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Ein Besuch beim Künstler Erwin Rickert
Ein Haus voller Kunst

Erwin und Anne Rickert zeigen das Buch, das Rickert und Sohn Till erstellt haben.
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  • Erwin und Anne Rickert zeigen das Buch, das Rickert und Sohn Till erstellt haben.
  • Foto: Gaby Wertebach
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gum - In seinen Arbeiten macht der Künstler Natur zur Kunst, und Kunst zur Selbstverständlichkeit.
gum Betzdorf. Der Pavillon vor dem Haus des weit über die Region hinaus bekannten Betzdorfers Erwin Rickert lässt es schon erahnen: Hier wohnt ein Künstler. Das schmucke Gartenhaus beherbergt eine große Anzahl von Arbeiten, die Rickerts Handschrift tragen. Die vielen Wildpflanzen im Garten wiederum geben Zeugnis vom Naturliebhaber Rickert. Sie sind ein Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt und eine Hommage an die Natur.
Bei einem Rundgang durch das Haus lässt sich die Vielfältigkeit der Objekte, von Aquarellen, Tuschezeichnungen bis zu Assemblagen, erkennen: Der Rundgang ermöglicht es dem Betrachter, in eine ganz andere Welt abzutauchen, in einen künstlerischen Farbenrausch.

gum - In seinen Arbeiten macht der Künstler Natur zur Kunst, und Kunst zur Selbstverständlichkeit.
gum Betzdorf. Der Pavillon vor dem Haus des weit über die Region hinaus bekannten Betzdorfers Erwin Rickert lässt es schon erahnen: Hier wohnt ein Künstler. Das schmucke Gartenhaus beherbergt eine große Anzahl von Arbeiten, die Rickerts Handschrift tragen. Die vielen Wildpflanzen im Garten wiederum geben Zeugnis vom Naturliebhaber Rickert. Sie sind ein Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt und eine Hommage an die Natur.
Bei einem Rundgang durch das Haus lässt sich die Vielfältigkeit der Objekte, von Aquarellen, Tuschezeichnungen bis zu Assemblagen, erkennen: Der Rundgang ermöglicht es dem Betrachter, in eine ganz andere Welt abzutauchen, in einen künstlerischen Farbenrausch. Rickerts Reiseleidenschaft, die ihn u. a. nach Marokko, Frankreich, Spanien, China und auf die Galapagosinseln führte, findet ihren Niederschlag auch in seinen Bildern. Außerdem malt er nicht nur, sondern er fertigt Kunstobjekte aus Holz und verschiedensten Naturmaterialien, die teils in opulenten Rahmen präsentiert werden und die den Besucher zum Staunen bringen.

Faszination Federn

In Jahrzehnten gesammelte Federn verschiedener Vogelarten, fixiert auf Wellpappe, wirken ebenso dekorativ wie ungewöhnlich, ebenso die kleinen, blauen Eichelhäher-Federn im ovalen Goldrahmen. Überhaupt haben es die Federn dem Künstler angetan, sie finden sich überall in verschiedensten Kompositionen. Eine Vogelfeder und die Feder aus einem Wecker hat er eingefärbt und sorgfältig abgedruckt.
Holzstücke aus dem Arosa-Tal hängen neben Aquarellen, gemalt in den1960er- Jahren, den Anfangszeiten seiner künstlerischen Laufbahn. Gänge der Minierraupen auf den Blättern einer Erbse, die er aquarelliert hat, haben Ähnlichkeit mit den Spuren der Borkenkäfer im Holz, die Rickert durch das Nachzeichnen mit Tusche und dann auf Papier gebracht, zu einen Gemälde vereint, das chinesischen oder auch persischen Schriftzeichen ähnelt : „Es gibt so schöne Sachen, wenn sie zusammentreffen und wenn man sie sieht“, so der Künstler und macht gemeinsam mit Ehefrau Anne auf einen getrockneten Tomatenstern im Rahmen und einen vom Sonnenlicht gebleichten, aquarellierten Fichtenwurzelstock aufmerksam.
Anne und Erwin Rickert eint die Liebe zur Kunst: „Er könnte mit Leichtigkeit ein Schloss mit zwanzig Zimmern füllen“, meint sie lachend und erzählt, dass sogar ein großer Kellerraum als Lager herhalten muss. Der Baumpilz einer Birke hängt an der Wand und ist zur Naturplastik geworden.

Die Welt mit anderen Augen sehen

Wie ein Künstler die Welt mit anderen Augen sieht, das zeigt sich an einem kleinen Stück Rasen. Hängengeblieben im Gummistiefel und getrocknet, hat Rickert es kurzerhand auf ein Blatt geklebt, gerahmt und damit in ein Kunstobjekt verwandelt. Eine interessante Baumwucherung die in einem Ameisenhügel lag, ist durch die Ameisensäure konserviert worden und hat ebenfalls den Weg in die Weberstraße gefunden. Den Feuerstein, einen sogenannten Flint, gefunden in einer Tongrube in Norddeutschland, ziert eine versteinerte Muschel.
Rickerts Atelier ist sonnendurchflutet, gefüllt bis zur Decke mit Exponaten, die er oft von seinen Ausflügen mit nach Hause bringt, mit Hingabe erforscht und detailgetreu wiedergibt. Von der Decke schweben zwei Albatrosse aus Papier. Da überrascht als Gegenstück die Barbiepuppe in einer Coladose: „Ich hatte mal eine Kindergartengruppe hier. Die waren begeistert, für die war die Puppe das Highlight“.
Erwin Rickert genießt es, seine Kunst dem Betrachter zu zeigen, und demonstriert damit die Korrektheit des Diktums von Schriftsteller William S. Burroughs: „Die Funktion des Künstlers besteht darin, die Erfahrung eines überraschten Erkennens wachzurufen“, also den Betrachter auf etwas Unbewusstes aufmerksam zu machen. Genau das macht Rickert mit viel Begeisterung.
So auch beim Betrachten des Werkes eines chinesischen Künstlers in einem konfuzianischen Tempel in Siam. Die Figur besteht komplett aus Schriftzeichen und zeigt einen Gott der geistigen, bildenden Kunst, der in eine Kalksteinplatte hineingeschlagen und geschnitten wurde. Davon wurde anschließend ein Abdruck gemacht. In einer Hand hat er das Schreibelement, in der anderen Hand die Tusche. Auf dem Fuß balanciert er ein Schriftzeichen.

Ein Grashüpfer aus Gras

Ganz anders Rickerts Grashüpfer: Hergestellt aus getrocknetem Gras, wirkt der fast lebensecht und findet sich auf einem Aquarell wieder, dem Lieblingsbild des Künstlers, das im an Gemälden reich bestückten Wohnzimmer hängt. Ein soeben fertiggestelltes Aquarell zeigt den Blick in Rickerts Garten mit dem blauen Pavillon und einem imposanten gelben Ginkgo-Baum. Beschriftet mit einem Rilke-Gedicht ergibt sich eine wunderbare Komposition.
In jedem Jahr erstellt der Künstler mit seinem Freund Helmut Dohrmann eine Gemeinschaftsarbeit. In diesem Sommer hat er Farbradierungen einer Buche in der Holzbachschlucht am Westerwaldsteig anfertigst, deren vernarbte Rinde ihn faszinierte. Beim Zeichnen mit Zuckertusche auf Kupfer handelt es sich um ein kompliziertes, besonderes Verfahren, das er gemeinsam mit Dohrmann fertiggestellte.
Natürlich ist auch der 84-jährige Erwin Rickert betroffen von der Pandemie. Er hatte in diesem Jahr die Vorstellung eines Buch-Gemeinschaftsprojektes mit Sohn Till, der in Kopenhagen lebt und in einem Grafikstudio tätig ist, geplant. Das Buch (erhältlich bei Erwin Rickert, Weberstraße 17, Betzdorf, Tel.: (0 27 41) 2 47 44) „Naturgeschichte“ sollte im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Es beinhaltet Collagen, Montagen und Ausschnitte aus Radierungen und Skizzenbüchern, die für Rickert Tagebuchcharakter haben.

Autor:

Gaby Wertebach (Freie Mitarbeiterin) aus Betzdorf

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