Vor Ort plötzlich eine Nähe zu Bad Laasphe gespürt

Rainer Becker, Torsten Spillmann und Gisela Weissinger stöberten mit Ilona und Stewart Jeiger in einem Riesenstapel alter Fotos. Eins zeigte Laasphes alte Kirche. Foto: jg
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jg Bad Laasphe. Wenn der Freundeskreis für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Bad Laasphe mit diesem Tempo weitermacht, dann muss die Stadt Bad Laasphe bald ein neues Goldenes Buch anschaffen. Nachdem sich erst in der vergangenen Woche die beiden Polen Zenon Bujnowski und Adam Bielak ins Goldene Buch der Stadt eingetragen hatten, war es gestern Ilona Jeiger, der diese Ehre zuteil wurde. Die 60-Jährige war aus den USA angereist, um den Ort zu besuchen, wo ihre Mutter vor knapp 98 Jahren geboren worden war. Deren Name: Minna Burg. Sie lebte an der Laaspher Wallstraße, bis sie sich einen Tag vor Heiligabend 1936 auf den Weg nach Amerika machte, weil Deutschland nicht mehr die Heimat von Juden sein wollte. Da half es nichts, dass im Familienbesitz ein Foto war, dass ihren Vater Bernhard Burg mit seinen Kameraden aus dem Ersten Weltkrieg zeigte, als er noch für Deutschland kämpfen dürfte.

Dieses und jede Menge andere Bilder mit Bezugspunkten zu Laasphe hatte Ilona Jeiger - geborene Spanier - gestern dabei, als sie im Laaspher Rathaus begrüßt wurde. Eingebettet war ihr eintägiger Lahnstadt-Besuch in einen längeren Aufenthalt in Waltrop. Dort war Ilona Jeiger nämlich auf den Spuren ihres Vaters unterwegs. Eduard Spanier gehörte zu den letzten Juden in Waltrop, im August 1941 gelang ihm noch die Ausreise in die USA, wo er die Laaspherin Minna Burg heiratete. Der Waltroper Karl-Heinz Schomberg beschäftigt sich aus heimathistorischer Sicht mit den Juden seiner Stadt, er schaltete deshalb sogar Anzeigen in jüdischen Zeitungen in New York. Daraufhin meldeten sich Mitglieder der Familie Spanier. Vor allem Ilonas Tochter Amy habe den Kontakt nach Deutschland gehalten und dann auch ihre Mutter bestärkt, als diese ihren deutschen Wurzeln auf den Grund gehen wollte, weiß Dorothee Schomberg, die gemeinsam mit ihrem Mann das Ehepaar Ilona und Stewart Jeiger gestern nach Bad Laasphe begleitete. Dieses „Jeiger“ hat übrigens ebenfalls deutsche Wurzeln, denn auch einer von Stewarts Vorfahren wanderte einst nach Amerika aus, der Nachname entstand aus dem Namen „Jäger“.

Die Motivation ihrer Reise schilderte Ilona Jeiger gestern folgendermaßen: Ihre Mutter habe 14 Tage vor ihrem Tod dem Enkel Louis eine Geburtstagskarte mit dem Aufrdruck „Vergesst mich nicht“ gegeben. Diese Erinnerung habe sie über die Jahre hinweg immer stärker beschäftigt, aus diesem Grund verließ das Ehepaar Jeiger jetzt zum ersten Mal die USA, um Deutschland zu besuchen.

Ein Land, in das ihre Mutter nie zurück wollte. Die, so erinnerte sich Ilona Jeiger gestern, habe ihr viel von Verwandten erzählt, nicht aber von der Landschaft oder von den Menschen hier. Dennoch spüre sie jetzt plötzlich eine Nähe zur Stadt. Von Dr. Torsten Spillmann bekam die Besucherin nicht nur eine Luftaufnahme der Laaspher Altstadt, mit dem Hinweis auf das großeltern-Haus, sondern auch noch Kopien der städtischen Urkunden und einen Laaspher Stammbaum der Familie Burg. Nachdem sich Ilona Jeiger ins Goldene Buch eingetragen hatte, machte sie sich mit ihren Gastgebern vom christlich-jüdischen Freundeskreis, Reiner Becker, Manfred Dinger, Gisela und Johannes Weissinger, sowie ihrem Ehemann und dem Ehepaar Schomberg auf den Weg durch die Stadt. Bei schlechtestem Wetter fotografierte der Tross das frühere Haus der Familie Burg, warf einen Blick in die alte Synagoge und besuchte noch kurz den jüdischen Laaspher Friedhof. Befragt, was ihr dieser Besuch bedeute, überlegte die Amerikanerin lang und gut und sagte dann: Der gesamte Aufenthalt in Deutschland sei für sie eine „ganz emotionale Reise“.

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