Bad Laaspher lässt sich Putz patentieren
Zerkleinerte Federn an der Schlafzimmerwand

Das Gefieder, das in der Daunen- und Bettfedernfabrik übrig bleibt, wird zerkleinert und zusammen mit Lehm und Kalk zu einem Putz verarbeitet. Die Idee hatte Dr. Paul-Friedrich Metz.
  • Das Gefieder, das in der Daunen- und Bettfedernfabrik übrig bleibt, wird zerkleinert und zusammen mit Lehm und Kalk zu einem Putz verarbeitet. Die Idee hatte Dr. Paul-Friedrich Metz.
  • Foto: Sarah Panthel
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sp Bad Laasphe. Auf der Suche nach einer ökologischen und ökonomischen Lösung war Dr. Paul-Friedrich Metz für Federnreste, die bei der Produktion in seiner Bad Laaspher Daunen- und Bettfedernfabrik abfallen. Das ist immerhin ein Drittel des Gefieders von Enten und Gänsen. Der Geschäftsführer von Treude & Metz in Bad Laasphe überlegte, forschte, experimentierte. Jahrelang. Im Herbst 2018 stellte er das Ergebnis seiner Arbeit vor: einen Kalk-Lehm-Federnputz. Der Lahnstädter betont, dass er ausschließlich die Daunen und Federn toter Tiere nutze, deren Fleisch gegessen werde.

Trockenputz ist ökologischer

Vor drei Jahren wurde der Putz erstmals in der Öffentlichkeit aufgetragen. Gänzlich ausgereift war er aber noch nicht. „Wir wollen das Produkt weiterentwickeln“, erklärte Dr. Metz vor etwa zweieinhalb Jahren. Ursprünglich sei der Putz als Nassputz gedacht gewesen. Aber um ihn einfacher handhaben zu können, entschied sich Dr. Metz für einen Trockenputz. Das sei zudem ökologischer, weil er in Papiertüten gepackt werden könne. Außerdem wurde der zuvor gröbere Kalk-Lehm-Federn-Putz feiner. Der Fein- und Unterputz wird für Innenräume angewendet. Die Firma Roth Edelputze in Brilon stellt ihn her. Die fein zerkleinerten Federn werden dorthin gefahren und mit den anderen Zutaten vermischt.

Idee und Materialien patentiert

Geführt wird der Kalk-Lehm-Federn-Putz mit dem Titel „Anserit“, angelehnt an den wissenschaftlichen Namen der Graugans Anser anser. Der Putz sei vielleicht etwas teurer als üblich, aber es seien auch mehr Arbeitsschritte in der Vorbereitung nötig, und es werde ausschließlich das Gefieder von Wasservögeln genutzt, erklärt Dr. Metz. Er ließ sich die Idee und die Dämm- sowie Baumaterialien, die mit Keratin, also mit Federnresten, hergestellt werden, bereits 2006 patentieren.

Anderes Raumklima dank Kalk-Lehm-Federnputz

Ein paar Expertisen von Kunden liegen dem Firmenchef inzwischen vor. Eine Familie berichtete davon, dass ihr Schlafzimmer mit Vinyl-Tapete ausgestattet gewesen sei und sich in dem Raum Ausdünstungen gestaut hätten; die Fenster seien beschlagen gewesen. Mit dem Anserit-Putz „sieht jetzt alles ganz anders aus“, schreiben die Kunden in einer Mail. Es gebe ein ganz anderes Raumklima, das sich auch in der Gesundheit widerspiegele: Der Kunde habe keine Atemwegsprobleme mehr.
Zu den Anfängen der Idee erklärt Dr. Metz: „Erst habe ich meine Versuche gemacht, in dem ich alles klein gehäckselt habe.“ Er tüftelte aus, wie er diese fein zerkleinerte Masse weiterverarbeiten könnte. Nach verschiedenen Überlegungen, sie als Dünger zu verwenden, mischte er sie mit Kalk, um einen Putz herzustellen. „Es war ein Strukturputz, würde man heute sagen“, denn noch waren die Federnreste etwas gröber.

Eigenschaften der Federn nutzen

Die guten Eigenschaften der Federn wollte er auf das Material übertragen: Wärmedämmung, Feuchtigkeitsregulation und Leichtigkeit. Dr. Metz sieht einen Vorteil für die Gesundheit, wenn Wände von Innenräumen nicht mit synthetischen Materialien verkleidet werden. Denn das begünstige Schimmelbildung und damit Allergien und Asthma. Außerdem besteht der Putz ausschließlich aus natürlichen Materialien und kann recycelt werden. Eine weitere positive Eigenschaft ist, dass er nicht brennbar ist.
Zu Ende gedacht hat Dr. Metz übrigens noch lange nicht. Er möchte, dass der Putz auch im Außenbereich eingesetzt werden kann. Das wird seit November des vergangenen Jahres getestet. Verwitterungserscheinungen habe er bislang keine gezeigt. Die Chancen für weitere Entwicklungen stehen also gut.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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