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Auch in Hesselbach ist Pause
Skilift als Aushängeschild

Auch die Kücher in der Skihütte in Hesselbach bleibt kalt. Vom Skilift ganz zu schweigen.
  • Auch die Kücher in der Skihütte in Hesselbach bleibt kalt. Vom Skilift ganz zu schweigen.
  • Foto: Sarah Benscheidt
  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

sabe Hesselbach. Die urige Skihütte mit Lackschuhen zu betreten, fühlt sich falsch an. Klobige Skischuhe, die sich mühsam klackernd einen Weg zu 1980er-Jahre-Stuhlkissen und warmen Fleischwürstchen nach steiler Abfahrt bahnen, kommen irgendwie besser.
In der Holzhütte am Hesselbacher „Gletscher“ des SV Oberes Banfetal (SVO) ist es kühl. Der Kamin war lange aus. Mit den zarten Eisblumen vor den Fensterscheiben wirkt die Kälte wie an die Wand gekachelt. Eigentlich perfektes Wetter, um sich die Schneekanonen zu schnappen und mit der Beschneiung zu beginnen. Eigentlich. Die Corona-Lage relativiert auch hier. Skilifte in NRW müssen bis mindestens zum 31. Januar schließen, eine Verlängerung der Maßnahmen ist zumindest nicht unwahrscheinlich.

sabe Hesselbach. Die urige Skihütte mit Lackschuhen zu betreten, fühlt sich falsch an. Klobige Skischuhe, die sich mühsam klackernd einen Weg zu 1980er-Jahre-Stuhlkissen und warmen Fleischwürstchen nach steiler Abfahrt bahnen, kommen irgendwie besser.
In der Holzhütte am Hesselbacher „Gletscher“ des SV Oberes Banfetal (SVO) ist es kühl. Der Kamin war lange aus. Mit den zarten Eisblumen vor den Fensterscheiben wirkt die Kälte wie an die Wand gekachelt. Eigentlich perfektes Wetter, um sich die Schneekanonen zu schnappen und mit der Beschneiung zu beginnen. Eigentlich. Die Corona-Lage relativiert auch hier. Skilifte in NRW müssen bis mindestens zum 31. Januar schließen, eine Verlängerung der Maßnahmen ist zumindest nicht unwahrscheinlich. Kein Ski alpin 2020 – und ob es in diesem Jahr auf dem steilen Hang, Aushängeschild des 600-Seelen-Örtchens, wohl besser aussieht?
Die Frage hängt neben den einzelnen Atemwolken, die sich draußen vor der Hütte, bei knackiger Kälte, vor einigen Gesichtern abzeichnen, schwer in der Luft. Günter Gerhardt, langjähriger ehemaliger Vorsitzender und federführender Initiator der SVO-Ski-Abteilung, Nachfolger Tobias Reuter, Anna-Lena Jung, Sebastian Grebe und Marcel Wick sind gekommen, um mit der SZ darüber zu besprechen, wie Kleinstlifte, wie der in Hesselbach, sich trotz schlechter Bedingungen ihren Traum in Weiß bewahren können. Kein leichtes Unterfangen.
Neben andauernder Pandemie und bisherigem Komplettausfall in der Saison 2020/21 hängt den Hesselbachern aus der Vergangenheit der Kabelbrand einer Pistenraupe mit einem Schaden von 46 000 Euro aus dem Jahr 2019 nach, der den Verein vor einem existenziellen Problem stehen ließ – bei dem allerdings eine Spendenaktion Abhilfe schaffen konnte. Sogar i-Männchen hätten damals ihr Taschengeld gespendet, erinnert sich Günter Gerhardt zurück. Vor den neuen Aussichten, die bereits gerodeten Borkenkäfer-Fichten machen kein Geheimnis daraus, warten allerdings immer wärmer werdende Winter, aus denen Spendenaktion nur schwerlich heraushelfen können.
Und doch, in den Gesichtern ist unerschütterliche Hoffnung zu lesen, den Liftbetrieb am Leben zu halten. „Der Hang hält zusammen. Komme, was wolle. Wir kennen uns hier alle seit dem Ferienlager“, sagt Tobias Reuter energisch. Durch die DNA der gekommenen Skifahrer und vereinsinternen Ehrenamtler fließt Gletscherschnee als Wasser-Luft-Gemisch. „Viele von uns konnten gerade laufen, da sind wir schon Ski gefahren“, schließt Sebastian Grebe an.
Skifahren in Hesselbach, „im Kranz der grünen Berge“, wie das Wittgensteiner Dörfchen seine Lage gerne beschreibt, ist für Vereinsinterne und viele langjährige Besucher mehr als eine Abfahrt. Ein Stück Kindheit für manche, ein angepackter Traum, ein Geheimtipp an Winterparadies, ein Abenteuer mit Historie.

Schneekanone und Skilift kamen in Hesselbach mit den Jahren

1963 gegründet, folgte für die Hesselbacher Skisportler um Gründungsmitglied Günter Gerhardt vier Jahre später der Kauf eines tragbaren Lifts, 1971 dann der Bau des Skihangs, fünf Jahre später der abenteuerliche Skilift-Selbstbau aus einer alten Betonmischmaschine. 1982 folgten die Skihütte und die Anschaffung eines neuen Bügelumlaufliftes, um ein Jahr später, also 1983, die ersten Gedanken an eine Schneekanone voranzutreiben. Der Anfang von allem Neuen. „Es war, wie so oft, ein Zufall. Da liegt auf einem Wohnzimmertisch eine Fachzeitschrift und man blättert sie einfach durch. Ohne zu wissen, was man sucht. Und dann … hält man bei genau der Seite inne, die den Bekanntheitsgrad eines Ortes später einmal doch recht positiv beeinflussen sollte. Es gibt in Hesselbach kein Haus, das keine Skier im Keller hat“, sagt Günter Gerhardt und sinnt zurück zum Frühjahr 1986, zur „neuen Zeitrechnung am Bohnstein“. Mit den Worten „Herr Gerhardt, Sie sind verrückt, aber ich unterstütze Sie“, bewilligte der damalige Leiter der Wirtschaftsförderung des Kreises Siegen-Wittgenstein eine Finanzspritze, privat steuerten „die Hesselbacher“ noch 40 000 D-Mark als zinsloses Darlehen bei. Dann die Erstbeschneiung in der Nacht vom 7. auf den 8. Januar. „Füße voll Blasen, aber ein sensationell großer Berg an Schnee.“

Gute und schlechte Jahre in Heseelbach

Dass bis heute, dem Zeitalter des Ankerlifts, gute, aber auch weniger gute Jahre folgten, das gehört zu der Chronik des Hesselbacher Wintermärchens dazu. Corona reiht sich ein und will überstanden werden. „Wir hatten ja bereits ein Konzept geschrieben, in dem es um das sportliche Skifahren ging, die Gastro an der Hütte gänzlich ausgeklammert“, sagt Tobias Reuter. „Jetzt gerade weiß keiner, was so richtig los ist. Das Fazit hiervon können wir erst in den nächsten Jahren ziehen. Sicher ist aber, dass wir den Groschen gerade fünf mal umdrehen müssen, bevor wir ihn ausgeben.“
Dass es in den kommenden Jahren also eine bedeutende Portion Magie obendrauf braucht, um das Skiliftgebiet mitten im Wittgensteiner Land zu bewahren, lässt die Lift-Crew trotzdem nicht entzaubert zurück. Sie haben einen Skihang in ein Dorf gesetzt. Die nächste Aufgabe kann kommen. Und sie trifft auf ein starkes Mantra: „Aufgeben werden wir aber auf jeden Fall nicht, das ist nicht so unser Ding.“

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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