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Freiherr-vom-Stein-Gymnasium
Abiturienten sauer auf Ex-Schule

So wie hier 2013 sollte die Entlassfeier eines Abiturjahrgangs eigentlich aussehen. Aufgrund der Pandemie hatte auch das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium im vergangenen Jahr erstmals auf den feierlichen Rahmen verzichten müssen.
  • So wie hier 2013 sollte die Entlassfeier eines Abiturjahrgangs eigentlich aussehen. Aufgrund der Pandemie hatte auch das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium im vergangenen Jahr erstmals auf den feierlichen Rahmen verzichten müssen.
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  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

thor Betzdorf/Kirchen. Es ist eine Kritik, die am Selbstverständnis des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums rüttelt. In einem offenen Brief werfen ehemalige Schüler des Abiturjahrgangs 2020 der Schulleitung und dem Gros der Lehrer schwere Versäumnisse bei ihrem Abschied vom Struthof vor. „Abschluss ohne Abschluss“ ist der Brief überschrieben. Ein Jahr lang war der Text nur als Datei gespeichert, wurde ergänzt und korrigiert – und erst dieser Tage haben sich die Verfasser zu einer Veröffentlichung entschieden. Denn momentan befindet sich der aktuelle Abi-Jahrgang in den mündlichen Prüfungen. Wenigstens die Nachfolger sollen würdevoll vom Gymnasium verabschiedet werden.

thor Betzdorf/Kirchen. Es ist eine Kritik, die am Selbstverständnis des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums rüttelt. In einem offenen Brief werfen ehemalige Schüler des Abiturjahrgangs 2020 der Schulleitung und dem Gros der Lehrer schwere Versäumnisse bei ihrem Abschied vom Struthof vor. „Abschluss ohne Abschluss“ ist der Brief überschrieben. Ein Jahr lang war der Text nur als Datei gespeichert, wurde ergänzt und korrigiert – und erst dieser Tage haben sich die Verfasser zu einer Veröffentlichung entschieden. Denn momentan befindet sich der aktuelle Abi-Jahrgang in den mündlichen Prüfungen. Wenigstens die Nachfolger sollen würdevoll vom Gymnasium verabschiedet werden.

Vorwurf der Abiturienten an ihre Schule

Es handelt sich hierbei nicht um die Anklage des kompletten Jahrgangs, vielmehr haben rund 20 Schüler daran mitgewirkt. Zu den Initiatoren und Unterstützern zählen u. a. Luca Weitz, Bruno Härtling, Mika Weber, Sven Velten, Kaya Zimmermann, Vanessa Leis, Joshua Cassens, Max Blickheuser, Max Scheel und Timo Langenbach. Sie gehörten zu denjenigen, die im ersten Lockdown ihre Reifeprüfung bestanden haben. Für die damit verbundenen Einschränkungen zeigen sie volles Verständnis, gleichwohl hätten sie sich einen angemessenen Abschluss gewünscht. „Die Schule hat es in vollem Ausmaß verpasst, irgendetwas in der Art zu veranstalten“, heißt es in dem Brief.
Wie berichtet, wurde auch am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium das Abiturzeugnis per Post zugestellt, eine Entlassfeier in der Aula musste Pandemie-bedingt abgesagt werden. Darüber beschweren sich die ehemaligen Schüler auch gar nicht, sondern vielmehr über die Art und Weise. Das Zeugnis sei in einem „sterilen“ Umschlag verschickt worden, ohne begleitende Worte, dafür aber mit einem Werbeschreiben des Fördervereins. „Unsere Bank- oder Versicherungsunterlagen sind persönlicher …“
Zudem habe es das Gymnasium im Gegensatz zu anderen Schulen versäumt, einen der Situation angepassten Pressebericht zu veröffentlichen: „Etwas, wo man seinen Namen sucht und ihn stolz den Großeltern zeigt.“ Zu keinem Zeitpunkt sei ernsthaft über Alternativen nachgedacht worden, so der Vorwurf der ehemaligen Abiturienten. Doch nicht nur die Schulleitung, auch fast alle Stammkurs- und Leistungskurslehrer hätten versäumt, einen „netten Text“ zu schreiben. „Lehrer, mit denen man drei oder auch in vielen Fällen mehr Jahre intensiv verbracht hat (...) Lehrer, die einem den hohen Stellenwert von Respekt und Solidarität vermitteln wollen, selbst aber diese Werte scheinbar anders auslegen.“
Doch urplötzlich habe man sich aus Eigennutz an die ehemaligen Schüler erinnert. In einer Nachricht seien dringend Nachhilfekräfte für die Sommerferien gesucht worden, da der Online-Unterricht nicht optimal gelaufen sei.
Da seitens der Schule mit nichts mehr zu rechnen gewesen sei, hätten dann einige Schüler beschlossen, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, um einen passablen Abschluss zu organisieren. Bei einem geplanten Sektempfang habe es aber erneut keine Unterstützung gegeben. Hilfe sei lediglich von Steffi Stieler von der „Sieglinde“ in Betzdorf und Jonas Baldus von der „Hüttenschenke“ in Wehbach gekommen.

Schüler: Nach Abistreich war die Schulleitung beleidigt

Auch der Abistreich wird in dem Schreiben thematisiert: Der damalige Schulleiter habe oft und gerne betont, dass er von einem Abschlussjahrgang einen solchen erwarte und diesen auch unterstützen würde. Eine kleine Gruppe habe diesen dann Corona-konform nachgeholt. Auf Plakaten sei nochmals der Unmut zum Ausdruck gebracht worden, der sich in den vergangenen Wochen und Monaten angesammelt habe. Es seien aber weder Notfallwege versperrt noch Lehrer persönlich angegriffen worden. Dennoch sei die Schulleitung so beleidigt gewesen, dass alles unverzüglich abgehängt wurde.
Dann habe sich die Schulleitung nochmals an die Abiturienten gewandt, ihr Bedauern verkündet, „stumpfe Durchhalteparolen“ wiederholt und beteuert, man werde sich bemühen, noch etwas auf die Beine zu stellen. „Mittlerweile sind Wladimir, Estragon und Godot vereint, doch wir warten noch immer“, heißt es in dem Brief weiter.
Dennoch habe es Beispiele gegeben, dass es auch anders gehe: „Einige wenige Lehrer haben sehr schöne Worte gefunden, um uns noch mal daran zu erinnern, was wir geschafft haben. Oder unser virtueller Abschlussgottesdienst, der sehr liebevoll gestaltet war und auch zeigte, dass da, wo ein Wille ist, auch ein Weg ist. Wo nun der Wille der breiten Lehrerschaft blieb, ist Interpretationssache.“
Angesichts der momentan laufenden Prüfungen hoffen die ehemaligen Abiturienten, dass ihre Worte Gehör finden. „Zu einem Schulabschluss gehört mehr als nur das Zeugnis. Für uns gehört zu einem Schulabschluss vor allem, dass man sich in einem würdevollen Rahmen von den Lehrern und der ganzen Schule verabschieden kann, dass man sich mit seinen Freunden freuen kann, dass die ganze Familie mit dir feiern kann, dass nicht alles an der Zahl vor dem Komma festgemacht wird.“
Die Forderung: „Sie hatten jetzt 360 Tage Zeit, um sich innovative Ideen auszudenken. Beweisen Sie jetzt die Größe, diese umzusetzen!“

Schulleitung sucht den Dialog mit den Ehemaligen „Wir nehmen die Kritik sehr ernst und versuchen, die Probleme in einem gemeinsamen Gespräch zu lösen“, sagte der kommissarische Schulleiter Joachim Langhauser, nachdem am Montag der Brief auf seinem Schreibtisch gelandet war. „Wir sind alle von der Pandemie überrollt worden“, stellte er klar. Das Abitur 2020 sei mitten in den ersten harten Lockdown gefallen. Dennoch habe man sich intensiv damit beschäftigt, den Abiturienten einen würdigen Abschied zu verschaffen. „Das Gesundheitsamt hat uns aber erklärt, dass eine Präsenzveranstaltung schlicht und einfach nicht infrage kommt.“ Vonseiten des Gymnasiums sei mehrfach über die Situation informiert worden. „Wir haben alles getan, was wir tun konnten“, so Langhauser, der die Enttäuschung dieses Jahrgangs absolut verstehen kann. „Wir alle waren enttäuscht.“ Und auch wenn diese Kritik nur von einem Teil komme, suche man doch den Dialog. Der Schulleiter betonte zugleich, dass man gerade diesem Jahrgang das Gefühl habe geben wollen, nicht vergessen zu werden. So habe er die Einladung zu einem „Einjährigen“ ausgesprochen. „Leider habe ich darauf keine Reaktion bekommen.“ Für kommenden Samstag steht nun die Verabschiedung der jetzigen Abiturienten an. Nach einer digitalen Entlassfeier können die Schüler ins Gymnasium kommen, wo ihnen unter Einhaltung der Corona-Regeln ihr Zeugnis überreicht wird. Am Nachmittag ist dann noch ein gemeinsamer Online-Gottesdienst geplant. Langhauser: „All das wäre im vergangenen Jahr selbst beim besten Willen nicht möglich gewesen – die Digitalisierung hat in einem Jahr eben große Fortschritte gemacht.“
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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