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Urteil vor dem Amtsgericht Betzdorf
24-Jähriger schlägt und würgt Ex-Freundin

Die Verletzungen, einige durch entsprechende ärztliche Dokumentationen belegt, habe sich Aylin H. selbst zugefügt, sagte der Angeklagte vor Gericht.
  • Die Verletzungen, einige durch entsprechende ärztliche Dokumentationen belegt, habe sich Aylin H. selbst zugefügt, sagte der Angeklagte vor Gericht.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

nb Brachbach/Betzdorf. Es war der Tag der Deutschen Einheit 2019, als Aylin H. dachte, dass sie nun sterben wird. An diesem Tag hatte sie Robin M. in ihre Wohnung in Brachbach gelassen. Die beiden waren ein Paar gewesen, aber seit einigen Wochen getrennt. Die Beziehung, so die Schilderung von Aylin H., war geprägt von psychischer und physischer Gewalt: Immer wieder sei sie von Robin M. geschlagen, geschubst und auf das Übelste beleidigt worden.
An eben jenem Feiertag hatte der heute 24-Jährige ihr versichert, sich geändert zu haben, wollte für einen kurzen Moment mit in die Wohnung. Doch es folgte das, was in der Anklageschrift so vermerkt war: „drei Stunden Psychoterror“, Schläge, Würgen bis Aylin H. zu Boden ging und später wieder Schläge.

nb Brachbach/Betzdorf. Es war der Tag der Deutschen Einheit 2019, als Aylin H. dachte, dass sie nun sterben wird. An diesem Tag hatte sie Robin M. in ihre Wohnung in Brachbach gelassen. Die beiden waren ein Paar gewesen, aber seit einigen Wochen getrennt. Die Beziehung, so die Schilderung von Aylin H., war geprägt von psychischer und physischer Gewalt: Immer wieder sei sie von Robin M. geschlagen, geschubst und auf das Übelste beleidigt worden.
An eben jenem Feiertag hatte der heute 24-Jährige ihr versichert, sich geändert zu haben, wollte für einen kurzen Moment mit in die Wohnung. Doch es folgte das, was in der Anklageschrift so vermerkt war: „drei Stunden Psychoterror“, Schläge, Würgen bis Aylin H. zu Boden ging und später wieder Schläge. „Ich dachte, ich werde an diesem Tag sterben“, so Aylin H. (Namen von der Redaktion geändert).

"Ich habe sie nie geschlagen"

Ihr Ex-Freund musste sich nun vor dem Amtsgericht Betzdorf verantworten – die Anklage listete auf: mehrfache Körperverletzung, Sachbeschädigung sowie der 25-fache verbotene Erwerb von Cannabis.
Die regelmäßigen Drogeneinkäufe räumte Robin M. ein. Und ja, er habe eine Rigipswand und eine Tür mit den Fäusten eingehauen. Über seine ehemalige Freundin aber sagte der Mittzwanziger: „Ich habe sie nie geschlagen.“ Die Verletzungen, einige durch entsprechende ärztliche Dokumentationen belegt, habe sich Aylin H. selbst zugefügt. Sie habe sich selbst geschlagen, gekratzt und „sich büschelweise die Haare herausgerissen“.
Der Angeklagte, nach eigener Aussage inzwischen weg von den Drogen, wirkte gänzlich ruhig und unbeeindruckt, während die Hauptzeugin mehrfach in Tränen ausbrach und um Worte rang.
Es ging in der Verhandlung um drei Daten zwischen Mai und eben Anfang Oktober 2019. „Schubsen, boxen, alles“ sei dabei gewesen, so Aylin H. „Ich war total am Boden“, sagte sie über diese Zeit. Ihr Körper sei zeitweilig voller blauer Flecken gewesen, nach der Attacke im Oktober sei sie sogar ins Krankenhaus gegangen, ein Vorstellungsgespräch am nächsten Tag musste sie absagen. Robin M. habe sie nicht schlafen lassen, ihr das Handy weggenommen: „Meine Wohnung: ein Gefängnis.“

Verteidiger sieht Geldstrafe als ausreichend an

Mehrfach sprach sie auch davon, von ihrem damaligen Freund manipuliert worden zu sein. Als Verteidiger Marcel Arnal (Kirchen) hier nachhakte, sagte Aylin H., dass Robin M. ihr LSD eingeflößt habe, wodurch sie unter Halluzinationen gelitten habe. Auf jeden Fall, auch das kam zur Sprache, war die Polizei mehrfach wegen des Paares in Brachbach, und Drogen und Alkohol spielten des Öfteren eine Rolle.
„Da wird einiges Unschöne passiert sein, in der Beziehung“, meinte Rechtsanwalt Arnal. Aber: Den Aussagen der Zeugin konnte er nur wenig Glauben schenken. Widersprüche, Aussagen erst nach mehrfachem Nachhaken und der LSD-Vorwurf aus dem Nichts – das reiche nicht für eine Verurteilung.
Und was die Drogensache angehe, so habe sein Mandant dazu beigetragen, dass ein anderer Täter dingfest gemacht worden sei. Eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro sah er deshalb als ausreichend an.
Von einem anderen Kaliber war die Forderung von Staatsanwältin Heidrich: eineinhalb Jahre auf Bewährung, dazu eine Geldauflage von 500 Euro. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie die Unwahrheit gesagt hat“, so die Staatsanwältin zur Aussage von Aylin H.

Ein Jahr Haft auf Bewährung

Richter Erich Massow teilte diese Einschätzung, die Zeugin habe „sichtlich unter dem Eindruck des Geschehenen gestanden“. Mit seinem Urteil blieb er aber etwas unter der Forderung: Ein Jahr auf Bewährung gab es für den einschlägig vorbestraften Robin M. wegen zweifacher Körperverletzung – einmal in Tateinheit mit Beleidigung –, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln. Apropos Bewährung: 500 Euro muss Robin M. zudem an den Verein „Bewährungshilfe Koblenz“ zahlen.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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