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Ehrenamtliche Helfer
Wer sind die Menschen hinter dem „Herzenswunsch-Krankenwagen“?

Verschönern den unheilbar erkrankten Patienten den letzten Weg: Anna-Lena Bade und Michael Hermann vom Team des Herzenswunsch-Krankenwagens Südwestfalen der Malteser in Bad Laasphe.
  • Verschönern den unheilbar erkrankten Patienten den letzten Weg: Anna-Lena Bade und Michael Hermann vom Team des Herzenswunsch-Krankenwagens Südwestfalen der Malteser in Bad Laasphe.
  • Foto: Lars Lenneper
  • hochgeladen von Michael Sauer

ll Bad Laasphe/Wittgenstein. Nachdem die SZ am Freitag in der Rubrik „Was ist draus geworden?“ die Geschichte des Herzenswunsch-Krankenwagens der Malteser in Bad Laasphe näher beleuchtet hat, soll es am heutigen Samstag darum gehen, wer eigentlich die Menschen dahinter sind, die dieses für ganz Südwestfalen außergewöhnliche Projekt begleiten. Einblicke in eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

„Natürlich ist da am Anfang eine Hemmschwelle da“, gibt Anna-Lena Bade unumwunden zu. Die Bad Laaspherin gehört seit knapp zwei Jahren zum Team des Herzenswunsch-Krankenwagens der Malteser und hat in dieser Zeit etwa die Hälfte der insgesamt 14 Wunscherfüllungen begleitet.

ll Bad Laasphe/Wittgenstein. Nachdem die SZ am Freitag in der Rubrik „Was ist draus geworden?“ die Geschichte des Herzenswunsch-Krankenwagens der Malteser in Bad Laasphe näher beleuchtet hat, soll es am heutigen Samstag darum gehen, wer eigentlich die Menschen dahinter sind, die dieses für ganz Südwestfalen außergewöhnliche Projekt begleiten. Einblicke in eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

„Natürlich ist da am Anfang eine Hemmschwelle da“, gibt Anna-Lena Bade unumwunden zu. Die Bad Laaspherin gehört seit knapp zwei Jahren zum Team des Herzenswunsch-Krankenwagens der Malteser und hat in dieser Zeit etwa die Hälfte der insgesamt 14 Wunscherfüllungen begleitet.

„Herzenswunsch-Krankenwagen“: Ansprüche so individuell wie die Menschen

Ihre allererste Tour habe sie mit gemischten Gefühlen angetreten, weil sie befürchtete, dass unabhängig von aller Vorfreude das Thema „Tod“ trotzdem immer mitschwingen würde. Heute kann sie erleichtert feststellen, dass ihre Sorge damals unbegründet war. Natürlich spreche man mit den Patienten auch über den Tod oder weine zusammen, aber möglicherweise aufkommender Schwermut werde stets von dem Glücksgefühl des Augenblicks eingeholt. „Es ist so toll zu sehen, was die Erfüllung ihres Herzenswunsches mit den Menschen macht. Ihre Freude gibt mir so viel Kraft und Energie“, erklärt Anna-Lena Bade. Eine Erinnerung einzeln hervorheben möchte die Wittgensteinerin indes nicht: „Jeder Moment ist auf seine Art und Weise ganz besonders.“

Jeder Moment ist auf seine Art und Weise ganz besonders.
Anna-Lena Bade
auf die Frage, an welche Herzenswunsch-Erfüllung sie sich besonders gern erinnere.

Besonders machen ihn vor allem die vielfältigen Wünsche der Patienten – und die Menschen, die Unmengen an Zeit, ehrenamtlichem Engagement und vor allem Herzblut investieren, um diese zu realisieren. Menschen wie Michael Hermann. Der 44-Jährige ausgebildete Notfallsanitäter kümmert sich seit der Geburtsstunde des Herzenswunsch-Krankenwagens nicht nur um das Wohlergehen der Patienten, die er liebevoll „Gäste“ nennt, auf deren letzten großen Reise, sondern auch um die komplette Organisation im Vorfeld. Häufig nimmt er dabei Wünsche von Patienten aus dem Marien-Hospiz („Eremitage“) in Wilnsdorf entgegen. Aber auch privat können sich lebensverkürzt Erkrankte aus ganz Südwestfalen oder deren Angehörige an die Malteser in Bad Laasphe wenden. Die Ansprüche sind dabei so individuell wie die Menschen selbst.

„Herzenswunsch-Krankenwagen“: Zwischen Alpen und Nordsee

„Zuletzt haben wir einen Gast nach Ramsau bei Berchtesgaden gefahren. Sein Freund, mit dem er seit 14 Jahren dort Urlaub macht, war als Überraschung auch mit dabei. Wegen der 22 Stunden Anfahrt haben wir zwei Übernachtungen gebucht. Das war aber eine Ausnahme. Die Wünsche müssen für alle gleich gehalten werden und sollten innerhalb von 14 Tagen erfüllbar sein“, erläutert Hermann. Auch ein Bauernhofbesuch im Westerwald, mehrere Kurztrips an die Nordsee oder ein Meet & Greet mit Ex-Bayern-Kicker Mehmet Scholl im Freizeitpark Fort Fun wurden bereits erfüllt. Achtmal kam es leider nicht mehr zur Umsetzung – die Patienten waren im Vorfeld verstorben.

Für ein Lächeln auf der letzten Reise

Das sind Momente, in denen auch Michael Hermann innehält. Der Bad Laaspher hat bereits mit 16 Jahren eine Ausbildung im Pflegeheim gemacht und sich seitdem intensiv mit dem Thema „Umgang mit dem Tod“ beschäftigt. Überhaupt, bei aller „Glückseligkeit“, die der verheiratete Familienvater nach eigenen Angaben durch das Projekt Herzenswunsch-Krankenwagen erfährt, die Anspannung ist jedes Mal aufs Neue gewaltig. „Ich lebe für dieses Projekt. Von Anfang bis Ende laufe ich auf 150 Prozent. Denn die Angst fährt ein Stück weit immer mit“, räumt der 44-Jährige ein. Die Angst um das in die Jahre gekommene Auto, das 2018 mit Spendengeldern finanziert und in 700 Arbeitsstunden Eigenleistung umgebaut wurde, um plötzliche Organisationsprobleme oder zuvorderst natürlich um den unheilbar kranken Patienten selbst.

Damit für dessen Gesundheitszustand bestmöglich gesorgt ist, ist neben einem Notfall- auch immer ein Rettungssanitäter und zumeist eine Palliativschwester sowie ein Angehöriger mit an Bord. Häufig würden die „Gäste“ dann ihre letzten Kräfte zusammennehmen, um noch einmal für einen kurzen Moment das Leben zu fühlen, statt ans Sterben denken zu müssen. Fünf Tage bis drei Monate reiche der Zeitraum, in dem die Patienten anschließend versterben. Michal Hermann weiß: „Auch die Wunscherfüllung ist ja eine Art Sterbebegleitung. Nur verschönern wir diesen letzten Weg.“

Autor:

Lars Lenneper

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