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„Der Stalker“ treibt in Betzdorf sein Unwesen
Krimikomödie in Unterhosen

Wer hat hier mit wem wie genau zu tun? Das wird erst am Ende der Kriminalkomödie „Der Stalker (Blutroter Waschgang)“ klar, die am Dienstag in der Stadthalle Betzdorf zu sehen war. Das Ensemble vom Berliner Kriminaltheater an diesem Abend: Peter Dulke (l.), Kai-Peter Gläser, Teresa Scherhag und Susanne Meyer (r.).
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  • Wer hat hier mit wem wie genau zu tun? Das wird erst am Ende der Kriminalkomödie „Der Stalker (Blutroter Waschgang)“ klar, die am Dienstag in der Stadthalle Betzdorf zu sehen war. Das Ensemble vom Berliner Kriminaltheater an diesem Abend: Peter Dulke (l.), Kai-Peter Gläser, Teresa Scherhag und Susanne Meyer (r.).
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  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww Betzdorf. Dass Konrad, der vermeintlich nur eines Kaffees und eines Krachs mit seiner Freundin wegen zu nachtschlafender Zeit im Waschsalon auftaucht, wo gerade die Schauspielerin Klara ihre verdächtig blutrot beschmierte Wäsche reinigt – dass also dieser Konrad höchstselbst „Der Stalker“ ist, konnten die Betzdorfer Theatergänger recht schnell auf dem Zettel haben. Zu auffällig, wie der so bieder wirkende Mann mittleren Alters im beigefarbenen Mantel die „Liebesbeweise“ des anfangs noch nicht klar identifizierten Verfolgers im Gespräch mit dem Stalkingopfer verteidigt. Was aber haben die Sängerin Lisa, die nächtens in dem Gewerbebetrieb für schmutzige Wäsche zu proben pflegt, und der scheinbar sturzbetrunkene Max, der urplötzlich im Salon aufschlägt, mit der ganzen Sache zu tun?

aww Betzdorf. Dass Konrad, der vermeintlich nur eines Kaffees und eines Krachs mit seiner Freundin wegen zu nachtschlafender Zeit im Waschsalon auftaucht, wo gerade die Schauspielerin Klara ihre verdächtig blutrot beschmierte Wäsche reinigt – dass also dieser Konrad höchstselbst „Der Stalker“ ist, konnten die Betzdorfer Theatergänger recht schnell auf dem Zettel haben. Zu auffällig, wie der so bieder wirkende Mann mittleren Alters im beigefarbenen Mantel die „Liebesbeweise“ des anfangs noch nicht klar identifizierten Verfolgers im Gespräch mit dem Stalkingopfer verteidigt. Was aber haben die Sängerin Lisa, die nächtens in dem Gewerbebetrieb für schmutzige Wäsche zu proben pflegt, und der scheinbar sturzbetrunkene Max, der urplötzlich im Salon aufschlägt, mit der ganzen Sache zu tun? Es war – nach und nach – zu ahnen, dass mehr hinter der Anwesenheit der beiden steckt als Kollege Zufall, wissen konnten das die zahlreichen Besucher am Dienstagabend in der Stadthalle indes erst gegen Ende eines vergnüglichen Kriminalstücks, als der Stalker dank eines geschickt geschmiedeten Komplotts der drei anderen überführt war.

Amüsement und Ansätze zum Nachdenken

Auf Einladung der VHS-Theatergemeinde Betzdorf brachte das Berliner Kriminaltheater Heidi Ramlows Krimikomödie „Der Stalker“ (von dem Schauspielhaus selbst auch unter dem Titel „Blutroter Waschgang“ vermarktet) unter der Regie von Wolfgang Rumpf auf die Bühne und damit einen Abend lang einen unterhaltsamen Mix aus Humor und Spannung in die Stadthalle. Wiewohl der Aspekt des Amüsements im Vordergrund stand, bot das Stück am Rande durchaus Ansätze zum Nachdenken: über die krankhaften Züge des Stalkings, über Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit auf der einen, Kontrolle und Übergriffigkeit auf der anderen Seite, über Liebe, Besessenheit und falsch verstandene Liebe, Öffentlichkeit und Privatsphäre, andeutungsweise auch über Schuld und Auswirkungen von Sozialisation.

Lisa und Max – ein schrilles Duo

Im Setting des mit seinen knallroten Waschmaschinen recht trostlos wirkenden Salons gibt Susanne Meyer überzeugend die Schauspielerin Klara als ein, wie sich zeigt, durchaus wehrhaftes Opfer in angriffslustigem Altrosa und Rostrot. Kai-Peter Gläser verkörpert gekonnt ihren Gegenspieler Konrad, dessen anfängliche Überlegenheit Stück für Stück demontiert wird, bis er zuletzt in weißen Unterhosen mit Eingriff an einen Stuhl gefesselt dasitzt und ein Bild des Jammers abgibt. Teresa Scherhag als Lisa und Peter Dulke als Max sind die auffälligere, mithin mehr auf das Unterhaltende ausgerichtete Hälfte des Quartetts. Das gelingt den beiden vortrefflich, mit ihren Auftritten nimmt die Geschichte gewaltig Fahrt auf. Lisa ist eine überschminkte, schrille Person mit Netzstrumpfhose und Berliner Schnauze, die mit Liedern wie „Er gehört zu mir“ und „Big Spender“ punktuell Revue-Atmosphäre aufkommen lässt. Max wiederum ist ein köstlich gespielter „gespielter Betrunkener“, ebenfalls „unter“-behost, allerdings mit etwas hipperen Retroshorts, der mit verbalen Einwürfen zwischen Philosophie und Nonsens für Lacher sorgt – Dulke hat komödiantisches Talent und sichtlich Freude an seiner Rolle. Herzlicher, verdienter Applaus für den Hauptstadt-Vierer!

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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