24 Stunden, 455 Kilometer, 3000 Euro

Auf geht’s: Dass der Kilometerzähler ratterte, dafür sorgten (v. r.) Marco Corigliano, Malte Kühn, Daniel Bätzing und Raul Valero Gallegos. Der Einsatz von Danilo Großer kam erst in der langen Nacht an der Obernautalsperre.
  • Auf geht’s: Dass der Kilometerzähler ratterte, dafür sorgten (v. r.) Marco Corigliano, Malte Kühn, Daniel Bätzing und Raul Valero Gallegos. Der Einsatz von Danilo Großer kam erst in der langen Nacht an der Obernautalsperre.
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rai Betzdorf/Sassenroth.  „Das Gefühl ist klasse“, sagte Marco Corigliano am Sonntag um 7 Uhr. Er schwang sich auf sein Rennrad – und stellte es erst 24 Stunden später wieder in die Ecke. Ziel war es, möglichst viele Kilometer für den guten Zweck zu fahren. Nach den 24 Stunden blieb der Zähler bei 455 Kilometern stehen.

Es war ein ambitioniertes Vorhaben, das sich der 44-jährige Sassenrother für Pfingsten vorgenommen hatte. Und für das er auch viel ideellen und tatkräftigen Rückenwind bekam: Radsportkollegen begleiteten ihn wacker, Sponsoren unterstützten fleißig die Aktion bzw. gaben ihr Scherflein pro gefahrenem Kilometer. Oft waren mehr als die mindestens 2 Cent pro Kilometer oder ein satter Festbetrag angekündigt worden.

Alles geht zu 100 Prozent über „Kilometer für Kinder“ an die deutsche Kinderkrebsstiftung, teilte Corigliano mit. Auch der Run-Club Betzdorf, bei dem er mitläuft, und Firmen standen dahinter. Ebenso die Wehr Sassenroth, bei der er selbst aktiv ist, sowie weitere Wehren.

Betzdorf, Köln, Betzdorf, weiter zur Obernautalsperre und den Stausee so oft umrunden wie es geht – auch in der Nacht. Das ist die Kurzversion, die Corigliano notiert hatte. Es vermittelt nicht annähernd das Pensum, das mit Fleiß und Ausdauer erbracht wurde. Das gibt etwas ein Gefühl dafür: Die gefahrene Strecke entspricht der Entfernung von Bonn nach Hamburg – in 24 Stunden mit reiner Muskelkraft.

Es war nicht die erste Benefizaktion, bei der Corigliano in die Pedalen trat – aber die herausfordernste. Im italienischen Ostuni war er drei Mal mit den „Globis Rossi“ (die roten Blutkörper) mitgefahren, zugunsten bedürftiger Kinder und Familien. Dass der 44-Jährige so etwas macht, das wusste Burkhard Hein von „Kilometer für Kinder“ (Osnabrück). Er fragte an, ob Corigliano Lust habe, bei der 24-Stunden-Challenge mitzumachen.

Das war vor drei Wochen. In dieser Zeit fuhr der Sassenrother an Trainingstagen bei gleichbleibendem Tempo 90 bis 100 Kilometer. Zwischendurch lief er.

Sein Hauptsponsor, der Ausdauer-Shop in Betzdorf, steuerte Trikots, Energiegels und -drinks für unterwegs für Corigliano und seine Mitfahrer bei. Nach Köln waren das Daniel Bätzing (Geschäftsführer Ausdauer-Shop) und die Triathleten Raul Valero Gallegos und Malte Kühn (beide Ejot-Team TV Buschhütten).

Hinter Morsbach eine Herausforderung: die Bitzerberge. „Das ist wie vor einer Wand zu stehen“, so Corigliano: „Das kostet Kraft.“ Die Begleiter leisteten wertvoll Pedalarbeit. Apropos Begleitung: Ersatzrad und Reparaturzeug fuhren im Begleitauto mit. Allein 25 Liter Wasser waren gebunkert: „Es soll ja warm werden.“ Gute Hilfe kam von Tim Schneider, Akin Güven und Andreas Greb im Begleitauto. „Ohne hätte es nicht funktioniert.“

Um 11 Uhr waren die Vier auf der Domplatte. Fünf Stunden später – nach 213 Kilometern und 1350 Höhenmetern wieder in Betzdorf –, sagte ein gut gelaunter Corigliano: „Ich freue mich auf’s Weiterfahren.“ Pferde- sowie Murmeltiersalbe dienten dem Kühlen und Lockern von Muskeln und Gelenken. „Alles gut“, sagte er, „aber man merkt die Berge nach 200 Kilometern“. Kraft habe es gekostet, an Ampeln zu bremsen und anzufahren.

Für die kurze Pause nachmittags in Betzdorf hatte Ehefrau Bianca Decker Kohlenhydrate mitgebracht: Pasta mit Tomaten-Brokkoli-Soße. Für Bätzing kam Mario Piccolini dazu. Das Quartett radelte durchs Hellertal und über Wilden mit dem knackigen Anstieg zur Autobahn bis an die Obernautalsperre.

Das Trio begleitete dort noch sechs Runden, und Danilo Großer (Grünebach) kam mit seinem Rennrad dazu. Er hatte einst Corigliano für das Laufen, Radfahren und Mountainbiken begeistert. Beide sind auch schon mal 14 Stunden am Stück gemeinsam Fahrrad gefahren. „Wir sind ein eingespieltes Team und kennen uns wie aus dem Eff-Eff“, sagte Corigliano. Großer radelte bei der monotonen Nachtfahrt mit. Corigliano: „Die Nacht ist richtig lang.“

Im Duo kämpften sie gegen die Kälte an, „die ohne Ende Kraft raubte“. Zwei Runden fuhren Schneider und Güven auf dem Rad mit. Zehn, vielleicht 15 Runden um die Obernau, hatte Corigliano Sonntagmorgen angepeilt. Es wurden 17. Beinarbeit war immer noch gefordert: Das Ziel lag noch weit vor Corigliano und Großer, die kurz vor 7 Uhr in Betzdorf ankamen und mit Anerkennung und heißen Kaffee begrüßt wurden.

Es war die bislang größte Herausforderung für ihn, sagte der Benefizradler – aber: „Wir wissen, dass es für einen guten Zweck ist, um Kindern und Eltern zu helfen.“ Für dieses Ziel stehen alle dahinter – auch die Sponsoren, dankte er. In den 24 Stunden kamen knapp 3000 Euro zusammen.

Autor:

rai (Freier Mitarbeiter) aus Betzdorf

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