Ehemaligentreffen am Schloss-Internat
Von Silentium und einem Donnerwetter

Harald Koenig und ein harter Kern der „Alt-69er“ organisierten ein Klassentreffen auf Schloss Wittgenstein in Bad Laasphe – und 15 von an die 20 „Ex-Internatlern“ kamen.
  • Harald Koenig und ein harter Kern der „Alt-69er“ organisierten ein Klassentreffen auf Schloss Wittgenstein in Bad Laasphe – und 15 von an die 20 „Ex-Internatlern“ kamen.
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sz Bad Laasphe. 50 Jahre sind nicht viel – wenn sie vorbei sind. Erinnerungen bleiben frisch. Spannend wird es, wenn man vergleichen kann: Wie war das mit der Schule und dem Internat, wie ist das heute? Harald Koenig und ein harter Kern der „Alt-69er“ haben ein Klassentreffen organisiert – und 15 von an die 20 „Ex-Internatlern“ kamen. Gudrun Kämmerling hat sie als Geschäftsführerin der Schulen Schloß Wittgenstein gGmbH begrüßt. Realschul-Rektorin Melanie Dietrich, Technik-Lehrer Denis Ermert und Michael Rohm vom Fachbereich Chemie haben erklärt und gezeigt, wie Unterricht heute „geht“.

Vor 50 Jahren hat der erste Mensch den Mond betreten. In Vietnam war Krieg. Hippies sangen von Love and Peace and Understanding. Und auf dem Schlossberg in Bad Laasphe galten strenge Regeln: 1000 mal die Binomischen Formeln abschreiben, wenn die Hausaufgaben falsch waren. Auch mal „rote Ohren“, wenn es nicht besser wurde. Morgens Antreten in Zweierreihen auf dem Schulhof. Auch samstags Unterricht. Nur alle zwei Wochen ein Heimfahrt-Wochenende für den Heimaturlaub. Lehrer hatten immer Recht. Und wenn nicht, dann hatten sie es doch: Das Leben in der Schule und im Internat war hart, aber nicht unmöglich. 300 Jungen wohnten damals im Internat Schloss Wittgenstein. So genannte „externe Schüler“ gab es noch nicht. Und schon gar keine Mädchen. Bis auf wenige Lehrer-Töchter. Und doch gab es um die Damen keine Konkurrenz: Manche Dinge verboten sich ganz offenbar von selbst.

Die Zöglinge wohnten in Sechs-Bett-Zimmern im Schloss. Die Flure trugen Namen der Erzieher. Freizeit: Ja, aber wenig und anders. Nach der Schule das Silentium für die Hausaufgaben und für das Lernen. Es gab bestimmte Einsatzdienste. Zäune streichen, Ordnung halten, was so anfiel. Aber auch Reitstunden, Fechten lernen, E-Gitarre üben. Kein Handy, keine Smartphones, keine sozialen Medien, weil die einfach noch nicht erfunden worden waren. Streiche spielen? Ja, gab es auch.

Da war die Maus im Wäschekorb, die der Bio-Lehrer gar nicht gut fand und die ihre Freiheit im Bio-Raum nicht überlebt hat. Und einmal hat es sogar einen Ausbruch-Versuch gegeben: Ein Zeltlager wurde verboten. Fast die ganze Klasse hat sich die Schlosswände hinab abgeseilt und ist zu Fuß bis zur Siegquelle gelaufen. Nachts. Anderntags gab es Donnerwetter. Erst in der Schule und im Internat, dann auch noch zu Hause. Heute gibt es Klassenfahrten. Kaum noch Zeltlager. Gerne haben die Gäste erzählt, wie es war. Vielleicht mit kleiner Gänsehaut, ganz bestimmt mit Heiterkeit. Und sie wollten wissen, was heute anders ist. Kreidetafeln sieht man selten. Stattdessen elektronische Whiteboards mit Internet-Zugang. Hammer, Schraubenzieher, Zange und Nägel sind im Technik-Unterricht zwar nicht von gestern. Aber programmierbare Lego-Technik, der eigene 3D-Drucker und Computer bereiten darauf vor, wie es nach der Schule im Beruf weitergehen könnte. Denis Ermert hat es den „Jungrentnern“ lebhaft geschildert und demonstriert.

Sein Chemie-Kollege Michael Rohm hat es „krachen lassen“: Hinter Schutzglas, mit Brille, mit Hammer und mit Pulverdampf. Chemie gab es früher auch. Aber eben anders. Und mit weniger Aufwand und Sicherheits-Ausrüstung. Aus Klassenräumen wurden Lehrer-Räume. Individuell gestaltet. Die Lehrer bleiben drin, die Klassen wandern. Das geht und hat viele Vorteile, erfuhren die Gäste. Mehr Zeit, mehr Material, mehr Anschaulichkeit. Nicht unbedingt mehr Anforderungen, meinten die Besucher.

Noch ein Unterschied: Weniger Ablenkung, mehr Nähe – das habe damals mehr Zusammenhalt gebracht und weniger Stress oder Mobbing, glauben die Gäste. Sie werden wiederkommen. Zum 60-Jahre-Klassentreffen, wenn es klappt.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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