Heiligenborn
Wildnis-Entwicklungsgebiet soll renaturiert werden

Mitten durch das über 300 Hektar große Wildnis-Entwicklungsgebiet der Dieter-Mennekes-Umweltstiftung bei Heiligenborn fließt der Ilsebach.
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  • Mitten durch das über 300 Hektar große Wildnis-Entwicklungsgebiet der Dieter-Mennekes-Umweltstiftung bei Heiligenborn fließt der Ilsebach.
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ako Heiligenborn. „Das ist eine große Herausforderung und verdammt viel Arbeit, aber alle gehen mit Herzblut dran und freuen sich auf diese Aufgabe“, sagt Peter Schauerte. Der Diplom-Biologe ist der hauptamtliche Geschäftsführer der Dieter-Mennekes-Umweltstiftung (DiMUS), die sich um die Wildnis Heiligenborn kümmert und damit den im Jahr 2014 geschlossenen Vertrag zwischen dem Land NRW und Stiftungsgründer Dieter Mennekes erfüllt.

Die Quelle der Ilse bei Heiligenborn gehörte im Mittelalter zu den bekanntesten Heilquellen Mitteleuropas. Sie liegt am Rande eines großen Waldgebiets im Rothaargebirge, das im Jahr 1999 in den Besitz von Dieter Mennekes überging. Der Unternehmer und Naturschützer aus Kirchhundem deklarierte als erster deutscher Privatwaldbesitzer seine über 300 Hektar große Fläche im Wittgensteiner Land zur Wildnis im Sinne des Naturschutzes. Die vertragliche Vereinbarung zwischen dem Land NRW und dem Stifter wurde am 30. Juni 2014 unterzeichnet.

Dieter-Mennekes-Stiftung übernimmt Gebiet in Heiligenborn

Das hauptsächliche Ziel war die Renaturierung des Areals – vereinfacht gesagt: Der Wald entlang der Ilse und des Schwarzen Langenbachs wurde sich selbst überlassen und sollte sich langfristig und unberührt von Menschenhand zu einem Urwald von morgen entwickeln. Der Naturfreund Dieter Mennekes ist im April vergangenen Jahres verstorben; das Projekt wird trotzdem weitergeführt, denn das Gebiet ist in die Dieter-Mennekes-Umweltstiftung übergegangen.
Im Gespräch mit der Siegener Zeitung erklärt Peter Schauerte, dass sich die Stiftung gegenwärtig noch mitten in der Startphase befinde und daher auch ganz am „Anfang der Bemühungen“ stehe. Schließlich handelt es sich bei dem Gebiet um eine exakt 338 Hektar große Fläche, das entspricht fast 500 Fußballfeldern.

Diplom-Biologe Peter Schauerte, hauptamtlicher Geschäftsführer der Dieter-Mennekes-Umweltstiftung, zeigt an diesem Baum die Verbissspuren des Schalenwildes.
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Im Mai wurde ein erster Gemeinschaftsansitz auf Rot- und Rehwild durchgeführt: „Eine Populationsreduzierung, um die Naturverjüngung zu ermöglichen. Quasi als Startschuss für die Waldentwicklung“, sagt Peter Schauerte. Weil in dem Gebiet eine „extrem hohe Dichte“ des wiederkäuenden Schalenwilds (Rot- und Rehwild) bestehe, sei Naturverjüngung nämlich aktuell kaum möglich: „Die in 2007 durch Kyrill entstandenen Kahlflächen sind weitgehend immer noch ohne Baumbewuchs. Allerdings zeigen Weisergatter, dass sich ohne den Schalenwildeinfluss bereits ein junger Wald von alleine gebildet hätte“, erklärt der Diplom-Biologe.

Angestrebte Waldentwicklung im Moment nicht möglich

Die einzigen Baumarten, die es an gewissen Stellen geschafft haben, dem Äsungsdruck des Rotwilds „zu entwachsen“, sind Buchen und Fichten. Alle anderen Baumarten, die natürlicherweise auch vorkommen würden wie z. B. Birken, Bergahorn, Hainbuchen oder Erlen, werden dem Diplom-Biologen zufolge bevorzugt verbissen. Daraus resultiere die sogenannte „Entmischung“. Die angestrebte Waldentwicklung ist „im Moment“ nicht möglich. Ein Wildmanagement-Konzept sieht daher die Reduzierung des wiederkäuenden Schalenwildes vor: „Dieses versuchen wir nun umzusetzen“, betont Peter Schauerte.

Frank Christian Heute hatte dieses Wildmanagement-Konzept gemeinsam mit Dieter Mennekes erarbeitet. Der Wildökologe hat auch an einigen Stellen in der Wildnis Heiligenborn ein Verbissgutachten erstellt, um festzuhalten, wie sich der aktuelle Reh- und Rotwildbestand auf die Pflanzen auswirkt. „Es handelt sich hier auch nicht, wie viele irrtümlich behauptet haben, um eine Naturwaldzelle, sondern um ein Wildnis-Entwicklungsgebiet“, klärt Frank Christian Heute auf.
Das langfristige Ziel sei es, in dem Wald eine Biodiversität zu schaffen. „Bald steht hier ein Wald, in den man nicht mehr eingreifen muss“, betont Peter Schauerte. Ob sich seit der Unterzeichnung des Vertrags im Jahr 2014 bereits neue Tierarten angesiedelt haben, sei – soweit er das im Moment beurteilen kann – wissenschaftlich nicht bewiesen. Nennenswerte Tierarten, die in der Wildnis vorkommen, sind Wildkatze, Schwarzstorch und Baummarder.

Mitten durch das über 300 Hektar große Wildnis-Entwicklungsgebiet der Dieter-Mennekes-Umweltstiftung bei Heiligenborn fließt der Ilsebach.
Diplom-Biologe Peter Schauerte, hauptamtlicher Geschäftsführer der Dieter-Mennekes-Umweltstiftung, zeigt an diesem Baum die Verbissspuren des Schalenwildes.
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Alexander Kollek

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