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Ausstellung zum Bombenangriff auf Betzdorf eröffnet
„Aber die Welt hatte sich verändert“

Ein Foto der Ausstellung zeigt das zerstörte Elternhaus von Liesel Brühl-Gütelhöfer. Gerd Bäumer (r.) und Heinz Stock konnten die Zeitzeugin bei der Eröffnung als Rednerin begrüßen.
  • Ein Foto der Ausstellung zeigt das zerstörte Elternhaus von Liesel Brühl-Gütelhöfer. Gerd Bäumer (r.) und Heinz Stock konnten die Zeitzeugin bei der Eröffnung als Rednerin begrüßen.
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nb Betzdorf. Nur elf Minuten brauchte es – danach waren ganze Straßenzüge in Betzdorf zerstört. 61 Menschen kamen beim verheerenden Luftangriff auf die Sieg-Heller-Stadt am 12. März 1945 ums Leben. Für die Überlebenden lag danach oftmals ihre ganze Welt in Trümmern, wortwörtlich und im übertragenen Sinne.

An den Bombenangriff erinnert der Verein Betzdorfer Geschichte (BGV) nun mit einer Fotoausstellung (die SZ berichtete), am Donnerstagnachmittag wurde die Ausstellung in den Vereinsräumen an der Bismarckstraße eröffnet.

Vereinsvorsitzender Heinz Stock begrüßte zahlreiche Besucher zu der Veranstaltung, die insbesondere von bewegenden Zeitzeugenberichten geprägt war. Stock selbst gab zu Beginn einen kurzen Abriss der Geschehnisse in den letzten Monaten des Krieges.

nb Betzdorf. Nur elf Minuten brauchte es – danach waren ganze Straßenzüge in Betzdorf zerstört. 61 Menschen kamen beim verheerenden Luftangriff auf die Sieg-Heller-Stadt am 12. März 1945 ums Leben. Für die Überlebenden lag danach oftmals ihre ganze Welt in Trümmern, wortwörtlich und im übertragenen Sinne.

An den Bombenangriff erinnert der Verein Betzdorfer Geschichte (BGV) nun mit einer Fotoausstellung (die SZ berichtete), am Donnerstagnachmittag wurde die Ausstellung in den Vereinsräumen an der Bismarckstraße eröffnet.

Vereinsvorsitzender Heinz Stock begrüßte zahlreiche Besucher zu der Veranstaltung, die insbesondere von bewegenden Zeitzeugenberichten geprägt war. Stock selbst gab zu Beginn einen kurzen Abriss der Geschehnisse in den letzten Monaten des Krieges. 1944 war Betzdorf noch von größeren Angriffen verschont geblieben, am 19. Februar 1945 folgte aber dann der erste Großangriff alliierter Verbände. 34 Menschen fielen diesem zum Opfer.

Am 12. März, um die Mittagszeit, folgte dann das Bombardement, das sich am Donnerstag zum 75. Mal jährte. 116 B17-Bomber flogen den Angriff, in elf Minuten fielen über 3000 Bomben auf Betzdorf, das an diesen Tag zu über 70 Prozent zerstört wurde.

Ende März, so berichtete Stock weiter, sprengten dann deutsche Truppen sämtliche Brücken, aber aufhalten konnten sie die Alliierten damit nicht: Am 30. März trafen die ersten US-Soldaten in Betzdorf ein.

Wie es den Menschen hinter den Daten und Zahlen erging, das wurde durch zwei Berichte von Zeitzeuginnen deutlich. BGV-Geschäftsführer Gerd Bäumer trug einen Bericht vor, den ihm die inzwischen verstorbene Doris Weyer einst hatte zukommen lassen. Darin erzählt sie von den schrecklichen Ereignissen am 12. März 1945, von ihrer Angst im Schutzraum und dem Anblick der sich ihr nach dem Ende der Bombardierung bot. Sie hatte überlebt, „aber die Welt hatte sich verändert.“

In einem Haus an der Bismarckstraße, Nummer 25, ist Liesel Brühl-Gütelhöfer aufgewachsen. Mit ihren Eltern, ihren beiden jüngeren Brüdern, einem sogenannten Pflichtjahrmädchen und Verwandten aus Duisburg wohnte die damals Siebenjährige zusammen. Am 19. Februar erklang der Fliegeralarm, so erzählte die Zeitzeugin bei der Ausstellungseröffnung.

Sie überstand den Angriff im Bunker, aus dem ihr Vater sie schließlich holte. Schon beim Einbiegen in die Bismarckstraße habe sie eine Frau aus der Nachbarschaft tot auf dem Boden liegen sehen: „Diesen Anblick werde ich nie vergessen.“ Auch die zwei Verwandten aus Duisburg zählten zu den Opfern. „Wie uns damals zumute war“, so Liesel Brühl-Gütelhöfer, „kann ich nicht beschreiben.“ Der 19. Februar habe sie ihr ganzes Leben begleitet. Eine greifbare Erinnerung an das Ereignis ist für sie ein hochwertiger Besteckkasten, der zum Zeitpunkt des Angriffs in einem Stahlschrank gelegen hatte und aus den Trümmern ihres Elternhauses geborgen wurde.

Ein Foto des zerstörten Elternhauses von Liesel Brühl-Gütelhöfer ist Teil der eindrucksvollen Ausstellung, die noch bis Sonntag zu sehen ist.

Die weiteren Fotos zeigen beispielsweise die Zerstörungen an der evangelischen Kirche, an der Bergstraße oder an der Körnerstraße. Zudem sind auch US-Luftaufnahmen zu sehen.

Angeregt unterhielten sich die Besucher vor den Schauwänden, tauschten Erinnerungen und Informationen aus oder suchten auf den Fotografien nach ihnen vertrauten Gebäuden aus dem Stadtgebiet. Und viele werden sicher dabei noch die Worte von Liesel Brühl-Gütelhöfer im Kopf gehabt haben, die ihren Vortrag so beendet hatte: „Jedes Erinnern muss auch eine Mahnung sein.“

Die Ausstellung im „Haus der Betzdorfer Geschichte“ ist am Freitag von 17 bis 20 Uhr zu sehen und am  Samstag, 14. März, und am Sonntag, 15. März, jeweils von 15 bis 17 Uhr.

Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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