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Bewährungsstrafe für erneutes Fahren ohne Führerschein
29-Jähriger bekommt letzte Chance

Unauffällig geht anders: Der Audi des Angeklagten war nicht nur stark motorisiert, sondern auch mit einem Sportauspuff versehen, also entsprechend lautstark unterwegs. Und: Der Wagen hatte das Lenkrad auf der rechten Seite.
  • Unauffällig geht anders: Der Audi des Angeklagten war nicht nur stark motorisiert, sondern auch mit einem Sportauspuff versehen, also entsprechend lautstark unterwegs. Und: Der Wagen hatte das Lenkrad auf der rechten Seite.
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

dach Betzdorf. Autofahren macht Emil Q. (Name geändert) offenbar so richtig Spaß. Und diese Leidenschaft wohnt ihm anscheinend schon seit Jugendtagen inne. Mit 17 Jahren wurde er zum ersten Mal wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt. Mehrere Richtersprüche folgten, dieser Tage am Betzdorer Amtsgericht der bislang letzte. Sechs Monate Haft, zur Bewährung ausgesetzt, verhängte Richter Tim Hartmann über den heute 29-Jährigen. Ende 2019 war Emil Q. – und das gab er auch zu – mehrfach mit einem Audi A6 unterwegs. Eben ohne Führerschein und auch ohne Versicherungsschutz. Er hatte an den Kombi aus Ingolstadt alte Kennzeichen geschraubt, die er mit amtlichen Siegeln versehen hatte.
Auto mit SportauspuffDas nennt der Jurist Urkundenfälschung.

dach Betzdorf. Autofahren macht Emil Q. (Name geändert) offenbar so richtig Spaß. Und diese Leidenschaft wohnt ihm anscheinend schon seit Jugendtagen inne. Mit 17 Jahren wurde er zum ersten Mal wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt. Mehrere Richtersprüche folgten, dieser Tage am Betzdorer Amtsgericht der bislang letzte. Sechs Monate Haft, zur Bewährung ausgesetzt, verhängte Richter Tim Hartmann über den heute 29-Jährigen. Ende 2019 war Emil Q. – und das gab er auch zu – mehrfach mit einem Audi A6 unterwegs. Eben ohne Führerschein und auch ohne Versicherungsschutz. Er hatte an den Kombi aus Ingolstadt alte Kennzeichen geschraubt, die er mit amtlichen Siegeln versehen hatte.

Auto mit Sportauspuff

Das nennt der Jurist Urkundenfälschung. Nun war eine unauffällige Teilnahme am Straßenverkehr nicht wirklich möglich, obwohl das im ureigensten Interesse von Emil Q. hätte liegen müssen. Denn der Audi war demnach nicht nur stark motorisiert, sondern auch mit einem Sportauspuff versehen, also entsprechend lautstark unterwegs. Und: Der Wagen hatte das Lenkrad auf der rechten Seite.
Über seinen Verteidiger Daniel Walker (Betzdorf) gab er die insgesamt vier Fahrten zu, die in der Anklageschrift notiert waren. Hinzu kam eine Fahrerflucht, die jedoch bestritten wurde: Emil Q. soll mit dem A6 auf einem Parkplatz einen VW Golf touchiert und dann das Weite gesucht haben. Aber: „Er hat keinen Unfall bemerkt“, so Walker über seinen Mandanten.

Zeugin nennt Polizei Kennzeichen

Zwei Zeuginnen hatten den Audi allerdings auf besagtem Parkplatz gesehen – unmittelbar nach einem lauten Geräusch. Eine hatte sich gar das Kennzeichen gemerkt und war zur Polizei gegangen. Doch der Beamte konnte die Abfolge von Buchstaben und Zahlen wegen des Nummerschildmissbrauchs nicht dem genannten Fahrzeugtyp zuordnen. Am Golf war laut eines Kostenvoranschlags allerdings bloß ein Schaden entstanden, dessen Reparatur mit 190 Euro zu Buche schlug.

Familiäre Situation ausschlaggebend

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft forderte in Summe ein Jahr Haft, schließlich habe Emil Q. seinerzeit unter laufender Bewährung gestanden. Die Tatsache, dass er auch in diesem Falle noch einmal genau das beantragte, dürfte vor allem der familiären Situation von Emil Q. geschuldet sein. Der Dachdecker hat zu Hause drei eigene Kinder, zwei, die seine jetzige Frau mit in die Ehe gebracht hatte, und selbst noch eines aus erster Ehe. Emil Q. ist der Alleinverdiener in dieser Konstellation. „Beim nächsten Mal“, so der Vertreter der Staatsanwaltschaft unmissverständlich, „geht’s definitiv ins Gefängnis“. Verteidiger Walker schlug eine sechsmonatige Freiheitsstrafe vor. Denn: Die Fahrerflucht sei nicht bewiesen. Und falls die Berührung der Autos stattgefunden habe, sei es durchaus denkbar, dass sein Mandant dies aufgrund der Geräuschkulisse – Motor, Auspuff und Radio – nicht wahrgenommen habe.

Letzte Chance für Angeklagten

Richter Hartmann folgte der Verteidigung, legte aber die Bewährungszeit auf vier Jahre fest und ging damit nah ans Maximum heran. Zudem verhängte er über Emil Q. eine einjährige Führerscheinsperre. Abschließend ermahnte auch Hartmann den Angeklagten, dass er nicht mehr weit von einem Gefängnisaufenthalt entfernt sei, und blieb dabei passenderweise im Verkehrsjargon: „Es ist allerhöchste Eisenbahn!“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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