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Kreative Aktion am Gründungstag
VfB Banfe feiert 100. Geburtstag

Der Vorsitzende André Becker (2. v. l.) nahm den historischen Ball von Marcus Poburski, Andreas Roth und Hartmut Bergen (v. l.) entgegen. Das lederne Spielgerät wandert ins Banfer Heimatmuseum.
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  • Der Vorsitzende André Becker (2. v. l.) nahm den historischen Ball von Marcus Poburski, Andreas Roth und Hartmut Bergen (v. l.) entgegen. Das lederne Spielgerät wandert ins Banfer Heimatmuseum.
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tika Banfe. Kurz hielt André Becker inne. Der Vorsitzende des VfB Banfe suchte nach den richtigen Worten. „Anfangs war ich wirklich traurig, inzwischen habe ich mich aber an die Situation gewöhnt – und bin erleichtert. Jetzt sind wir 100 Jahre alt“, konstatierte Becker. Das Strahlen kehrte zurück in sein Gesicht. Tatsächlich hatte der Vereinsboss allen Grund zur Freude, wenngleich der eigentlich für den Gründungstag am Donnerstag geplante große Festkommers anlässlich des Jubiläums ausfiel. „Wir machen das Beste daraus. Dass wir den Kommers nachholen, steht außer Frage“, erklärte Becker. Wenige Meter neben ihm hatten sich einige Menschen auf dem Innenhof des Heimatmuseums in Banfe versammelt – im Rahmen einer corona-gerechten Ersatzveranstaltung gab der Verein am 4.

tika Banfe. Kurz hielt André Becker inne. Der Vorsitzende des VfB Banfe suchte nach den richtigen Worten. „Anfangs war ich wirklich traurig, inzwischen habe ich mich aber an die Situation gewöhnt – und bin erleichtert. Jetzt sind wir 100 Jahre alt“, konstatierte Becker. Das Strahlen kehrte zurück in sein Gesicht. Tatsächlich hatte der Vereinsboss allen Grund zur Freude, wenngleich der eigentlich für den Gründungstag am Donnerstag geplante große Festkommers anlässlich des Jubiläums ausfiel. „Wir machen das Beste daraus. Dass wir den Kommers nachholen, steht außer Frage“, erklärte Becker. Wenige Meter neben ihm hatten sich einige Menschen auf dem Innenhof des Heimatmuseums in Banfe versammelt – im Rahmen einer corona-gerechten Ersatzveranstaltung gab der Verein am 4. Juni, exakt 100 Jahre nach seiner Gründung, den Startschuss für den Verkauf der aufwendig erarbeiteten und liebevoll gestalteten Vereinschronik. Und ein ganzes Dorfs erstrahlte regelrecht in schwarz und weiß.

Schon in den Tagen zuvor hatte sich der Nachwuchs des Vereins mit besonderen Aktionen im gesamten Dorf beteiligt, Choreographien fotografisch festgehalten oder aber mit Kreide das Vereinslogo in Übergröße auf Höfe und Straßen gemalt. Pünktlich zum Geburtstag gratulierten auch zahlreiche Nachbar-Fußballvereine, zumeist digital. „Das ist natürlich eine tolle Sache, darüber haben wir uns gefreut“, konstatierte Becker. Auf dem Platz sind die Vereine Rivalen, momentan ruht allerdings der Corona-bedingt Ball. Daher sind die Clubs aus Wittgenstein derzeit mehr als nur in der Sache vereint.

Apropos Ball: Eigentlich sollte der Festkommers am Abend mit einer kleinen Theateraufführung starten – und erzählen, wie der Fußball nach Banfe kam. Stattdessen stellten Hartmut Bergen und Marcus Poburski – medial begleitet von Andreas Roth, Björn Schäfer und Torben Lenz – die Geschichte in der Realität nach. Mit dem Fahrrad begaben sie sich – wie einst ihre Vorfahren – auf den 35 Kilometer langen Weg nach Herborn, um dort den „ersten“ Fußball überhaupt nach Banfe zu holen. „Bei uns im Dorf gab es damals wohl einen Schuster, der konnte aber keine Fußbälle herstellen. Daher sind zwei Personen – die Namen waren leider nicht zu recherchieren – damals nach Herborn gefahren“, verriet Becker, der die Geschichte für die Vereinschronik recherchiert hatte.

In der benachbarten hessischen Stadt gab es demnach ein Lederwarengeschäft, das die Herstellung des „runden Leders“ beherrschte. „Ab diesem Zeitpunkt konnte man in Banfe kicken“, berichtete Becker über die Vorgänge im Jahr 1919. Kaum ein Jahr später hoben dann einige Banfer den VfB Banfe aus der Taufe – und 100 Jahre später feiern die Mitglieder nun das große Jubiläum. Selbstredend war es nicht für alle möglich, die Radler am Donnerstag zu begleiten, daher hielt das mitgereiste Trio die Reise fotografisch und filmisch fest.

Auf dem Rückweg legte das Quintett übrigens einen kleinen Umweg ein und traf auf dem ehemaligen Sportplatz von Banfe – dort wo einige Windräder stehen – auf einige Altherren-Spieler. Ein kleines Duell mit dem historischen Ball stellten sie für die Kamera nach, um den Ball metaphorisch in die Höhe zu schießen – auf den gegenwärtigen Sportplatz auf der anderen Bergkuppe. Dort wiederum warteten einige Spieler der B-Kreisliga-Mannschaft für einen „Schaukick“, ehe der Ball ein letztes Mal für die Kamera in die Luft flog – und quasi am Heimatmuseum ankam. So jedenfalls soll es nach dem entsprechenden Schnitt später im Video zu sehen sein, das dann gewissermaßen das Theaterstück ersetzt. Ein historisches Schauspiel an einem historischen Tag, der zweifellos Erinnerungen, aber auch Emotionen weckte. Auf dem Innenhof des Heimatmuseums freuten sich die ersten Mitglieder über die druckfrische Vereinschronik. Das erste Exemplar überhaupt erhielt übrigens das Ehrenmitglied Wilhelm Schmidt, der mit 98 Jahren das älteste Mitglied des Vereins ist – und seit über sieben Jahrzehnten auch die schwarz-weißen Farben vertritt.

„Auf diese Weise haben wir trotz Corona und der ausgefallenen Veranstaltungen etwas von unserem Jubiläum“, erklärte Becker. Der Vorsitzende hatte für den Verkauf der Vereinschronik bewusst den Innenhof des Heimatmuseums in Banfe ausgewählt – eine historische Stätte, die zudem zentral im Dorf gelegen ist. Und dort sollte schließlich auch eine Sonderausstellung anlässlich des 100. Geburtstags des VfB Banfe stattfinden. Aufgeschoben ist aber auch in diesem Fall nicht aufgehoben. Die Ausstellung soll nun im kommenden Jahr stattfinden, da sie aufgrund der Coronaschutzverordnung derzeit nicht möglich ist. Wann derweil der Festkommers stattfindet, ist noch offen. Im Raum stehen zwei Daten: Freitag, 2. Oktober 2020, oder Freitag, 4. Juni 2021 – in letzterem Fall also auf den Tag genau am 101. Geburtstag.

„Wir werden abwarten, was im Oktober möglich ist und wie die Stimmungslage ist. Wir möchten ein fröhliches Fest feiern. Sonst holen wir das eben kommendes Jahr nach“, konstatierte der Vorsitzende. Den Startschuss für den Verkauf der Festschrift verstand der VfB Banfe daher letztlich als Stelldichein unter besonderen Bedingungen auf den noch ausstehenden Festkommers – das Geburtstagskind machte das Beste aus seinem Jubiläum. Grund zur Traurigkeit gab es jedenfalls nicht – die Stimmung in besonders kleiner Runde auf dem Innenhof war gelöst. Nicht alle Tage feiert ein Verein schließlich seinen 100. Geburstag.

Der Vorsitzende André Becker (2. v. l.) nahm den historischen Ball von Marcus Poburski, Andreas Roth und Hartmut Bergen (v. l.) entgegen. Das lederne Spielgerät wandert ins Banfer Heimatmuseum.
Im Rahmen des Jubiläums beteiligten sich auch die Banfer Kinder mit besonderen Aktionen – darunter war auch Dane Hoffmann.
Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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