Wer hat’s unterschrieben?
52-Jähriger wegen falscher Verdächtigung vor Gericht

Gernot W. soll bei der Polizei einen Versicherungsvertreter bezichtigt haben, Unterschriften gefälscht zu haben. Das graphologische Gutachten brachte aber die Wahrheit an den Tag – und Gernot W. vor Gericht.
  • Gernot W. soll bei der Polizei einen Versicherungsvertreter bezichtigt haben, Unterschriften gefälscht zu haben. Das graphologische Gutachten brachte aber die Wahrheit an den Tag – und Gernot W. vor Gericht.
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nb Betzdorf. Das Verhältnis von Gernot W. zum Amtsgericht Betzdorf ist mit seinen eigenen Worten wohl am besten umrissen: Sein schönstes Erlebnis dort sei seine Scheidung gewesen.
Jetzt musste der 52-Jährige aus der Verbandsgemeinde Wissen einmal mehr in einem der Sitzungssäle Platz nehmen. Falsche Verdächtigung lautete der Vorwurf der Anklage.

Versicherungsvertreter soll Unterschrift gefälscht haben

Nach Ansicht von Amtsanwalt Mies war am 24. April 2019 nämlich Folgendes passiert: Gernot W. (Namen geändert) war gerade zum zweiten Mal verurteilt worden, weil er die Beiträge zu einer Unfallversicherung schuldig geblieben war. Nach dem Urteil, so der jetzige Vorwurf, sei Gernot W. gleich nach nebenan zur Polizei marschiert und habe dort behauptet, dass sein Versicherungsvertreter Herr D. die Unterschriften auf dem Vertrag – neben dem Namen des Angeklagten standen noch der seiner damaligen Frau und seines Sohnes auf dem Dokument – gefälscht habe.

Ein graphologisches Gutachten brachte aber Klarheit, so Mies: Die Unterschriften stammten mit ziemlicher Sicherheit von Gernot W.

Einspruch gegen Strafbefehl

Ursprünglich war wegen der falschen Verdächtigung ein Strafbefehl ergangen – heißt: Wenn der Angeklagte eine Geldstrafe zahlt, kommt es nicht zur Verhandlung. Gegen den Strafbefehl aber hatte Gernot W. Einspruch erhoben und so landete das Ganze dann doch vor dem Kadi, in diesem Fall Richter Tim Hartmann.

Und Hartmann hatte so seine Mühe, dem Angeklagten klar zu machen, warum er sich überhaupt vor einem Strafrichter verantworten musste.

Denn Gernot W. echauffierte sich zunächst vor allem über das Zustandekommen des Versicherungsvertrages vor mehreren Jahren. Eine Unfallversicherung habe er nämlich bereits gehabt: „Wie jetzt die zweite zustande gekommen ist,weiß ich nicht.“ Er habe allerdings damals ziemlich viel um die Ohren gehabt, so beschrieb es der Angeklagte.

Inzwischen halte er sich fern von Versicherungen, habe – von der für das Autofahren nötige – keine mehr.

„Ich bezahl’ doch jetzt keine 2500 Euro.“

Den aktuellen Strafbefehl kommentierte er so: „Ich bezahl’ doch jetzt keine 2500 Euro.“
Hartmann zeigte zwar durchaus Verständnis dafür, dass man im Versicherungsdschungel mal den Überblick verlieren kann und dass sich Gernot W. geärgert hatte – aber: „Dann können Sie doch nicht zur Polizei gehen und sagen, dass der Herr D. die Unterschriften gefälscht hat.“ Das eine – der Vertrag und das Vorgehen dagegen – habe im Grund nichts mit dem anderen – der falschen Verdächtigung – zu tun, so Hartmann. Das eine, so gab er juristische Nachhilfe, sei Zivil-, das andere Strafrecht.

Er habe nicht behauptet, dass der Versicherungsvertreter die Unterschrift gefälscht habe, so Gernot W, nur, dass dieser nicht auf reguläre Weise zustande gekommen sei. Für das Gericht stand die Sache aber, nicht zuletzt aufgrund der Polizeiprotokolle, fest.

Hartmann baute dem Angeklagten aber gemeinsam mit dem Amtsanwalt die berühmte „goldene Brücke“: Man könne sich eine vorläufige Einstellung gegen eine Geldauflage vorstellen. Dann gebe es auch kein Urteil und keine Vorstrafe.

„Gut finde ich das nicht“, so Gernot W. mit Blick auf die damit verbundene Geldbuße. Er willigte aber schließlich ein. Und seine Hoffnung, dass das Geld wenigstens einem Guten Zweck zugute kommt, konnte Hartmann erfüllen: Die Auflage von 1500 Euro wird an Flutopfer im Ahrtal gehen.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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