Familie Pätzke sucht neues Zuhause
„Wir wissen nicht, wohin“

Maurice mit Mutter Iris Pätzke und Vater Harald Pätzke auf seinem Lieblingsplatz: dem Balkon. Den hatte Harald Pätzke noch selbst gebaut, jetzt muss die Familie aus dem Mietshaus ausziehen.
  • Maurice mit Mutter Iris Pätzke und Vater Harald Pätzke auf seinem Lieblingsplatz: dem Balkon. Den hatte Harald Pätzke noch selbst gebaut, jetzt muss die Familie aus dem Mietshaus ausziehen.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Sarah Benscheidt (Volontärin)

sabe Feudingen. Stark ist, wer hinfällt und wieder aufsteht. Manchmal, wie bei Iris Pätzke und ihrer Familie, wiederholt sich das Hinfallen – und was viel wichtiger ist: Das Aufstehen.

Diagnose "überfürsorgliche Mutter" hat schlimme Folgeschäden

Iris Pätzke und Ehemann Harald Pätzke wohnen in Feudingen. Sie haben vier Kinder. Chantal (20), Pascal (19), Anna-Lena (17) und Maurice (14). Maurice ist mit acht Monaten an einer Meningokkokensepsis erkrankt. Hinter dem Fachbegriff steckt eine mit schweren Komplikationen verlaufene Hirnhautentzündung (Meningitis). „Eine Viruserkrankung“, erklärt Mutter Iris Pätzke. Sie erinnert sich an den Tag, als sie bei Maurice Fieber bemerkte: „Eine Mutter weiß, wenn es ihren Kindern nicht gut geht, wenn irgendetwas nicht stimmt.“ Der behandelnde Arzt damals schickte sie weg. Es sei nichts weiter. Iris Pätzke wurde mit der Diagnose „überfürsorgliche Mutter“ entlassen. Eine Fehleinschätzung mit fatalen Folgen. „Maurice hat in der Kinderklinik mit dem Leben gekämpft. Er hat sich so durchgekämpft“, sagt Iris Pätzke. Aber, es bleiben starke Folgeschäden, körperliche und geistige. „Maurice ist schwerstbehindert.“

"Er ist ein Sonnenkind"

Die Ärzte hätten seine Lebenserwartung dann auf zwei Jahre geschätzt. Mittlerweile ist er 14. Er habe immer noch viele Operationen, sagt seine Mutter. „Durch die Krankheit verkürzen sich die Knochen.“ Eine weitere Symptomatik: „Er ist blind und kann nur noch zwischen hell und dunkel unterscheiden.“ Auch die Sprachfähigkeit hat die Krankheit Maurice fast vollständig genommen. „Er lautiert. Wenn es es ihm schlecht geht, schreit er, wenn es ihm gut geht, dann lacht er“. So funktioniere die Kommunikation, erklärt Iris Pätzke. „Er lacht oft“, fügt sie noch hinzu. Oft, wenn er auf dem Balkon in der Sonne sitze. „Das liebt er, er ist ein richtiges Sonnenkind und ein Strahlemann. Wenn sein Papa mit ihm redet, das sollten sie mal sehen.“ Sie hält ein Foto hin: Maurice im Wohnzimmer mit einer Geburtstagstorte auf dem Schoß oder Maurice mit Labradorhündin „Lady“ – „sie ist sein ein und alles, Lady merkt sofort, wenn etwas mit ihm ist.“ Kurzum: Maurice habe sich sehr wohl gefühlt in dem Haus, seinem Zuhause.

Familie Pätzke muss raus aus dem Haus

Iris Pätzke schwingt beim Erzählen in die Vergangenheitsform um, die Augen mattieren, sie sind mit Sorgen belegt. Sorgen um Maurice, Sorgen um das Wohl der ganzen Familie. Am 2. Januar kam die Hiobsbotschaft: Die Familie Pätzke muss aus dem Miethaus in Feudingen raus, die Vermieter wollen verkaufen. „Wir hatten ein riesen Grundstück. Mein Mann hat den Balkon gebaut, wir hatten uns alles richtig schön gemacht.“ Seit den Wintermonaten sucht die Familie nun mit Hochdruck nach einer neuen Bleibe, gefunden hat sie bisher nichts. Fünf Zimmer benötigen die Pätzkes, 100 bis 150 Quadratmeter, Kaltmiete 800 bis 850 Euro – die zahlt die „ARGE“, also die Arbeitsgemeinschaft, direkt auf das Konto des Vermieters. „Wir brauchen Platz für die Kinder (Maurice, Pascal und Anna-Lena wohnen zusammen mit ihren Eltern) und auch Platz für meinen Mann“, sagt Iris Pätzke. Sie denkt an die Zukunft, in der Harald Pätzke vielleicht ein Pflegebett braucht. „Er hat COPD, eine Lungenerkrankung und ist Frührentner.“ Die Kinder bräuchten natürlich auch ihre Privatsphäre, also Einzelzimmer. Klar – neben der Krankheit von Maurice und Vater Harald gibt es auch noch das „ganz normale Familienleben.“

Wohnung im Umkreis gesucht

Pascal macht eine Ausbildung zum Altenpfleger, Anna-Lena ihren Realschulabschluss. Auch deshalb suche man jetzt ein neues Heim, am liebsten im nahen Umkreis. Soll heißen: Altkreis Wittgenstein, „maximal noch bis nach Hilchenbach, bis dahin fährt Mobi-Care“, Maurice’ Pfegedienst, der einzige im Umkreis, der noch Kinderpflege macht.“ Wallau, Breidenbach, Biedenkopf - anliegendes Grenzgebiet wäre im Notfall auch eine Option, allerdings, so erklärt Iris Pätzke, gebe es hier wieder andere bürokratische Hürden, andere – für Maurice schlechtere – Verordnungen.

Verzweifelte Suche hinterlässt Spuren

Die Familie weicht also schon aus, geht Kompromisse ein, macht sich flexibel. Auch in Sachen Barrierefreiheit. „Wenn ein paar Stufen da sind, dann kümmern wir uns um Lösungen.“ Auch wenn das Bad der potentiellen Wohnung noch nicht behindertengerecht sei, so stelle die Krankenkasse 4000 Euro für Umbaumaßnahmen zur Verfügung. „Wir klappern tagtäglich jede Anzeige, von denen es nicht viele gibt, ab, versuchen jedwede Möglichkeit.“ Aber: Trotz allen Mühen, bisher keine Lösung. „Wir wissen nicht, wohin.“ Und das hinterlässt Spuren: „Meine Tochter bekommt mittlerweile Panikattacken, diese Ungewissheit nagt an uns allen.“ Maurice sei durch die potentiellen Bewerber um das zu verkaufende Haus, „völlig rappelig“. Die meldeten sich natürlich für Besichtigungstermine an. „Das ist ja für ihn, uns alle, auch immer ein Eingriff in die Privatsphäre und er versteht nicht, was los ist.“ Mittlerweile, so schließt Iris Pätzke, wünsche sie sich einfach nur, zur Ruhe kommen zu können, „etwas, wo wir sagen können: Hier sind wir zuhause.“ Die Nerven, das sagt die Feudingerin offen, sie lägen blank, bei der ganzen Familie. Dieser Schritt, nun über die breite Öffentlichkeit zu gehen, sei ihr nicht leicht gefallen, aber, so schließt sie mit einem leichten Anflug eines umso stärkeren Lächelns, denke sie dabei an die Kinder, die Familie, ans Aufstehen.

Hinweis: Bei Informationen über Mietobjekte oder auch dem Interesse an einem Mietverhältnis bei vorhandenen Rahmenbedingungen freuen sich die Pätzkes über jede hilfreiche Rückmeldung unter Tel. (0170) 8 06 09 34 oder per E-Mail unter harry.paetzke@gmx.de.

Autor:

Sarah Benscheidt (Volontärin) aus Bad Berleburg

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