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Kampf gegen den Schmodder
An der Nister wird wieder gebaggert

Der Einsatz des Baggers ist nur eine Initialzündung: Jedes Hochwasser wird künftig dem Bereich am alten Wehr bei Stein-Wingert ein neues Gesicht geben.
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  • Der Einsatz des Baggers ist nur eine Initialzündung: Jedes Hochwasser wird künftig dem Bereich am alten Wehr bei Stein-Wingert ein neues Gesicht geben.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Stein-Wingert. Gäbe es im AK-Land Grizzlybären, dann wäre das alte Wehr in der Nister bei Stein-Wingert sicher einer ihrer Lieblingsplätze. Zugegeben, am Yukon lassen sich deutlich mehr Lachse fangen – aber wer ein bisschen Geduld mitbringt, hat am Nisterwehr zur Zeit der Fischwanderung durchaus Chancen, einen Lachs flussaufwärts springen zu sehen.

Die Welt scheint hier noch in Ordnung zu sein – aber das ist nur ein oberflächlicher Eindruck. Denn auch die Nister, die als vergleichsweise intakter Mittelgebirgsbach gilt, hat ihre ökologischen Probleme. Wer jemals den Weltende-Pfad erwandert hat und barfuß die Nister durchquert hat, wird’s ahnen: So glitschig, so schlammig sollte sich ein Bachbett nicht anfühlen.

damo Stein-Wingert. Gäbe es im AK-Land Grizzlybären, dann wäre das alte Wehr in der Nister bei Stein-Wingert sicher einer ihrer Lieblingsplätze. Zugegeben, am Yukon lassen sich deutlich mehr Lachse fangen – aber wer ein bisschen Geduld mitbringt, hat am Nisterwehr zur Zeit der Fischwanderung durchaus Chancen, einen Lachs flussaufwärts springen zu sehen.

Die Welt scheint hier noch in Ordnung zu sein – aber das ist nur ein oberflächlicher Eindruck. Denn auch die Nister, die als vergleichsweise intakter Mittelgebirgsbach gilt, hat ihre ökologischen Probleme. Wer jemals den Weltende-Pfad erwandert hat und barfuß die Nister durchquert hat, wird’s ahnen: So glitschig, so schlammig sollte sich ein Bachbett nicht anfühlen.

Schmodder als Problem an der Nister

„Der Schmodder ist ein Problem“, bestätigt dann auch Christiane Schuler. Sie ist bei der Kreisverwaltung Altenkirchen für die Umsetzung eines Schutz- und Monitoringprojekts zuständig, das den sperrigen Namen „INTASAQUA“ verpasst bekommen hat. Kernziel des Projekts: Die Frage beantworten, wie sich die Biodiversität kleiner Fließgewässer erhalten und verbessern lässt.

Vor Ort, am Ufer der Nister, tauschten sich jetzt Christiane Schuler (Bildmitte) und Manfred Fetthauer (r.) mit Vertretern der Forstämter, der Kreisverwaltung Montabaur und der SGD aus.
  • Vor Ort, am Ufer der Nister, tauschten sich jetzt Christiane Schuler (Bildmitte) und Manfred Fetthauer (r.) mit Vertretern der Forstämter, der Kreisverwaltung Montabaur und der SGD aus.
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Seit Projektbeginn im Oktober 2019 werden punktuell Maßnahmen durchgeführt, die dafür sorgen sollen, dass sich seltene Arten wie die Flussperlmuschel oder Barben in der Nister wieder wohler fühlen können. 1,2 Mill. Euro stehen dafür zur Verfügung.

Ein kleiner Teil dieser Summe wird gerade am Wehr bei Stein-Wingert investiert: Dort frisst sich ein Bagger durch das Bachbett. Und was auf den ersten Blick ganz und gar nicht nach Naturschutz aussieht, wird die Lebenswelt von vielen Arten, die durch die Nister planschen, spürbar verbessern.
Entscheidende Bedeutung für das Wohl und Wehe vieler Fische hat nämlich das Bachbett. Im Idealfall liegen dort Kieselsteine unterschiedlicher Größe, und zwar locker. Denn viele Fische legen ihre Eier genau dorthin und bauen darauf, dass diese in den Zwischenräumen der Steine versinken – dort ist die Brut bestens geschützt. „Die Eier der Elritze fallen 80 Zentimeter tief ins Kiesbett“, sagt Manfred Fetthauer, der die Nister wie kaum ein Zweiter kennt.

Bagger lockert die Kiesbank auf

Aber: Wo Schlamm die Ritzen und Spalten verstopft, können die Eier nicht versinken. Und wo Unmengen Algen wachsen, stimmt irgendwann die Wassergüte nicht mehr.
So sieht’s derzeit hinter dem Wehr aus: Hier ist viel Kies angespült worden – aber der sitzt mittlerweile fest. „Hinter dem Wehr sammelt sich das Geschiebe“, erklärt Schuler, „und es bewegt sich nicht mehr.“ Spätestens, wenn in trockenen Zeiten dort die ersten Pflanzen Fuß gefasst haben, ist die Kiesbank als Kinderstube der Fische endgültig verloren: „Durch die Wurzeln wird alles noch mehr gefestigt.“
Um das zu durchbrechen, braucht es die Baggerschaufel. Die schwere Baumaschine wird derzeit dazu genutzt, die feste Kiesbank aufzulockern und Rinnen anzulegen. Den Rest soll dann die Nister selbst übernehmen: „Das, was wir hier machen, ist die Initialzündung. Bei jedem Hochwasser wird sich das Bild verändern, und genau so soll es sein“, erklärt Schuler weiter.

Die aktuelle Maßnahme ist nur eine von vielen – noch in diesem Herbst soll ein alter Wiesenbewässerungsgraben bei Astert wieder an die Nister angeschlossen werden, und im Winter soll ein Altarm bei Unnau folgen.
„All das sind Puzzleteile“, verdeutlicht Schuler beim Baustellenbesuch – und letztlich sind es auch Versuche, die Fehler früherer Jahrzehnte zu korrigieren: „In den 30er-Jahren ist an vielen Bereichen der Nister alles mit der Planierraupe geradegezogen worden“, erklärt sie: „Aber ein schnurgerades Gewässer geht gar nicht.“

Der Einsatz des Baggers ist nur eine Initialzündung: Jedes Hochwasser wird künftig dem Bereich am alten Wehr bei Stein-Wingert ein neues Gesicht geben.
Vor Ort, am Ufer der Nister, tauschten sich jetzt Christiane Schuler (Bildmitte) und Manfred Fetthauer (r.) mit Vertretern der Forstämter, der Kreisverwaltung Montabaur und der SGD aus.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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