Übers Erinnern in die Zukunft

Viele waren gestern Abend an der gut besuchten Laaspher Gedenkstunde beteiligt: der frisch gebackene Bürgermeister Dr. Torsten Spillmann, der Laaspher Helmut Wickel, die Freundeskreis-Vorsitzende Gisela Weissinger, Dr. Thomas Kleinknecht, Dr. Konrad Beyerle sowie Lea und Kira Claude mit Harald Schmidt am Klavier. Foto: jg
  • Viele waren gestern Abend an der gut besuchten Laaspher Gedenkstunde beteiligt: der frisch gebackene Bürgermeister Dr. Torsten Spillmann, der Laaspher Helmut Wickel, die Freundeskreis-Vorsitzende Gisela Weissinger, Dr. Thomas Kleinknecht, Dr. Konrad Beyerle sowie Lea und Kira Claude mit Harald Schmidt am Klavier. Foto: jg
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jg Bad Laasphe. Die Laaspher erinnern sich bereits seit rund 20 Jahren regelmäßig an die Pogromnacht, gestern Abend beschlossen sie den Wittgensteiner Erinnerungsreigen mit ihrer Veranstaltung im Haus des Gastes. Als Oberbegriff stand das Wort „Wiedergutmachung“ über der Gedenkfeier in der Lahnstadt.

Referent zu diesem Thema war Dr. Thomas Kleinknecht aus Münster, er kam von der Villa ten Hompel, einer Gedenkstätte für Verbrechen von Polizei und Verwaltung im Nationalsozialismus. Der Historiker mit dem passenden Spezialgebiet ordnete Wiedergutmachung als geschichtlichen Grundbegriff einerseits, aber auch als Fahnen- und Bannerwort andererseits ein, an desssen Benutzung man die politische Gesinnung des Sprechenden genau erkennen könne. Auch wenn er bei der Erläuterung der zwei Grundfesten des Begriffs „Wiedergutmachung“ mit Entschädigung zum einen und Anerkennung einer Schuld zum anderen die Zuhörer noch mit auf die Reise nehmen konnte, so wurden die Ausführungen anschließend doch allzu gelehrt und kompliziert.

Aber vielleicht lag das einfach an der schwierigen Materie. Schon der frischgebackene Laaspher Bürgermeister Dr. Torsten Spillmann hatte in seinem Grußwort befürchtet, dass es eine komplizierte Thematik sei. Wiedergutmachung - wie solle das gehen, wenn man im Kopf habe, dass die Laaspher Juden nie in einem Ghetto gelebt hätten, sondern vor den Nazi-Jahren stets Teil der Laaspher Gemeinschaft gewesen seien. Für sich selbst fand Torsten Spillmann, dass wahrscheinlich eine innere Haltung und das Gedenken wichtig seien, damit sich die Schrecken des Dritten Reiches nicht wiederholen können.

Auch Gisela Weissinger als Vorsitzende des Laaspher Freundeskreises für christlich-jüdische Zusammenarbeit, der die Veranstaltung mit der Stadt ausrichtete, setzte darauf, dass der Weg in eine bessere Zukunft über die Erinnerung führe: „Denn es ist die Vergangenheit, die vor uns liegt.“ Sie erinnerte an den Berleburger Juden Julius Goldschmidt, dem die Nazis alles genommen hatten und der dennoch nach dem KZ in seine Heimat zurückkehrte, und an den Laaspher Juden Max Hony, der in Holland den Holocaust überlebte, aber: „Ein Niederländer ist er nie geworden.“

Noch eindringlicher waren einige, wenige Sätze, die Helmut Wickel sagte. Auf der Bühne im Haus des Gastes stand ein alter Stuhl, den hatte der Laaspher einst bei einer Haushalts-Auflösung gerettet. Der Mann, der ihn besessen hatte, war SA-Mann gewesen und hatte den Stuhl nach der Pogromnacht „gefunden“ und „sichergestellt“. Zuvor gehörte der Stuhl dem jüdischen Laaspher Kaufmann Scheuer. Inzwischen hat Helmut Wickel den Stuhl an den Freundeskreis weitergegeben. Er ermunterte die Zuhörer gestern Abend, sie mögen sich einfach vorstellen, wie der ehrenwerte und einst auch angesehene Kaufmann Scheuer auf seinem Stuhl an seinen Abrechnungen sitze. Es solle ein Erinnerung sein an das, was passieren könne.Musikalisch umrahmte wurde die Veranstaltung gestern Abend von Harald Schmidt, der abwechselnd entweder mit Kira oder mit Lea Claudi Klavier spielte. Traditionell gehört es zur Laaspher Gedenkstunde Kaddisch zu sagen. Gestern abend sprach Dr. Konrad Beyerle aus Altenteich das Totengebet der Juden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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