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Selbsthilfegruppen für Alkoholabhängige
Abstinenz gelingt fast nur gemeinsam

Rund 4000 bis 5000 Menschen im Kreisgebiet dürften vom Alkoholabhängigkeitssyndrom betroffen sein. Abstinent werden und bleiben: Dabei können Selbsthilfegruppen eine entscheidende Rolle spielen.
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  • Rund 4000 bis 5000 Menschen im Kreisgebiet dürften vom Alkoholabhängigkeitssyndrom betroffen sein. Abstinent werden und bleiben: Dabei können Selbsthilfegruppen eine entscheidende Rolle spielen.
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nb Betzdorf. Der Kampf gegen die Alkoholsucht endet nicht mit Entgiftung und Therapie. Waldemar Schmidt weiß das aus eigener Erfahrung nur zu gut und bringt die Problematik ungeschönt auf den Punkt: "Nach der Therapie kommt das große Elend." Soziale Kontakte sind weggebrochen, weitere Probleme, zum Beispiel Verschuldung, drücken, da ist vielleicht Langeweile und Leere. Folglich ist weitergehende Hilfe und Unterstützung gefragt − und genau diese bieten Selbsthilfegruppen. Im AK-Oberkreis ist das Netz aus Selbsthilfegruppen für Alkohol- und sonstige Suchterkrankte eng gestrickt. Und Waldemar Schmidt ist einer der Menschen, der schon lange in einer Selbsthilfegruppe dabei ist.

nb Betzdorf. Der Kampf gegen die Alkoholsucht endet nicht mit Entgiftung und Therapie. Waldemar Schmidt weiß das aus eigener Erfahrung nur zu gut und bringt die Problematik ungeschönt auf den Punkt: "Nach der Therapie kommt das große Elend." Soziale Kontakte sind weggebrochen, weitere Probleme, zum Beispiel Verschuldung, drücken, da ist vielleicht Langeweile und Leere. Folglich ist weitergehende Hilfe und Unterstützung gefragt − und genau diese bieten Selbsthilfegruppen. Im AK-Oberkreis ist das Netz aus Selbsthilfegruppen für Alkohol- und sonstige Suchterkrankte eng gestrickt. Und Waldemar Schmidt ist einer der Menschen, der schon lange in einer Selbsthilfegruppe dabei ist.

Aktionswoche stellt Selbsthilfe in den Vordergrund

Gemeinsam mit weiteren Vertretern von Selbsthilfegruppen sowie dem Team der Suchtberatung der Caritas Betzdorf um Roland Brenner, macht er am Dienstag in einer Gesprächsrunde deutlich, welch  wichtige Rolle die Selbsthilfe spielt. Alle Anwesenden begrüßen es denn auch, dass bei der derzeit laufenden "Aktionswoche Alkohol" − einer jährlich stattfindenden Veranstaltung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen − die Selbsthilfe in den Vordergrund gestellt wird. 

Fachteamleiter Roland Brenner hatte für den Auftakt einige Zahlen vorbereitet. So ist demnach zwar der Alkoholkonsum in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren deutlich gesunken (von 15,1 Liter reinen Alkohol pro Kopf im Jahr 1980 auf nun rund 10,5 bis 10,7 Liter), aber die Zahl von Menschen, die eine Alkoholabhängigkeit entwickeln, bleibt stabil. Sie liegt bei rund 7,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Für den Kreis Altenkirchen gehe man von ungefähr 4000 bis 5000 Personen aus, auf die die Diagnose Alkoholabhängigkeitssyndrom zutrifft. Eine Besonderheit der Pandemiejahre hebt Brenner dabei auch hervor: Zwar ist die Zahl der "neuen" Alkoholkranken nicht signifikant gestiegen, aber die der Rückfälle. 

Klinikaufenthalt allein reicht oft nicht aus 

Überhaupt gelte, da ist man sich in der Gruppe einig: Ab in die Suchtklinik und dann ist alles wieder gut, das funktioniert nicht. Brenner umreißt das Ergebnis einer eindrucksvollen Studie aus dem Jahr 2007. Im Saarland wurde damals erforscht, was ausschlaggebend für gelingende Abstinenz ist − das Ergebnis: es sind die Selbsthilfegruppen.

Die "Praktiker", die beruflich mit Suchterkrankten zu tun haben, und die ehrenamtlich Engagierten können das nur unterstreichen. "Die Suchtselbsthilfe ist bei uns ein ganz wesentlicher Baustein", so etwa Kerstin Flanz-Stahl vom St. Antonius-Krankenhaus in Wissen. Und auch Elke Richter, Angela Edl-Pfeifer und Steffen Ernst von der Caritas heben hervor, dass die Selbsthilfe eine wichtige Säule ist, die Entgiftung, Therapie und Nachsorge − wie sie in Betzdorf angeboten wird − entscheidend ergänzt.

"Das Suchtgedächtnis bleibt immer da"

Denn schließlich werde durch die Abstinenz das gesamte Leben umgekrempelt, so Dieter Kämmerow vom "Freundeskreis" in Wissen. Er selbst habe den Schritt in die Gruppe deshalb nie bereut. Ralf Steinhauer, der gemeinsam mit Uwe Will die "Kreuzbund"-Gruppe, vertritt, erklärt: "Das Suchtgedächtnis bleibt immer da." Diese "Festplatte" könne man nicht löschen, was stets zu Rückfällen führen könne. Dass es dazu nicht komme, auch dafür sei die Selbsthilfe wichtig. 

Neben Unterstützung schließen die Betroffenen bei den Treffen auch Freundschaften und gemeinsame Unternehmungen wie Ausflüge oder Grillfeste sind wichtig. Waldemar Schmidt (Selbsthilfegruppe der Caritas) berichtet von einem Teilnehmer, der bereits seit rund 30 Jahren dabei ist. Andere blieben leider nur kurz.

Auch Angehörige sind willkommen

Und auch damit räumen die Gesprächspartner am Dienstag auf: Das Bild von Selbsthilfegruppen, wie es oft in Filmen oder Serien transportiert werde,  sei grundlegend falsch. Jeder Suchtkranke − oder Angehörige − sei willkommen und das ganz ohne formelle Anmeldung. Niemand werde gezwungen zu reden, man könne auch einfach nur zuhören, so Andreas De Wilde, der lange bei der "Fahnenflucht" aktiv war. Und Ralf Steinhauer ergänzt: "Was in der Gruppe besprochen wird, bleibt in der Gruppe."

Wer Kontakt zu einer der Selbsthilfegruppen in der Region möchte, kann sich unter Tel. (02741) 97600 an die Caritas wenden.

Rund 4000 bis 5000 Menschen im Kreisgebiet dürften vom Alkoholabhängigkeitssyndrom betroffen sein. Abstinent werden und bleiben: Dabei können Selbsthilfegruppen eine entscheidende Rolle spielen.
Vertreter heimischer Selbsthilfegruppen und das Team der Caritas Suchtberatung traf sich jetzt zum Austausch.
Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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