Stadt auf Vorrangzonen-Prüfstand

Siegen soll drei Laaspher Gebiete auf deren Windenergieanlagen-Tauglichkeit abklopfen

JG Bad Laasphe. Wie wenig es manchmal braucht, um aus einer schwierigen Situation eine bedeutend bessere zu machen, wollte gestern Abend der Bauausschuss-Vorsitzende Jürgen Borchert seinem Gremium anschaulich demonstrieren. Deshalb hatte er eine Ortsbesichtigung in der Laaspher Grundschule auf die Tagesordnung setzen lassen. Nachdem auf der Toilette der Schule vor wenigen Wochen zwei Mädchen von einem Mann belästigt worden waren, habe Schulleiterin Ulrike Schmidt laut nach baulichen Veränderungen verlangt. Dabei sei die Lösung doch so einfach gewesen, so Jürgen Borchert: Offene Türen seien abgeschlossen, verschlossene Türen seien geöffnet worden. Bedeutet: Nach diesem technisch wenig aufwändigen Vorgang ist die Toiletten der Grundschule nur noch aus dem Schulgebäude selbst zu betreten.

Für diese Demonstration nahm der Ausschuss-Vorsitzende gern zweimal den achtminütigen Fußweg und einen etwas späteren Beginn der eigentlichen Sitzung im Rathaus in Kauf — wo man sich dann einem deutlich komplizierteren Thema widmete: der Ausweisung von Vorrangzonen für Windenergieanlagen. Laasphes Haus- und Hof-Planer Wolfgang Theofel erläuterte den Ausschussmitgliedern detailliert und ausführlich, wie er auf zwei Gebiete gekommen war, deren Tauglichkeit als Vorrangzone mit der Unteren Landschaftsbehörde abzustimmen sei.

Insgesamt hatte er sieben mögliche Stellen aufgetan, die weit genug entfernt waren von Wohnbebauung, Richtfunkstrecken, FFH- und Naturschutz-Gebieten, 62er-Biotopen und geschützten Landschaftsbestandteilen. Von denen befand der Wallauer Planer allerdings nur zwei als groß genug für mindestens drei Windräder, nach denen eine Vorrangzone verlangt. Die eine Fläche liegt östlich von Banfe um die Alertsberge, die zweite südwestlich von Bernshausen. Wobei Wolfgang Theofel beide als »ganz erhebliche Beeinträchtigung und Störung des Landschaftsbildes« sah.

Bürgermeister Robert Gravemeier unterstrich: »Ich glaube nicht, dass wir ganz auf eine Vorrangzone verzichten können.« Das sei mit dem hohen Risiko verbunden, dass man ohne Vorrangzone vielleicht überall Windräder genehmigen müsse. Wie aufgeregt die Diskussion bei diesem Thema schnell wird, wurde deutlich, nachdem der SPD-Fraktions-Chef Arno Vomhof betont hatte, dass er für die Nutzung der Windenergie sei – insbesondere in der heutigen Zeit, da keiner auch nur auf eine Steckdose im Haus verzichten wolle. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Jürgen Borchert hielt dem entgegen: »Ich werde hier bis zum letzten Hemd kämpfen gegen diese Anlagen.«

Einig waren sich gestern Abend jedoch alle Ausschussmitglieder in dem Punkt, dass die beiden erwähnten Flächen sowie der Höhenzug nördlich von Bad Laasphe – den Wolfgang Theofel als drei kleine Zonen kategorisiert hatte – mit der Unteren Landschaftsbehörde in Siegen als potentielle Vorrangzonen durchgesprochen werden sollen.

Bei einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen billigte der Bauausschuss auch eine Änderung des Flächennutzungsplans am Dillstein. Erneut wird hier eine Fläche der Schlossbergklinik teilweise der Wohnbebauung zugeführt: »Durch den Rückgang des Kurbetriebs wird die bisherige Erweiterungsfläche für die Schlossbergklinik nicht mehr in vollem Umfang benötigt.« Der etwa 10000 Quadratmeter große Änderungsbereich wird im Norden von der Straße zum Schloss Wittgenstein begrenzt und endet im Süden etwa auf Höhe des Schotter-Parkplatzes der Klinik, dem durch die Änderung auch noch einige Stellplätze abgeknapst werden.

Bei einer Enthaltung einstimmig der Beschluss, dass die Banfer Wiesenstraße für den Durchgangsverkehr gesperrt und für die Anlieger reserviert wird. Damit soll erreicht werden, dass die Straße ohne Bürgersteige – an der in elf Häusern zehn Kinder unter zwölf Jahren leben – künftig nicht mehr als Schleichweg zur Landesstraße 718 genutzt wird.

Ebenfalls einstimmig die Billigung, dass auf einem Grundstück an der Laaspher Straße »Auf der Pfingstweide« hinter einem Haus eine weitere überbaubare Fläche für ein zweites Gebäude festgesetzt wird–- so dass die Baufläche in der Kernstadt konzentrierter genutzt werden kann. Ohne Gegenstimme auch die Entscheidung des Ausschusses, zur weiteren Erschließung des Baugebiets Galgenberg/Bachweg die Straße »Am Galgenberg« als Baustraße herzustellen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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