24-Jährige Vikarin aus Bad Laasphe
Vom Predigen fasziniert

Seit Anfang März arbeitet die Vikarin Carolin Kremendahl in der ev. Kirchengemeinde Bad Laasphe – irgendwann wird sie auch in der Stadtkirche predigen.
  • Seit Anfang März arbeitet die Vikarin Carolin Kremendahl in der ev. Kirchengemeinde Bad Laasphe – irgendwann wird sie auch in der Stadtkirche predigen.
  • Foto: Kirchenkreis
  • hochgeladen von Marc Thomas

sz Bad Laasphe. „Ich war immer die Jüngste“, sagt Carolin Kremendahl, die als Zwölfjährige schon unbedingt zur Sommerfreizeit ihrer Kirchengemeinde für Jugendliche ab 13 Jahren mitfahren wollte. In ihrem Vikariats-Kurs ist sie jetzt auch wieder die Jüngste. Sie ist gerade mal 24 und seit Oktober wohnt sie als Vikarin in Bad Laasphe. Das Vikariat ist nach dem eher theoretischen Theologie-Studium der vornehmlich praktische Ausbildungs-Teil für angehende Pfarrer. Während der ersten fünf Monate in Wittgenstein hat Carolin Kremendahl ihr Schulvikariat am Berufskolleg in Bad Berleburg absolviert. Für diese Zeit war Detlev Schnell, Religionslehrer an der Schule und Bezirksbeauftragter für Beruflichen Religionsunterricht im Wittgensteiner Kirchenkreis, ihr Mentor. Im Berufskolleg wird Carolin Kremendahl weiterhin bis Januar 2022 in zwei Klassen Religion unterrichten.

Aber seit Anfang März liegt ihr Hauptarbeitsfeld in der ev. Kirchengemeinde Bad Laasphe, hier ist nun Pfarrer Steffen Post ihr Mentor. Damals, als sie unbedingt zur Sommerfreizeit mit wollte, da dufte sie schließlich auch mitfahren. Und wie gestern kann sie sich daran erinnern, dass sie als Teilnehmerin einen Gottesdienst mitgestalten durfte, dass sie beim Fürbittengebet etwas sagen durfte. Noch mehr faszinierte sie das Predigen. Ihren damaligen Pfarrer habe sie praktisch auf der kompletten Heimfahrt aus Italien nach Haßlinghausen über seinen Beruf generell ausgefragt – und speziell übers Predigen. Auch wenn sie in der üblichen christlichen Sozialisation aufgewachsen war, wollte sie diese Dinge unbedingt genauer wissen.

Fußball und Kindergottesdienst

Übliche Sozialisation hieß in diesem Fall zum Beispiel, dass ihre Mutter schon darauf schaute, dass sie zum Kindergottesdienst ging. Das war manchmal nur etwas schwierig, wenn sich Carolin Kremendahl samstags zwischen dem Fußball und dem Kindergottesdienst entscheiden musste. Fußball spielt sie seit ihrem dritten Lebensjahr. Aber beim gemeinsamen Frühstück zum Kindergottesdienst warteten Nutella-Brötchen, die gab es zuhause nicht. Der Pfarrer habe ihr damals – vielleicht auch vom vielen Fragen genervt – gesagt, sie könne ja mal ein Praktikum machen. Und so lernte sie den Pfarrberuf auch als Schülerpraktikantin kennen, ansonsten ging sie zum Konfirmationsunterricht, wurde über die Jahre wie bei den Sommerfreizeiten von der Teilnehmerin zur Mitarbeiterin. Und im gemeindlichen Umfeld lernte sie dann Ten Sing kennen, die musikalische christliche Jugendarbeit lädt zum Mitsingen ein. Carolin Kremendahl ließ sich hierzu gern einladen. Das Gitarre- und Klavierspielen hat sie sich selbst beigebracht, auch um eigene Lieder zu schreiben: die Melodie und den Text.

Worte sind Carolin Kremendahl wichtig. Diese richtig zu setzen, ist ihr ein wesentliches Ziel. Gerade für die Predigt. Und weil sie das Predigen so faszinierte, war sie während des Studiums in unterschiedlichsten Gemeinden unterwegs, besuchte gezielt Gottesdienste, um ganz verschiedene Prediger zu hören.

Latein, Griechisch und Hebräisch

Carolin Kremendahl startete ihr Studium an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal, 16 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt. Große Teile der Studienzeit verbrachte sie dort, auch wenn sie zwischendurch mal zwei Jahre lang nach Heidelberg wechselte. Das etwas verschultere System in Wuppertal habe ihr gerade beim Sprachen-Lernen am Anfang geholfen. Außer Latein brauchen Pfarrer ja auch Griechisch und Hebräisch. Zwischendurch habe sie es in Heidelberg genossen, ganz andere Lehrende kennenzulernen und zu erleben: Es gebe ja „so viele Strömungen, so viele Gedanken“. Die Beschäftigung damit mache nun mal Arbeit: „Theologie ist immer anstrengend, mit Theologie wirst Du nie fertig.“

Die Dinge zu hinterfragen, das sei ihr im Studium immer wichtiger geworden. Und das ist gut so – denn ein bisschen ist Carolin Kremendahl nach Wittgenstein gekommen, weil der heimische Kirchenkreis so einen schlechten Ruf habe. „Geh‘ nicht nach Wittgenstein“ habe sie in ihrem Vikariats-Kurs öfters gehört. Das hat vor allem mit dem verkehrsfernen Landleben hier zu tun, aber die 24-Jährige, die früher in ihrem Heimatort innerhalb von drei Minuten auf der Autobahn war, ließ sich davon nicht schrecken. Im Gegenteil. Ein bisschen sei sie auch wegen des Abratens hierher gekommen: „Ich will mir mein eigenes Bild machen.“ Und dann irgendwann hier predigen. Auch weiterhin betont Carolin Kremendahl den hohen Wert der Predigt – und passt damit schon sehr gut ins reformierte Wittgenstein.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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