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Mysteriöser Todesfall in Luxushotel in Oslo
Spur nach Feudingen nicht erkaltet

Die Spur in die Straße „Auf der Stehde“ in Feudingen ist für Carsten Mika im Fall der unbekannten Toten aus Zimmer 2805 des Hotels „Oslo Plaza“ nicht erkaltet – ebenso wenig für den norwegischen Journalisten Lars Christian Wegner.
  • Die Spur in die Straße „Auf der Stehde“ in Feudingen ist für Carsten Mika im Fall der unbekannten Toten aus Zimmer 2805 des Hotels „Oslo Plaza“ nicht erkaltet – ebenso wenig für den norwegischen Journalisten Lars Christian Wegner.
  • Foto: Timo Karl
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

tika Oslo/Feudingen. Die Umstände sind auch 25 Jahre danach ungeklärt. Was Anfang Juni 1995 in Zimmer 2805 des Hotels „Oslo Plaza“ passierte, ist bis dato unklar. Doch während es immerhin fachlich untermauerte Theorien über den Tod einer Frau in diesem Luxushotel in der norwegischen Hauptstadt Oslo gibt, ist ihre Identität bis dato ungeklärt. Der 48-jährige Carsten Mika war zuletzt per Zufall auf den Fall gestoßen. Und dabei hatte der IT-Experte aus Hennef eine Spur nach Feudingen vermutet, wo sie nach seiner Theorie zumindest für einige Zeit gelebt haben könnte (SZ berichtete exklusiv).
Junge Frau stirbt 1995 unter mysteriösen Umständen
Inzwischen beschäftigt sich sogar eine Episode der Serie „Unsolved Mysteries“ im Online-Streamingportal „Netflix“ mit dem Fall.

tika Oslo/Feudingen. Die Umstände sind auch 25 Jahre danach ungeklärt. Was Anfang Juni 1995 in Zimmer 2805 des Hotels „Oslo Plaza“ passierte, ist bis dato unklar. Doch während es immerhin fachlich untermauerte Theorien über den Tod einer Frau in diesem Luxushotel in der norwegischen Hauptstadt Oslo gibt, ist ihre Identität bis dato ungeklärt. Der 48-jährige Carsten Mika war zuletzt per Zufall auf den Fall gestoßen. Und dabei hatte der IT-Experte aus Hennef eine Spur nach Feudingen vermutet, wo sie nach seiner Theorie zumindest für einige Zeit gelebt haben könnte (SZ berichtete exklusiv).

Junge Frau stirbt 1995 unter mysteriösen Umständen

Inzwischen beschäftigt sich sogar eine Episode der Serie „Unsolved Mysteries“ im Online-Streamingportal „Netflix“ mit dem Fall.
Der Journalist Lars Christian Wegner recherchiert seit Beginn in der Sache und begab sich für die Serie auf Spurensuche. Er skizzierte den mysteriösen Tod der Jennifer Fairgate – unter diesem Namen hat sie gemeinsam mit Lois Fairgate, von dem unklar ist, ob er überhaupt existiert, eingecheckt –, die Spurensuche im belgischen Verlaine und die Spur nach Deutschland, die zwischenzeitliche Exhumierung der Leiche, die teils signifikaten Fehler der Polizei, kurz: Er zeichnete die gesamte Entwicklung detailreich nach.

Suizid-Theorie durch viele Tatsachen widerlegt

„Meiner Meinung nach verdient Jennifer Fairgate, oder wie auch immer sie heißt, einen Grabstein mit ihrem richtigen Namen. Ihre Familie hat das Recht zu erfahren, was mit ihr geschehen ist“, erklärte der Journalist in der Netflix-Dokumentation. „Es ist, als würde man einem Geist folgen.“ Die einstige Theorie der Polizei, die Frau sei depressiv gewesen und habe Suizid begangen, widerlegen viele Tatsachen – vor allen: Sämtliche Hinweise auf Identität und Herkunft sind offensichtlich bewusst entfernt worden – sogar die Schilder in ihrer Kleidung. Das belastendste Indiz, das die Selbstmord-Theorie widerlegt, ist die Art und Weise, wie ihre Leiche die Waffe in der Hand gehalten hatte, mit der sich die Frau erschossen haben soll.
„Sie müsste die Waffe mit dem Daumen ausgelöst haben, der Gegenstoß hätte die Waffe wegschleudern müssen. Zudem gibt es keinerlei Blutspuren an ihren Händen, das ist schwer zu erklären“, sagte der Chefpathologe der Universitätsklinik in Oslo, Torleiv Ole Rognum. Die Seriennummer der Waffe ist professionell entfernt. Es sei „das Gesamtbild“, das verdächtig sei. „Mord kann nicht ausgeschlossen werden.“ Noch weiter geht Ola Kaldager: „Das Ganze wirkt schon sehr bizarr. Es sieht aus wie eine sehr gut durchgeführte Geheimdienstoperation – sie wurde hingerichtet“, konstatierte der ehemalige Gruppenleiter E 14 des norwegischen Geheimdienstes. Eine Spur nach Feudingen, die zuletzt Carsten Mika aufgetan hatte, thematisiert „Unsolved Mysteries“ nicht, sondern sucht in Ostdeutschland, weil ein Gast einen ostdeutschen Akzent bemerkt haben will.

Bislang kein entscheidender Hinweis aus Feudingen

Auf dem Check-in-Beleg hatte die Unbekannte scheinbar die „Rue de la Station“ im belgischen Verlaine angegeben – die Hausnummer 148, die sie genannt hatte, existiert allerdings nicht. Die Spur verlor sich, ein Blick auf die Quittung legte aber einen „Freud’schen Verschreiber“ nahe: die „Rue de la Stehde“ – die Straße „Auf der Stehde“ gibt es in Feudingen, „Unter der Stehde“ in Müsse. Carsten Mika nahm Kontakt mit der Feudinger Dorfgemeinschaft auf – bislang ohne einen entscheidenden Hinweis. Auf eine Rückmeldung aus Bad Berleburg – dort hat er versucht, Kontakt zu einer Facebook-Gruppe aufzunehmen – wartet er bisher vergeblich.
Die Netflix-Dokumentation hat Carsten Mika interessiert verfolgt, hält sie aber nicht für vollends schlüssig. Eine vorgenommene Isotopen-Analyse sei „sehr ungenau“ – diese sollte auf die Herkunft der Frau schließen lassen. Für unklar hält er, ob die Frau tatsächlich mit ostdeutschem Akzent gesprochen hat. „Für einen Nicht-Muttersprachler sind deutsche Dialekte schwierig auseinander zu halten.“
Mit Lars Christian Wegner hält der Hennefer indes regelmäßigen Kontakt. Dieser wiederum sei interessiert an den Spuren nach Feudingen und Müsse. Anders als der Journalist recherchiert der Deutsche allerdings derzeit schwerpunktmäßig zusätzlich in den USA. Ein Kanadier hat ihn jüngst auf die SZ-Berichterstattung, die auch online erschienen war, kontaktiert und auf eine Vermisstenmeldung aus den USA aufmerksam gemacht. „Die Eckdaten dieser vermissten Frau passen, das veröffentlichte Foto hingegen nicht ganz“, sagte Carsten Mika. Inzwischen sei die zuständige Polizeibehörde beauftragt, den Fall zu prüfen – und könnte eine DNA-Analyse veranlassen.

Fehlendes Puzzleteil gefunden?

Bei Übereinstimmung würde es sich um Michaelle Marie Champagne handeln. „Die Frau ist Belgierin, hat einen US-Soldaten geheiratet, mit ihm in Belgien, Deutschland und den USA gelebt und sich dann von ihm getrennt. Danach hatte sie kurz einen Freund in den USA, von dem sie sich auch getrennt hat – und hat zwischenzeitlich 60 000 US-Dollar von ihren Eltern erhalten.“ Für Carsten Mika ein Mordmotiv. „Das passt zusammen, das wäre das große Puzzleteil in der Mitte, das noch fehlt.“ Seine weitere Theorie: Im Hotel in Oslo traf sich Jennifer Fairgate mit ihrem Ex-Partner, die beiden hatten Sex miteinander – danach starb sie des Geldes wegen. Egal wohin die Spuren führen könnten, für Lars Christian Wegner stand eines fest: „Ich bin mir absolut sicher, dass es da draußen Menschen gibt, die Jennifer kennen – und sie sind nötig, um den Fall zu lösen“, konstatierte der Journalist.
Hinweis: Die zweite Folge der zweiten Staffel „Unsolved Mysteries“ befasst sich unter dem Titel „Ein Todesfall in Oslo“ mit dem Fall Jennifer Fairgate. Die Serie ist im Online-Streamingportal Netflix abrufbar.

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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