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Kurt Großkurth: Der Sänger und Schauspieler starb vor 45 Jahren
Leben zwischen Hotel in Betzdorf und der Bühne

Die zwei Gesichter eines begabten Sängers und Schauspielers: Links sieht man Kurt Großkurth in voller Maske als Bühnenstar (1930er-Jahre), rechts Anfang 1920er-Jahre als Hotelfachmann.
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  • Die zwei Gesichter eines begabten Sängers und Schauspielers: Links sieht man Kurt Großkurth in voller Maske als Bühnenstar (1930er-Jahre), rechts Anfang 1920er-Jahre als Hotelfachmann.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

gum Betzdorf. Im Mai vor 45 Jahren verstarb der Sänger und Schauspieler Kurt Großkurth, der seine Jugend in Betzdorf verbrachte und bis heute in der Erinnerung vieler Betzdorfer präsent ist. Auf Nachfrage der Siegener Zeitung bei verschiedenen Menschen, ob man sich an ihn erinnere, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Klar, das war doch der vom Hotel ,Deutsches Haus‘!“ Also verbindet man mit ihm nicht nur seine Bühnenlaufbahn, sondern auch seinePräsenz in der Stadt! Wenn Großkurths Tochter Ute Vogel aus dem bewegten Leben ihres Vaters erzählt, dann kommen Erinnerungen hoch an Klassiker wie „Die Maske in Blau“ oder „Gruß und Kuss vom Tegernsee“, Beispiele für die vielen Operetten und Filme, in denen der Künstler mitgewirkt hat.

gum Betzdorf. Im Mai vor 45 Jahren verstarb der Sänger und Schauspieler Kurt Großkurth, der seine Jugend in Betzdorf verbrachte und bis heute in der Erinnerung vieler Betzdorfer präsent ist. Auf Nachfrage der Siegener Zeitung bei verschiedenen Menschen, ob man sich an ihn erinnere, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Klar, das war doch der vom Hotel ,Deutsches Haus‘!“ Also verbindet man mit ihm nicht nur seine Bühnenlaufbahn, sondern auch seinePräsenz in der Stadt! Wenn Großkurths Tochter Ute Vogel aus dem bewegten Leben ihres Vaters erzählt, dann kommen Erinnerungen hoch an Klassiker wie „Die Maske in Blau“ oder „Gruß und Kuss vom Tegernsee“, Beispiele für die vielen Operetten und Filme, in denen der Künstler mitgewirkt hat.

Vater war Dirigent des MGV Flügelrad

Großkurths Vater Karl war Hotelier. Er zog 1908 mit Frau und Sohn aus Langenselbold bei Hanau nach Betzdorf. Dort war er kurzzeitig bei der Siegbank tätig, bevor er zuerst das Hotel „Siegerland“ und dann das Hotel „Deutsches Haus“ übernahm. Die Musikalität wurde Sohn Kurt in die Wiege gelegt. Vater Karl war nicht nur im Hotelfach tätig, sondern der erste Dirigent des 1909 gegründeten Betzdorfer Männergesangvereins Flügelrad. Weitere Chöre, unter anderem aus dem Siegerland, standen ebenfalls unter seiner Leitung. Außerdem dichtete und komponierte er.

Nach Hotelfachausbildung "streikten die Gene"

Seinen Sohn, der unter anderem der Leichtathletik und dem Boxsport frönte und sogar Jugendmeister im Weltergewicht war, wollte er allerdings unbedingt in einem „seriösen Beruf“ sehen. In den 1920er-Jahren schickte er ihn zur Hotelfachausbildung nach Essen, Heidelberg und London, die der junge Mann mit Bravour absolvierte. Zweieinhalb Jahre war er tätig im Hotel „Drei Mohren“ in Augsburg. Dann allerdings „streikten die Gene“, und der spätere Künstler entschied sich gegen das Hotelfach, übernahm allerdings vom Vater das Hotel „Deutsches Haus“, das seine erste Ehefrau führte. Er studierte an der Staatlichen Akademie der Tonkunst in München Schauspiel und Gesang, spielte erst in der Provinz, wurde dann „entdeckt“ und konnte an großen Schauspielhäusern seine Theaterleidenschaft ausleben.

Mitglied im Millowitsch-Ensemble

Es folgten Gastspiele als Tenor in Hamburg und Berlin. 1952 bis 1956 gehörte Großkurth zum Ensemble des Staatstheaters in München, wo er als Operettenkomiker große Auftritte hatte. Dass er die richtige Entscheidung mit seiner Berufswahl getroffen hatte, das sahen jetzt auch die Eltern ein. Schließlich wurde er durch seine Mitwirkung in Filmproduktionen einem Millionenpublikum bekannt. Er stand neben berühmten Kollegen der damaligen Zeit wie Heinz Erhardt, Eddi Arent, Beppo Brem oder Gunther Philipp auf der Bühne. Zeitweise war er Mitglied des Millowitsch-Ensembles. Der „sympathische, kleine, gemütliche Dicke“, wie ihn seine Freunde nannten, war äußerst beliebt bei seinem Publikum.

Letzte Fernsehrolle in "Zigeunerliebe" 1974

Auch im deutschen Fernsehen war er in Hauptrollen präsent, zum Beispiel in der Komödie „Der fröhliche Weinberg“ von Carl Zuckmayer. Weil seine Gesangsstimme nicht mehr kraftvoll genug war, so Tochter Ute, wechselte Kurt Großkurth den 50er-Jahren ganz zum Film. 1974 stand er zum letzten Mal vor der Kamera für die TV-Produktion „Zigeunerliebe“

Großonkel von Peter Orloff 

Wie weit verzeigt die Familie ist, das zeigte sich vor einigen Jahren bei einem Konzert in der Kreuzkirche in Betzdorf. Die Sängerlegende der Schwarzmeer-Kosaken, Peter Orloff, der aus einer russischen Adelsfamilie stammt und dessen Vater, Fürst Orloff, mit einer Dame aus der Großkurth-Linie verheiratet war, weilte als Kind oft in den Ferien zu Besuch im „Deutschen Haus“ in Betzdorf. In Erinnerung an diese Zeit widmete er dem verstorbenen Großonkel Kurt Großkurth das Lied „Vater unser“!

Tochter Ute lebt in Betzdorf

Zwei Wochen nach seinem 66. Geburtstag kam Kurt Großkurth bei einem Verkehrsunfall in Bad Aibling vor den Augen seiner zweiten Frau, der Sängerin Martel Zorn, ums Leben. Er hat seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Grünwald bei München. Großkurths Tochter Ute, die mit ihrem Ehemann Horst in Betzdorf lebt, hat viele Jahre das beliebte Hotel „Deutsches Haus“ weitergeführt, bis das traditionsreiche Gebäude im Dezember 1977 den Bauplänen der Stadt und damit der Abrissbirne weichen musste.

Die zwei Gesichter eines begabten Sängers und Schauspielers: Links sieht man Kurt Großkurth in voller Maske als Bühnenstar (1930er-Jahre), rechts Anfang 1920er-Jahre als Hotelfachmann.
„Gruß und Kuss vom Tegernsee“: Kurt Großkurth vermarktete sein Image gekonnt!
Autor:

Gaby Wertebach (Freie Mitarbeiterin) aus Betzdorf

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