Dem Corona-Virus getrotzt (Update)
Abitur-Gottesdienst auf YouTube gefeiert

Philine Schmidt, auf Seiten der Abiturienten eine Art Koordinatorin für das Projekt, verfolgte den Gottesdienst am Samstag gemeinsam mit ihren Eltern.
  • Philine Schmidt, auf Seiten der Abiturienten eine Art Koordinatorin für das Projekt, verfolgte den Gottesdienst am Samstag gemeinsam mit ihren Eltern.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Betzdorf/Kirchen. Darüber gibt es keine zwei Meinungen: Den diesjährigen Abiturienten in Deutschland nimmt das Corona-Virus einen ganz wichtigen Teil ihrer Jugend. Und damit sind nicht die Unsicherheiten rund um die Prüfungen an sich gemeint. Jede der jungen Damen und jeder der Herren hatte und hätte es am Ende eines so wichtigen Lebensabschnitts verdient, seine Leistungen und sich selbst zu feiern. Ausgiebig zu feiern. Mit allem, was normalerweise dazu gehört. So war es denn auch für die Abiturienten des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in diesem Jahr ein mehr als unwürdiger Abschied. Das Reifezeugnis per Post zu bekommen - das ist einfach nur bitter.

Und doch haben die nun ehemaligen Schüler bewiesen, dass sie und ihre Generation am Ende stärker sein werden als das Virus. Denn den traditionellen Abitur-Gottesdienst haben sie nicht nehmen lassen. Der hätte zwar bereits vor Tagen in der St.-Ignatius-Kirche stattfinden sollen, was natürlich bei den derzeitigen Einschränkungen unmöglich war. Doch die mit der Vorbereitung beschäftigten Schüler und ihre Religionslehrer fanden eine Alternative: Gemeinsam wurde in den vergangenen Tagen ein Audio-Abitur-Gottesdienst eingesprochen und -gesungen und auf YouTube hochgeladen. Am Samstag Nachmittag konnten die Schulgemeinschaft und die Angehörigen erleben, dass man auch auf diese Weise dem diesjährigen Abi-Motto voll und ganz gerecht werden kann; „Die goldenen Zwanziger: ein Ab(i)gang mit Glanz und Stil.“

Die Initialzündung kam dabei von Peter Härtling, Pastoralreferent und kath. Religionslehrer am Gymnasium - und selbst Vater eines Abiturienten. Insofern war er auch von der Gefühlslage sehr nah dran am Jahrgang. Er habe gemerkt, was für eine intensive Atmosphäre und Stimmung geherrscht habe, trotz der Einschränkungen. Und da der Gottesdienst schon "fix und fertig" gewesen sei, habe man sich entschlossen, diesen Weg zu gehen. Wichtigste Ansprechpartnerin für Härtling und Koordinatorin auf Schülerseite war Philine Schmidt aus Niederfischbach. Überhaupt war das Projekt eine echte Teamarbeit. 

Der Gottesdienst fand dabei eine sehr gute Balance zwischen Wehmut und Zuversicht. Die ev. Schulpfarrerin Anja Karthäuser hatte in der Begrüßung bereits zum Ausdruck gebracht, dass man die „sehr gemischte Stimmungslage“ sammeln wolle.

Abiturientin Lara Müller zitierte Robert Louis Stevenson: „Es kommt im Leben nicht darauf an, immer gute Karten zu haben. Manchmal muss man auch aus einem schlechten Blatt etwas machen können.“ Ihr Jahrgang habe sicher das Gefühl gehabt, nicht die besten Karten auf der Hand zu haben. Aber es komme jetzt darauf an, das Beste daraus zu machen: „Indem wir zusammenhalten, auf unsere Mitmenschen achten und uns nicht unterkriegen lassen.“ Man könne stolz auf die eigenen Leistungen sein und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, so Müller.

In seiner Predigt ging  Peter Härtling noch einmal auf die mannigfaltigen Enttäuschungen ein. Der Theologe nahm aber auch Bezug auf die Lesung, in der es um ein Gedicht des Predigers Salomo aus dem Buch Kohelet ging: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen.“ Härtling arbeitet nach eigenen  Angaben regelmäßig mit dem biblischen Text, der - rein zufällig - die momente Situation nun sehr treffend umschreibe. Momentan erlebten auch die Abiturienten dieses Durcheinander, doch Gott schenke auch im Ungeplanten Glück.

Der Wunsch von Härtling an die Abiturienten: „Bewahrt Euch Eure Träume, auch wenn sie Euch im Moment weit weg scheinen. In ihnen liegt der Geist und die Kraft, die wir brauchen, um eigene Wege einzuschlagen, um wieder aufzustehen, wenn wir hingefallen sind und um den Reichtum des Lebens kennen zu lernen.“

Von der Resonanz auf das Angebot zeigte sich der Pastoralreferent begeistert. Dabei sei es auch  gelungen,  Menschen  anzusprechen, die normalerweise mit Kirche und Gott nicht allzu viel zu tun hätten. Und selbstverständlich hoffen er und Karthäuser darauf, dass die Schüler in nicht allzu ferner Zukunft auch ihre Feiern nachholen können. Denn im Gegensatz zu einem Gottesdienst ist eine Party als Audio-Datei einfach nur unvorstellbar.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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