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Geschichte beginnt um 1880
Was an der Laasphe-Brücke so besonders ist

Die Laasphe-Brücke scheint für den Laien nur eine gewöhnliche Stahlbrücke zu sein. Ist sie aber nicht. Sie stammt aus den 1880er Jahren und hat hohen Denkmalwert.
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  • Die Laasphe-Brücke scheint für den Laien nur eine gewöhnliche Stahlbrücke zu sein. Ist sie aber nicht. Sie stammt aus den 1880er Jahren und hat hohen Denkmalwert.
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howe Bad Laasphe. Man könnte sagen, eine stinknormale Brücke – die sogenannte Laasphe-Brücke, die am Kino vorbeigehend über die Bahnstrecke verläuft, wenn man hoch zum Steinchen will. 22,5 Meter ist sie lang, hat zwischen den Hauptträgern eine Breite von 4,25 Metern.

Die kleinste

howe Bad Laasphe. Man könnte sagen, eine stinknormale Brücke – die sogenannte Laasphe-Brücke, die am Kino vorbeigehend über die Bahnstrecke verläuft, wenn man hoch zum Steinchen will. 22,5 Meter ist sie lang, hat zwischen den Hauptträgern eine Breite von 4,25 Metern.

Die kleinste lichte Höhe der Unterkante der Brückenkonstruktion beträgt 1,70 Meter. Der Überbau besteht aus genieteten Parabelträgern, „die an ihren Enden flach gegründet sind, sodass sich in der Längsansicht ein umgekehrter Fischbauchträger zeigt.“ Der Laie würde von einer bloßen Stahlbrücke sprechen, die Fachleute vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) aus Münster sehen das anders. Sie haben sich in der Geschichte der Brücke kundig gemacht und festgestellt: „Die Brücke muss unter Denkmalschutz gestellt werden.“

Laasphe-Brücke: Fachleute entdecken besondere Bedeutung der Brücke

Eine entsprechende Verwaltungsvorlage liegt dem Bad Laaspher Umwelt-, Bau- und Denkmalausschuss für die Sitzung am Mittwoch, 1. Juni (18 Uhr im Rathaus) vor. Dem vorausgegangen war die jüngste Brückenprüfung, die allerorts im Stadtgebiet vorgenommen wurde. In diesem Zuge entdeckten die Fachleute denn auch die besondere Bedeutung der Brücke für die Menschen, für die Verkehrs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Was da jetzt alles ans Tageslicht befördert wurde: Die Brücke ist ein bauliches Relikt aus dem Jahre 1887. Nach ihrem Bau konnten die Bürger auch mit schwerem Fuhrwerk über die Lahn gelangen. Einerseits profitierten die Leute, weil sie zum Beispiel eine Zuwegung hoch zum Schützenplatz bekamen, andererseits war nun der Weg für Waren und Rohstoffe etwa zu den ortsansässigen Mühlen und Gerbereien frei.

Spannend ist die Geschichte der am Brückenbau beteiligten Unternehmen. Zunächst bat die königliche Eisenbahndirektion die Stadt, den Bau der Brücke parallel zum Bau der Eisenbahnstrecke auszuführen. Dem kam Laasphe nach und erhielt sogar von der Bahndirektion eine Beteiligung für die Brücke von 8000 Mark. In den 1880er Jahren fiel die Entscheidung für eine Bahnlinie von Kreuztal nach Cölbe – über Hilchenbach, Erndtebrück und Laasphe. Hintergrund war, die strukturschwachen Kreise Wittgenstein und Biedenkopf zu stärken. Vor allem sollten die an der Strecke vorhandenen Hammer- und Hüttenwerke sowie Gießereien mit Steinkohle und Koks aus dem Ruhrgebiet versorgt werden. „Der erste Abschnitt von Laasphe nach Cölbe wurde im März 1883 für den Güterverkehr freigegeben“, weiß  Eva-Elisabeth Schulte, beim LWL zuständig für die Technische Kulturdenkmalpflege.

Laasphe-Brücke: Abschnitt von Kreuztal nach Hilchenbach im März 1884 eröffnet

Im März 1884 wurde der Abschnitt von Kreuztal nach Hilchenbach eröffnet, die Abschnitte von Feudingen nach Laasphe und von Hilchenbach nach Erndtebrück erfolgten ab 1888. „Nach der durchgängigen Eröffnung entwickelte sich der Verkehr überaus positiv.“ Was die Laasphe-Brücke anbetrifft, so holte Ingenieur Wiegand aus Siegen zahlreiche Angebote ein, unter anderem aus dem Ruhrgebiet. Damals namhafte Firmen wie die Dortmunder  Brückenbau C. H. Jucho, die Dortmunder Union AG für Eisen- und Stahlindustrie oder die Harkort aus Duisburg kämpften um die Gunst.

Am Ende erhielt ein Siegerländer Unternehmen den Zuschlag – nämlich die Fölzer und Söhne Kesselschmiede, Brückenbau und Eisengießerei auf der Sieghütte. Schlosser Heinrich Fölzer baute seit 1859 gemeinsam mit seinen Söhnen Karl, Ludwig und Wilhelm Dampfkessel für die Siegener Industrie. 1875 erweiterten die Fölzers den Betrieb um eine Eisengießerei, die für den Brückenbau arbeitete. "1921 entstanden die Kölsch-Fölzer-Werke, die sich zu einem der größten Unternehmen des Siegerlandes entwickelten." Beschäftigt wurden 1937 mehr als 1000 Mitarbeiter in der Konstruktion.

Die Laasphe-Brücke scheint für den Laien nur eine gewöhnliche Stahlbrücke zu sein. Ist sie aber nicht. Sie stammt aus den 1880er Jahren und hat hohen Denkmalwert.
Fachleute sprechen von einer filigranen Fachwerk-Konstruktion. Die Brücke an der Brückenstraße, zwischen Kino und Zuwegung zum Steinchen, soll unter Denkmalschutz gestellt werden.
Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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