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Flächenrodungen nach Trockenheit
„Vor 60 Jahren fiel die Fichte schon mal“

Hinten am Entenberg wurden 1961 etliche Fichtenflächen gerodet, wie die schneebedeckten Bereiche zeigen, ebenso links am Heideberg und rechts am Galgenberg.
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  • Hinten am Entenberg wurden 1961 etliche Fichtenflächen gerodet, wie die schneebedeckten Bereiche zeigen, ebenso links am Heideberg und rechts am Galgenberg.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

howe Niederlaasphe. Die trockenen Sommer der vergangenen Jahre haben der Fichte gewaltig zugesetzt. Der Borkenkäfer hat bekanntlich Einzug gehalten und den Wittgensteiner Brotbaum förmlich kahlgefressen. Besonders betroffen sind aktuell die Wälder im Banfetal, im Oberen Lahntal um Feudingen herum sowie im Bereich Niederlaasphe und Puderbach – wo die großen Waldbesitzer aktuell die Fichtenbestände mitunter komplett abholzen. Auf der Indel bei Banfe steht kein Baum mehr, auch um den kleinen Rothaar am Heiligenborn ist es kahl geworden. „Luftig“ sieht es inzwischen auch im Fischelbacher Forst Richtung Sohl aus, ebenso um die Höhen in Feudingen.

Und in Niederlaasphe und Puderbach gleichen sich die Bilder der gerodeten Flächen mit denen aus dem Jahr 1961.

howe Niederlaasphe. Die trockenen Sommer der vergangenen Jahre haben der Fichte gewaltig zugesetzt. Der Borkenkäfer hat bekanntlich Einzug gehalten und den Wittgensteiner Brotbaum förmlich kahlgefressen. Besonders betroffen sind aktuell die Wälder im Banfetal, im Oberen Lahntal um Feudingen herum sowie im Bereich Niederlaasphe und Puderbach – wo die großen Waldbesitzer aktuell die Fichtenbestände mitunter komplett abholzen. Auf der Indel bei Banfe steht kein Baum mehr, auch um den kleinen Rothaar am Heiligenborn ist es kahl geworden. „Luftig“ sieht es inzwischen auch im Fischelbacher Forst Richtung Sohl aus, ebenso um die Höhen in Feudingen.

Und in Niederlaasphe und Puderbach gleichen sich die Bilder der gerodeten Flächen mit denen aus dem Jahr 1961. Denn was viele gar nicht wissen: „Da ist dasselbe schon mal passiert. Vor 60 Jahren fiel die Fichte schon einmal“, erinnert sich Hans-Armin Kohlberger. Der gebürtige Niederlaaspher hat seit Jahrzehnten alles über sein Dorf zusammengetragen, sämtliche Zeitungsartikel gesammelt und archiviert. Überdies hat er zahlreiche Ereignisse fotografisch für die Nachwelt festgehalten, unter anderem eben auch einige Bilder von den Fichtenflächen, die nach der großen Trockenheit des Jahres 1959 zwei Jahre später dem Erdboden gleichgemacht werden mussten.

Halbes Jahr ohne Regen

„Von Mai bis November gab es in 1959 keinen Niederschlag“, weiß Hans-Armin Kohlberger. „Ganz Laasphe musste damals von der Feuerwehr mit Trinkwasser versorgt werden, auch die meisten Stadtteile.“ Pro Person seien 10 Liter pro Tag ausgegeben worden, da erinnere er sich noch genau dran. „Die Leute haben monatelang ihren Urlaub geopfert und freiwillige Schichten eingelegt, um zu helfen.“ Das Wasser sei aus der Grube Gonderbach herbeigeschafft worden. Schließlich seien die Wasserquellen der Stadt in einem katastrophalen Zustand gewesen.

Darum habe man 1961/62 auch einen Tiefenbrunnen gebohrt, später sei eine Wasserleitung vom Gonderbach bis nach Laasphe gebaut worden. „Ich weiß noch: In der ganzen Königstraße, in der Bahnhofstraße, da kam nichts mehr aus dem Hahn. So trocken war das Jahr.“ Die Folge der Dürre von 1959 hat Hans-Armin Kohlberger fotografiert. Bei der Puderburg, vor der Höhstadt – sei alles an Fichten weggemacht worden. „Auch auf der faulen Seite oberhalb von Niederlaasphe wurde alles abgeholzt.“

Hilfe aus dem Nachbarland

Anhand der Schneeflächen auf den Bildern sieht man eindeutig, wie der Kahlschlag am Entenberg, am Heide- und am Galgenberg erfolgte. „Weil diese Holz-Massen nur schwer zu bewältigen waren, holte man damals die Österreicher hier hin“, so Hans-Armin Kohlberger. Einer, der mit den Kolonnen aus dem Alpenland zusammengearbeitet hat, ist Heinz Mengel vom Stünzel. Der 80-Jährige hat 1954 seine Waldarbeiterlehre begonnen und 1958 abgeschlossen. „Ich habe da oben in Puderbach und Niederlaasphe gearbeitet“, erzählt er.

„Damals kamen die Österreicher und arbeiteten hier. Viele sind in Wittgenstein geblieben, die Familien gibt es immer noch“, weiß Heinz Mengel. Er selbst sei damals rund um Puderbach im Einsatz gewesen und könne sich noch sehr gut an die Bedingungen erinnern. „Zum Teil wurde mit Handsägen gearbeitet, zum Teil mit schweren Motorsägen. Die waren so schwer und unhandlich, dass wir mit unseren Handsägen teilweise schneller waren als die anderen.“

Auch beim Aufforsten habe er in den 60er-Jahren geholfen, so Heinz Mengel. „Da führte an der Fichte kein Weg dran vorbei. Sie war und ist ja unser Brotbaum.“ Und schließlich sei sie ihre 60 Jahre gewachsen. Heute müsse sie erneut gefällt werden – auch wieder wegen der starken Trockenheit und dem Einfall des Käfers.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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