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Beförderung zur Realschule Erndtebrück
Wie sich das Schulbus-Problem löst

Matthias, Jessica und Jana Schneider (v. l.) hoffen, dass nach den Ferien die zehnjährige Lena mit dem Bus von Großenbach zur Realschule Erndtebrück kommt. Dafür muss sie aber früh morgens einen Abstecher nach Walpersdorf machen.
  • Matthias, Jessica und Jana Schneider (v. l.) hoffen, dass nach den Ferien die zehnjährige Lena mit dem Bus von Großenbach zur Realschule Erndtebrück kommt. Dafür muss sie aber früh morgens einen Abstecher nach Walpersdorf machen.
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  • hochgeladen von Holger Weber (Redakteur)

howe Großenbach. Für die einen ist es die herrlichste Natur-Idylle der Welt. Für die anderen ist es einfach nur nervig: Am Großenbach lebt Familie Schneider zweifelsohne in einer wunderschönen Umgebung – wenn da nicht diese Unwägbarkeiten wären. Seit Monaten doktern Jessica und Matthias Schneider an einer Lösung herum, wie ihre zehnjährige Tochter Lena nach den Ferien zum Schulstart vom 21 Einwohner kleinen Großenbach in die Realschule Erndtebrück kommt. Als wäre der Wechsel von der Grundschule in die weiterführende Einrichtung nicht schon schwer genug, wartet auf die Familie das nächste Hindernis. Denn scheinbar fährt am Großenbach gar kein Bus, der das Kind pünktlich nach Erndtebrück zur Schule bringen könnte. Zumindest glaubten das die Schneiders bis Montagmorgen.

howe Großenbach. Für die einen ist es die herrlichste Natur-Idylle der Welt. Für die anderen ist es einfach nur nervig: Am Großenbach lebt Familie Schneider zweifelsohne in einer wunderschönen Umgebung – wenn da nicht diese Unwägbarkeiten wären. Seit Monaten doktern Jessica und Matthias Schneider an einer Lösung herum, wie ihre zehnjährige Tochter Lena nach den Ferien zum Schulstart vom 21 Einwohner kleinen Großenbach in die Realschule Erndtebrück kommt. Als wäre der Wechsel von der Grundschule in die weiterführende Einrichtung nicht schon schwer genug, wartet auf die Familie das nächste Hindernis. Denn scheinbar fährt am Großenbach gar kein Bus, der das Kind pünktlich nach Erndtebrück zur Schule bringen könnte. Zumindest glaubten das die Schneiders bis Montagmorgen. Bis dahin hatten sie alles Mögliche unternommen – mit den Kommunen Kontakt aufgenommen, um eine Sonderfahrt für die Tochter gebeten. Sogar Kommentare hörte sich die Familie an, man müsse eben auf der Kehrseite Abstriche machen, wenn man schön wohnen wolle. Oder die Bemerkung, dass man das Kind – übrigens mit Haupt- und Realschulempfehlung – ja auch aufs Gymnasium tun könne, da sei der Weg einfacher.

Jedenfalls telefonierte sich Jessica Schneider die Finger wund. Bereits Ende 2019 machte sie die Gemeinde Erndtebrück und die Stadt Bad Laasphe auf die Situation der Beförderung von Tochter Lena aufmerksam. Zuletzt unterrichtete sie die Realschule Erndtebrück nochmal darüber bei der Anmeldung im Februar. „Gemeldet haben die sich allerdings erst in der ersten Woche der Sommerferien“, berichtet Jessica Schneider. „Seitdem verbringen wir die Sommerferien mit fast nichts anderem mehr als nach einer Lösung für das Problem zu suchen. Angedacht war wegen der fehlenden Verbindung eine Extra-Lösung. Um pünktlich in Erndtebrück anzukommen, hätte der Feudinger Busunternehmer Eberhard Wied eine solche Fahrt organisiert. Die Kosten hätten aber die Schneiders tragen müssen. Die fragten bei der Realschule in Erndtebrück an und erhielten die Auskunft, die Schule sei für diesen Transport zur Schule nicht verpflichtet. Dennoch wolle man sich mit einer Kostenübernahme von 100 Euro oder 13 Cent pro Kilometer beteiligen. Die restlichen 200 Euro verblieben aber bei den Schneiders. Und Bad Laasphe? Da hieß es, so schildert Jessica Schneider, man sei für die Beförderung nicht zuständig, weil die Realschule im Zuständigkeitsbereich der Gemeinde Erndtebrück liege. Die Kommunen, so die Einschätzung von Jessica Schneider beim Pressegespräch, hätten sich den Ball der Verantwortung gegenseitig zugeworfen. „Erndtebrück hat doch von uns aus die nächstgelegene Realschule. Wir wollen doch nichts Besonderes, sondern nur unsere Tochter in eine Schule bringen“, erläutert Jessica Schneider. Schließlich habe man seinerzeit die Hauptschule in Feudingen geschlossen und die in Bad Laasphe werde aktuell abgerissen.

Wie dem auch sei: Die Lösung fürs Problem präsentierte am Montagmorgen der SZ-Redakteur. Denn bei genauer Recherche in der ZWS-Fahrplanauskunft im Internet gibt es sehr wohl eine frühe Busverbindung. Die erscheint zwar durchaus ungewöhnlich, ist aber für Lena eine Alternative. Um 5.47 fährt sie mit dem Bus der SB 5 unten an der Großenbacher Straße bis nach Walpersdorf. Hier steigt sie aus, wechselt die Straßenseite und steigt in die Taxibus-Linie L 200. Die bringt sie bis zum Sammelpunkt „Wendeplatz Benfe“ und von dort gemeinsam mit anderen Kindern weiter zum Bahnhof in Erndtebrück. Um 6.51 Uhr würde Lena den Bahnhof erreichen, bis zum Schulstart um 7.15 Uhr würde sie den restlichen Fußweg dicke schaffen. So einen Umweg – erst früh morgens Richtung Siegerland, um dann aus anderer Richtung nach Benfe mitgenommen zu werden: Das muss erst mal einer wissen. Die Schneiders jedenfalls hätten schon keine Möglichkeit der Recherche gehabt, weil Großenbach internet-technisch so gut wie tot ist. „Ein Strich ’E’, wenn man Glück hat“, weiß Matthias Schneider. Beim Handy müsse man lange warten, bis eine Nachricht endlich empfangen werde. Am Montag gab es eine weitere Unterstützung, denn nach einem kurzen Telefonat mit Jessica Schneider sagte Otto Wunderlich als Vorsitzender des Arbeitskreises Schienenverkehr zu, sich um eine Zusatzlösung kümmern zu wollen. „Das bespreche ich mit Dieter Wern persönlich“, erklärte Otto Wunderlich gegenüber der Siegener Zeitung. „Nämlich, dass der Taxibus L 200 eben die kleine Schleife bis zum Großenbach fährt und das Kind mitnimmt.“ Das seien zwei Kilometer mehr, das müsse doch möglich sein. Auch die Gemeinde Erndtebrück habe signalisiert, dem ZWS die „Schleife“ ans Herz legen zu wollen. Fakt ist nun auch, dass die Schneiders, wenn sie die gängigen Buslinien nutzen, Anspruch auf das Schülerticket des Kreises Siegen-Wittgenstein haben. Dann wird Lena kostenlos nach Erndtebrück befördert, eine Sonderregelung ist also nicht mehr nötig.

Jessica Schneider zeigte sich am Montag heilfroh über die plötzlich positive Wendung. Dennoch: „Wir sind die einzige Familie in Großenbach, die kleine Kinder hat. Wenn ich mir die Zustände ansehe, ist die Zukunft von Großenbach fast schon besiegelt, was augenscheinlich gewollt zu sein scheint.“ Beispiele führt die zweifache Mutter auch auf: „Keine vernünftige Internetverbindung, schlechte Busanbindung, es darf nicht gebaut werden und Instandsetzungsarbeiten im Dorf, die in den Zuständigkeitsbereich der Stadt fallen, werden immer wieder nach hinten geschoben.“

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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