfehlen!“ Die Wisenthütte oder der Forellenhof eigneten sich aber ebenfalls für einen Zwischenstopp.
Während des Urlaubs in der Heimat konnte sich Marion Tamara Krämer auch einen langersehnten Wunsch erfüllen. Sie absolvierte einen Wandermarathon – größtenteils auf dem Rothaarsteig, auf dem sie zuvor kaum unterwegs gewesen sei: „Gestartet bin ich morgens um 8 Uhr am Rhein-Weser-Turm. Von dort lief ich durch das Schwarzbachtal, den Dreiherrenstein, vorbei an der Ginsburg und dem Gillerbergturm bis Lützel. Von dort aus ging es in Richtung Ederquelle, über Benfe zur Siegquelle und weiter bis zum Lahnhof.“ Danach lief die 45-Jährige das Lahntal „wieder runter“ bis nach Hause: „Ich hatte ein gutes Gespür, denn bis vor die Haustüre hatte ich genau 42,3 Kilometer.“ Für die Strecke habe sie etwa achteinhalb Stunden gebraucht.

Kommentar: Urlaub in der Heimat die bessere Alternative Manchmal braucht es erst eine Krise wie das Coronavirus, um zu erkennen, dass sich das eigene Reiseglück direkt vor der Nase befindet. Ein Urlaub in der Heimat. Gerade in der derzeitigen Phase sollten wir uns vor Augen führen, dass wir nicht weit reisen müssen, um uns zu entspannen und aufregende Ausflüge zu erleben. Schließlich steigen die Infektionszahlen hierzulande wieder täglich stark an und Rückkehrer aus dem Ausland stehen nun als sogenannte Risikogruppe im Fokus der Politik – fast 40 Prozent der zuletzt in Deutschland auf Covid-19 positiv getesteten Menschen haben sich laut dem Robert-Koch-Institut im Ausland angesteckt. Zudem spricht das Auswärtige Amt wieder für mehr Länder Reisewarnungen aus – und im schlimmsten Fall droht uns ein zweiter Lockdown. Der Kreis Siegen-Wittgenstein bietet alles, was es für einen abwechslungsreichen Urlaub braucht. Ein einmaliges Naherholungsgebiet, ein Meer aus grünen Blättern und Nadeln – die waldreichste Region der Bundesrepublik. Mit dem Rothaarsteig, auf dem Wanderer weit weg vom lärmenden Alltag die Natur genießen können, verfügt der Kreis über einen Premiumwanderweg, der zu den „Top Trails of Germany“ gehört. Hier kommen Aktivurlauber, Naturliebhaber und Menschen, die sich von ihrem Berufsalltag erholen wollen, voll auf ihre Kosten. Wer in diesem Jahr auf eine Reise in die Ferne verzichtet und auf einen stressfreien Urlaub vor der Haustür setzt, der entgeht nicht nur stundenlangen Grenzkontrollen, der Angst vor einer Ansteckung im Flugzeug, der Maskenpflicht im Hotel oder nervigen Abstandsregeln am Strand, sondern unterstützt auch die heimische Wirtschaft und leistet zudem einen wertvollen Beitrag für das gesundheitliche Wohlergehen der Gesellschaft. In Zeiten von Corona ist ein Urlaub in der Heimat die bessere Alternative. Der Geldbeutel wird nicht geplündert, das Klima geschützt und die Gesundheit bewahrt – ganz zu schweigen von den einzigartigen Erlebnissen, die ein Urlaub in der heimischen Region bietet. Natürlich können auch Auslandsreisen horizonterweiternd sein, aber in einem Krisenjahr müssen wir lernen, uns in Verzicht zu üben, denn wir stehen vor einer ungewissen Zukunft, wo keiner genau weiß, wie lange uns die Pandemie begleiten wird. Das Stichwort, worauf es deshalb ankommt, lautet Entschleunigung. Auch der Urlaub an der Nord- und Ostsee ist keine Lösung. Es macht wohl kaum einen Unterschied, ob ich mit Hunderten dicht an dicht an einem Strand auf Mallorca liege oder auf der Insel Usedom. Unter diesen Bedingungen ist die Einhaltung des proklamierten Mindestabstandes einfach nicht mehr gewährleistet. Schon der bekannte deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe sagte einst: „Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“ Vielleicht ist jetzt die beste Zeit gekommen, um sich daran ein Beispiel zu nehmen.

Auf den Wanderungen und Radtouren ist Marion Tamara Krämer immer wieder an „unbekannten Stellen“ vorbeigekommen. Als einen neuen Geheimtipp habe sie die Tiefenrother Höhe – zwischen Wilgersdorf und Dillbrecht (Hessen) – für sich ausmachen können: „Dort bot sich mir ein wundervoller Ausblick über das Siegerland.“

Die Liste mit Wanderzielen ist noch lang genug

Weil ihre Liste von Wanderzielen noch „lang genug“ sei, kann sich die Feudingerin durchaus vorstellen, auch ihren nächsten Urlaub in der Heimat zu verbringen: „Ich würde definitiv nochmal zu Hause bleiben, vor allem wenn wir im nächsten Jahr immer noch Corona haben.“ Für die Zukunft wünscht sich Marion Tamara Krämer „dass viel mehr Leute zu schätzen wissen, in welch traumhafter Natur wir leben“ und dass mehr Menschen ihre Ferien in der Heimat verbringen: „Schließlich sagte mein Vater immer: ,Ihr wohnt dort, wo andere Urlaub machen.’“

Als Geheimtipp machte Marion Tamara Krämer die Tiefenrother Höhe zwischen Wilgersdorf und Dillbrecht (Hessen) aus.
Bei einer Wanderung über den Ilsetalpfad (Oberes Lahntal) kam Marion Tamara Krämer am idyllisch gelegenen Weidelbacher Weiher vorbei – und schoss mit ihrer Kamera dieses schöne Foto.
Autor:

Alexander Kollek

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