Veranstaltungsprofi auf Konzeptsuche in Corona-Zeiten: Christoph Düber
Dilemma Hutsammlung

Christoph Düber versteht, dass Künstler und Bands auf die Bühne wollen. Aber die Praxis, „auf Hut“ zu spielen, sieht er angesichts der existenzbedrohenden Folgen der Corona-Pandemie gerade für Berufsmusiker äußerst skeptisch.
  • Christoph Düber versteht, dass Künstler und Bands auf die Bühne wollen. Aber die Praxis, „auf Hut“ zu spielen, sieht er angesichts der existenzbedrohenden Folgen der Corona-Pandemie gerade für Berufsmusiker äußerst skeptisch.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww Betzdorf/Herdorf. Die aktuelle Situation muss nun wirklich eine verflixt knifflige sein, wenn selbst ein Event-Profi wie Christoph Düber mit rund 30-jähriger Erfahrung im Veranstaltungsbereich eingestehen muss: „Ein richtiges Konzept habe ich auch noch nicht.“ Und das aus dem Mund eines Machers, der sein Handwerk aus dem Effeff beherrscht! Corona macht eben vielerorts ratlos, vor allem im Kulturbereich und besonders da, wo es sich um Publikumsveranstaltungen dreht – und um Gagen. Freilich wird mancher dagegenhalten, dass das Virus auch im Kunst- und Kultursektor eine Menge Energie und Kreativität freigesetzt hat. Neue Formen der Vermittlung wurden gefunden, vom Livestream-Theater über den Online-Museumsbesuch bis zum Autokonzert. Aber: Dauerhafte und vor allem existenzsichernde Maßnahmen sind das meistenteils eben doch nicht.

Der Hut ist nicht gut, meint Christoph Düber

Worum es Christoph Düber geht, erklärt er im Telefonat mit unserer Kulturredaktion. „Momentan gibt es überall Biergarten-Konzerte, wo dann der Hut rumgeht. Das halte ich nicht für gut“, sagt der Herdorfer. Düber, der im vergangenen Jahr beruflich kürzergetreten ist und zwei Drittel der Geschäftsbereiche seiner Firma Okay-Veranstaltungen abgegeben hat (er selbst betreut „nur noch“ die Event-Organisation in der Betzdorfer Stadthalle und in der Genusswerkstatt Haiger), hat bei dem coronabedingten Dilemma mehrere Perspektiven im Blick. Zum einen selbstverständlich die des Eventmanagers: Sein Nachfolger Patrick Lück, an den er seine Künstleragentur abgegeben hat, habe infolge der Pandemie keine Einnahmen mehr. Allerdings schaut Düber keineswegs nur durch die Veranstalterbrille, sondern sieht auch die andere Seite: „Wenn ein Künstler spielt, sollte er auch eine Gage bekommen.“

„Wie machen wir die Gagen nicht kaputt?“

Freilich könnte er sich als Veranstalter freuen (etwa in Bezug auf den Biergarten an der Betzdorfer Stadthalle, der gerade mit neuem Konzept erfolgreich wiedereröffnet worden ist) angesichts der Bewerbungen von Bands, die anbieten, „auf Hut zu spielen“. „Da könnte ich sagen: Ach, das ist ja schön!“, schließlich seien damit keine Kosten und kein Risiko verbunden. Aber, so das Mitglied des Stadthallenmanagements: „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Da würde ich meinem Nachfolger Patrick Lück in den Rücken fallen.“ Außerdem, und hier kommt die Künstlerseite zum Tragen: Er könne durchaus verstehen, wenn Hobbymusiker und -bands für den Hut-Erlös spielen, denn: „Die Nebenberufler juckt das nicht, die wollen auf die Bühne und können sich das leisten, ohne etwas zu verdienen.“ Das große Aber dabei: „Die Hauptberufler, die kämpfen ums Überleben.“ Insofern schade die Lösung mit den Hutsammlungen letztlich der Branche. Christoph Düber: „Klar, der Künstler will gesehen werden.“ Die Überlegung müsse aber sein: „Wie machen wir die Gagen nicht kaputt?“
Manches hat der Herdorfer angedacht, angepackt, manches von woanders gehört. So habe man für die Dinnershows in der Genusswerkstatt Haiger Deals mit den Künstlern „pro Karte“ ausgehandelt; auch die Caterer seien dabei im Boot – „eine Lösung für beide Seiten“, findet Düber. – Und von der heimischen Band Street Life, gebucht für einen Auftritt in Montabaur, hat er erfahren, dass es dort angesichts von Corona hieß: aus Livegig mit Fans mach Livestream – aber gegen Gage, wenn auch nicht die volle. „Das fand ich sehr gut.“

„Der Hut ist gar nicht vorbeigekommen“

Wie gesagt: „Ich hab auch noch nicht die richtige Lösung“, gibt Düber im Gespräch noch einmal zu. Aber er ist willens, eine zu finden. Und es ist ihm wichtig, auf das Problem aufmerksam zu machen. Dann erzählt er noch eine kleine Anekdote, und die sagt eigentlich alles: „Da kam jemand zu mir nach einem Konzert und sagte: ,Das war aber schön.’ Da hab ich gefragt: ,Was hast du denn in den Hut getan?‘ Dann sagte er: ,Der Hut ist gar nicht bei mir vorbeigekommen.‘“

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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