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Serie "Hinter der Fassade"
Was kostet die Windkraft?

Die Siegener Zeitung darf einen Blick hinter die Kulissen eines Windrads wagen - exklusive Hintergrund-Informationen für die Heimatzeitung.
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  • Die Siegener Zeitung darf einen Blick hinter die Kulissen eines Windrads wagen - exklusive Hintergrund-Informationen für die Heimatzeitung.
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howe Bad Laasphe. Klar verdient Prinz Wittgenstein Geld mit seinen Windkraftanlagen. Aber was buttert der Investor im Vorfeld alles rein? Darüber spricht niemand. Die Siegener Zeitung hat dieser Tage exklusive Informationen erhalten, weil sie sozusagen – im übertragenen Sinne – ins Herzstück einer Windmühle, also hinter die Fassade geblickt hat. Ludwig Ferdinand Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg liefert Hintergründe. Dabei gibt er ohne Umschweife zu, dass sich das Geschäft nach dem verheerenden Sturm Kyrill für ihn als geschädigter Waldbesitzer durchaus lohnt. Aber was viele nicht wissen: Die Hürden sind enorm. Und bis ein Windrad steht, kostet das über eine halbe Million Euro. „Ich gebe viel Geld aus und habe womöglich die ein oder andere Klage an der Backe.

howe Bad Laasphe. Klar verdient Prinz Wittgenstein Geld mit seinen Windkraftanlagen. Aber was buttert der Investor im Vorfeld alles rein? Darüber spricht niemand. Die Siegener Zeitung hat dieser Tage exklusive Informationen erhalten, weil sie sozusagen – im übertragenen Sinne – ins Herzstück einer Windmühle, also hinter die Fassade geblickt hat. Ludwig Ferdinand Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg liefert Hintergründe. Dabei gibt er ohne Umschweife zu, dass sich das Geschäft nach dem verheerenden Sturm Kyrill für ihn als geschädigter Waldbesitzer durchaus lohnt. Aber was viele nicht wissen: Die Hürden sind enorm. Und bis ein Windrad steht, kostet das über eine halbe Million Euro. „Ich gebe viel Geld aus und habe womöglich die ein oder andere Klage an der Backe. Das macht das Geschäft verdrießlich“, sagt er. „Mut und Kreativität muss man im Rucksack haben“, ergänzt Projektleiter Cliff Reppel.

Die Suche nach dem Standort 

„Durchsetzungswillen braucht man und jemanden, der bereit ist, mit Kapital in Vorleistung zu treten.“ Erst einmal geht es mit der Standortsuche los. Dabei liegt der Fokus auf den Kuppenlagen – wegen der Windhöffigkeit. „Wir erstellen gemeinsam mit einem Vermessungsingenieur ein digitales Geländemodell“, bietet Cliff Reppel die Infos. Ist die Geländestruktur geplant, werden die Kranstellflächen organisiert. Auf 10 Zentimeter Genauigkeit kann der Planer sehen, wo der geringste Geländeeingriff stattfindet. Auch der Mindestabstand zur Wohnbebauung muss eingehalten werden. „Die 1000 Meter tun uns wahnsinnig weh“, erläutert Cliff Reppel. Schließlich bezieht sich der Abstand auch auf die geplante Wohnbebauung, also auf potenzielle Baugrundstücke. Danach geht es in die Kartierung.

Komplette Tierwelt untersuchen

Ein bis zwei Jahre braucht der Investor für die ornithologische Untersuchung. „Alles, was Füße oder Flügel hat“, bringt es Cliff Reppel auf den Punkt. Die komplette Tierwelt untersuchen die Gutachter – von der Haselmaus bis zum Schwarzstorch. Auch der geologische Dienst ist beteiligt.
Die Gutachten hauen rein: Radargutachten, Windgutachten, Turbulenzgutachten, Schattenwurfgutachten und Schallgutachten. Der Antrag bei der Genehmigungsbehörde umfasst drei Ordner, die 16 mal kopiert werden müssen. 3 mal 16 macht 56 Ordner, die an 15 Träger öffentlicher Belange geschickt werden. Lehnt auch nur einer davon den Windradbau ab, muss die Behörde abwägen und entscheiden. Fragen der Träger öffentlicher Belange werden an Prinz Wittgenstein rückgekoppelt. „So eine Genehmigung dauert mindestens ein Jahr, manchmal auch drei bis fünf Jahre“, weiß Prinz Wittgenstein. „Ein Fehler in der Kartierung kann uns sogar ein Jahr Verzögerung kosten“, konstatiert er. Alle Gutachten kosten Geld. Viel Geld: rund 350.000 Euro ohne Personalkosten.
„Wir fühlen uns ungerechtfertigterweise massiv verfolgt“, betont Prinz Wittgenstein und meint den gesamten Prozess, bei dem viele Steine aus dem Weg geräumt werden müssen. Inklusive Klagen.

Bürgschaften hinterlegen

Zurück zum Vorgang des Windradbaus: Für den Tiefbau muss Prinz Wittgenstein zusätzlich zu den Gutachterkosten noch 190.000 Euro Rückbaubürgschaft pro Anlage hinterlegen. „Bevor ich überhaupt mit der Windenergie beginne, ist der Rückbau abgesichert.“ Es folgen die Vertragsverhandlungen mit dem Hersteller der Anlage und der Wettbewerb der Bundesnetzagentur. Pro Kilowattstunde Leistung muss man eine Bürgschaft hinterlegen, eine Sicherheitsleistung von rund 99.000 Euro pro Anlage. Ist die Anlage in Betrieb, erfolgen Renaturierung und Rückbau. Ausgleichsmaßnahmen müssen erbracht werden, um den Eingriff in die Natur wieder gutzumachen.
Und immer wieder steht die Genehmigungsbehörde auf der Matte, hängt Prinz Wittgenstein regelrecht im Nacken. „Der Schall wird nachgemessen, alles wird überprüft“, erklärt Cliff Reppel. Die Technik ist sogar so weit, dass eine Windkraftanlage „in Pause geht“, wenn gerade eine Fledermaus fliegt. „Dann schaltet sie sich automatisch ab.“

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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