Folker Winkelmann nimmt die SZ mit zur Entstehung eines Kunstwerks
Wie der Wald leuchtet, wie die Welt leuchtet!

Die Installation, bestehend aus zwei Filmprojektionen, verschiedenen Klangereignissen und einer Lichtinszenierung im Wald, produziert eine surreale Welt und setzt der Imagination keine Grenzen.
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  • Die Installation, bestehend aus zwei Filmprojektionen, verschiedenen Klangereignissen und einer Lichtinszenierung im Wald, produziert eine surreale Welt und setzt der Imagination keine Grenzen.
  • Foto: Folker Winkelmann
  • hochgeladen von Sarah Benscheidt (Volontärin)

sabe OberndorfIn ihren Wipfeln rauscht die Welt, ihre Wurzeln ruhen im Unendlichen; allein sie verlieren sich nicht darin, sondern erstreben mit aller Kraft ihres Lebens nur das Eine: ihr eigenes, in ihnen wohnendes Gesetz zu erfüllen, ihre eigene Gestalt auszubauen, sich selbst darzustellen.
Bäume haben nicht nur auf den deutsch-schweizerischen Schriftsteller Hermann Hesse eine ganz eigene Wirkung. Auch auf den aus Bremen stammenden Fotografen und Künstler Folker Winkelmann üben die Riesen der Wälder, mit denen Wittgensteins Flora und Fauna so flächendeckend gesegnet ist, eine besondere Faszination aus. Allerdings: Nicht ganz im klassischen Sinne eines entspannenden Naturausflugs. Ihn inspirieren die alten Fichten, die in einem dicht bewaldeten Stück in der Nähe von Oberndorf stehen, der heitere Schimmer von jungem Grün und knorrigem Wurzelholz, zu Kunst. Und zwar zu ganz individueller: In seinem Heimatort Bremen hat er die „Installation Waldlichter“ schon öfter inszeniert. Hier, in neuer Umgebung bekommt die Arbeit aber noch einmal eine völlig neue Handschrift.

Wittgensteiner Natur mit besonderem Flair

Folker Winkelmann liebt die Natur, er liebt die Wittgensteiner Natur. Sie hat einen besonderen Flair, findet er. Winkelmann war im Zuge der von Harald Hagedorn initiierten Kunstausstellung „EinZweiBlicke“ (die SZ berichtete ausführlich) aus dem Norden nach Bad Laasphe gereist. Stadt und Umgebung kennt er gut. Winkelmann hatte bereits mehrere Projekte fotografischer, wie auch künstlerischer Natur in der Lahnstadt angeschoben. „Villa Utopia“ fällt als Stichwort. Hier hatte er in einem Leerstand in der Bad Laaspher Altstadt mehrere Arbeiten ausgestellt. Jetzt also reiht sich die „Installation Waldlichter“ mit in die Erinnerung an seine Besuche in Wittgenstein ein.

Nährboden für Kreativität

Winkelmann ist zu Gast bei einem befreundeten Paar in Oberndorf, fühlt sich hier sehr wohl – man sieht es ihm an, die Natur, die Ruhe, das scheinbar langsamere Laufen der Zeit: Nährboden für Einfallsreichtum, Nährboden für Kreativität. So kommt es denn, dass der Fotograf während besagter Vernissage ohne viele Umschweife im Gespräch mit der SZ ganz offen dafür ist, seine jüngst gezeigte Präsentation vor den „EinZweiBlicke“-Künstlern noch einmal aufleben zu lassen. Kurzerhand nimmt er die SZ mit zur Entstehung eines Kunstwerks.Man verabredet sich am frühen Abend. Der Sommer brütet, der Tag ist gelb, der Weg zur verabredeten Lichtung kurz und holprig. Winkelmann wartet. Angekommen am Zielort, besieht er sich die dichte Blätterdecke. Zwischen dem Zweigennetz, das sich so freudig und trotzig immerwährend in der Luft wiegt, scheint er etwas zu suchen. Einen Bildträger, eine Projektionsfläche, eine Kommunikationsfläche, wie er später erzählen wird. Für seine Kunst will er den heimischen Wald als Plattform nutzen. „Ich bin gerne im Wald und außerdem habe ich hier so unglaublich viel Platz“, erklärt er.

Kunst im Werden

Es folgt der Aufbau. Die Installation besteht aus zwei Leinwänden, welche allerdings nicht durchgehend und fest fixiert zwischen jeweils zwei großen Bäumen hängen, sondern die Fläche teilt sich auf in bewegliche längliche Rechtecke. Kommt Wind auf, setzt Dynamik ein. Die Leinwände dienen später als Produktionsfläche für Filmsequenzen. Szenen, die Winkelmann selbst abgedreht hat. Die gebastelten Konstrukte hängen noch von der vergangenen Vorführung, alles andere muss neu gesetzt werden. Lautsprecher, Stative, USB-Sticks, Beamer, Laserpointer und eine unzählige Menge an Lichtern lucken aus den großen Ikea-Kisten hervor – es ist viel zu tun.Die Lautsprecher hierhin, die Stative dorthin, die Beamer positionieren, die USB-Sticks anschließen. Musik auswählen, und zu einem ganz exakten Zeitpunkt abspielen – wenn die Filmsequenzen einsetzen. Es sind Aufnahmen aus seiner Heimat. Die Musik brummt. Der Tag neigt sich dem Ende. „Es ist langsam Zeit für die Lichter“, sagt er. Ein prüfender Blick, dann wird eine kleine – noch nicht angeschaltete – Lichtquelle („irgendwelche nicht ganz so teuren Errungenschaften aus dem Internet“, schmunzelt er) in eine kleine Mulde im Moos oder eine vorhandene Kuhle im Wurzelnest gelegt. „Die Baumstämme sind die Stars, die sollen beleuchtet werden“, meint er. Kleine Taschenlampen werden an passenden Ästen befestigt, Laserpointer vorsichtig an (genauestens ausgeguckten) Stellen fixiert.

Licht an, Welt aus

Die Dämmerung hat sich nun vollends eingeschlichen. Der Abend ist klar und wirkt ein wenig wunderlich durch die leise, aber stetige Beschallung der Musik- und Filmprogramme, die mittlerweile in Dauerschleife über die Projektionsfläche huschen. Die mondbeglänzten Bäume werfen lange Tannenschatten auf die mulmige Walderde. „Licht an“, sagt Folker Winkelmann lächelnd, wissend, welch surreale Welt sich dem Auge des Betrachters jetzt ergießen wird. Tatsächlich: Licht an, Welt aus. Ein glänzender Punkt nach dem anderen löscht die einbrechende Dunkelheit wieder aus, formt sie um, kreiert Neues. Lichtgestalten, Lichtbilder, eine Nacht aus tausend Glühwürmchen – der Wahrnehmung sind keine Grenzen gesetzt. Magisch erscheint dieses Spiel, das Zusammenwirken der hundertjährigen Bäume und der neuen Technik. Es bildet eine Einheit, von immer Dagewesenem, Imagination, Kreativität, Modernität. Ein riesengroßes Kunstwerk mitten im Wald.„Der Sternenhimmel und dann erste Lichter und Geräusche und dann plötzlich ein gelandetes Raumschiff vor mir“, so beschreibt der Künstler selbst seine Reaktion auf das von ihm Geschaffene. Was auch immer diese hellgrün strahlende Welt auslösen mag, sie leuchtet – und wie!

Autor:

Sarah Benscheidt (Volontärin) aus Bad Berleburg

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