Standort in Banfe wird aufgegeben
WKW-Schließung: Linke vermisst Solidarität

Der WKW-Standort in Banfe schließt seine Pforten zum 31. März 2021 – das Banfetal verliert damit 220 Arbeitsplätze.  Foto: Holger Weber
  • Der WKW-Standort in Banfe schließt seine Pforten zum 31. März 2021 – das Banfetal verliert damit 220 Arbeitsplätze. Foto: Holger Weber
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sz Banfe. Der Wuppertaler Automobilzulieferer Walter Klein GmbH & Co. KG (WKW) schließt seinen Banfer Standort zum 31. März 2021 (die Siegener Zeitung berichtete) – und der Ortsverband Wittgenstein der Partei Die Linke bezieht deutlich Position: „220 lohnabhängige Menschen in Wittgenstein, vor allem in Banfe, verlieren zum 31. März 2021 ihren Arbeitsplatz. Menschen, die ihre Arbeit verlieren, verlieren jedoch mehr als nur ihre Arbeit. Sie verlieren auch mehr als ihr Einkommen. Weil alles ans Geld gebunden ist, verlieren sie darüber hinaus ihre soziale Teilhabe, sodann ihre soziale Identität und – wenn es weiter schlecht läuft – durch das Abrutschen ins herrschende Hartz-IV-System ihre menschliche Würde“, argumentiert die Partei.

Wenn der Wert eines Menschen sich allein nach dem Wert seiner Arbeitskraft bemesse, dann verliere dieser Mensch seinen Wert mit der Entwertung seiner Arbeitskraft. Das Kapital spreche dann von „Freisetzung“ und meine damit, dass diese Menschen nun ihre Ware „Arbeitskraft“ auf dem „Arbeitsmarkt“ in freier Konkurrenz gegen andere Anbieter von Arbeit dem nächsten Käufer von Arbeit verkaufen könnten. Und weiter: „Für mehr oder für weniger Geld. Oder gar nicht. So einfach ist das im Kapitalismus. Und so zynisch.“ Und dann heiße es in der Zeitung: „Mitarbeiter auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen“.

Darüber die dicke Überschrift „Umbruch in der Autoindustrie fordert erste Opfer“. „Wer sind die Täter?“, fragt der Ortsverbands-Vorsitzende Thorsten Fischer. Die Mächtigen wüssten, dass die vollkommen abstrakten Entscheidungsprozesse kapitalistischer Logik letztlich von niemandem nachvollziehbar und persönlich zu verantworten seien. Gleichwohl schlügen sie mit anonymer Gewalt wie der Blitz eines Gewitters in die Menschen und ihre sozialen Beziehungen ein, wo sie Angst und Zorn erzeugten. Und damit sich weder deren Angst noch ihr Zorn nach außen wendeten und Früchte in Form konkreter Handlungen trügen, die für die Mächtigen gefährlich sein könnten, müssten sie unter Kontrolle gebracht werden.

Die Linke: „Deshalb gibt man ihnen eine Richtung, die die Mächtigen nicht bedroht. Und so sagen die Mächtigen heute: Das ist eine ganz schwierige Entscheidung gewesen, die die Geschäftsführung zu überbringen hatte. Aber sie war leider alternativlos. Wir haben keine andere Chance, als unser Unternehmen gesund zu schrumpfen.“ Die schlechte Botschaft übermittelten sie allerdings nicht selber, sondern ließen sie durch ihren „Sprecher der Geschäftsleitung“ verlauten. Oder sie bezahlten ein „Consulting-Unternehmen“ dafür, das so tue, als hätte es die Verantwortung für die unangenehme Entscheidung, so wie es zum Beispiel in dem Film „Toni Erdmann“ wunderbar dargestellt werde. Besonders günstig sei es für sie allerdings, wenn sie sogar überhaupt nichts für die Ablenkung des Zorns bezahlen müssten und die Schließung eines Werks für Auto-Zierleisten der „Umstellung der Leitindustrie Deutschlands von Verbrennungsmotoren auf Elektroantrieb“ in die Schuhe schieben könnten, wie es die IHK Siegen so elegant getan habe.

Und diese sei nun gespannt auf eine „gesellschaftspolitische Diskussion“ darüber, die „unausweichlich“ sei. Die Linke in Wittgenstein hält das allerdings für den Versuch, den eigentlichen Fragen auszuweichen und der potentiellen Empörung eine ihr genehme Richtung zu geben. Die eigentlichen Fragen seien nämlich:

„Wie kommen die Betroffenen in einen Dialog miteinander, um ihren Zorn, ihre Angst und Empörung zur Sprache zu bringen, um ihre gemeinsamen Interessen zu erkennen und zu verteidigen? Wie können wir als nicht direkt Betroffene mit ihnen ins Gespräch kommen und solidarisch mit ihnen sein? Wie können wir gemeinsam Stück für Stück die abstrakten und anonymen kapitalistischen Prozesse transparent machen und unter demokratische Kontrolle bringen? Und wie können wir das politisch umsetzen, ohne uns selbst dem an zu ähneln, was wir verändern wollen?“

Auf diese gesellschaftspolitische Diskussion, nicht nur mit der IHK, sei die Linke gespannt. Die Mitglieder des Ortsverbands Wittgenstein stünden den Betroffenen für Gespräche jeder Zeit gerne zur Verfügung. Ansprechpartner sei der Vorsitzende Thorsten Fischer unter Tel.: (01 76) 74 78 74 15 oder auch per E-Mail: th.fischer.dipling@web.de.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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