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Opfer spielt Tat herunter
Angeklagter für Tritte gegen Kopf verurteilt

Sein gewalttätiger Ausbruch gegen seine Freundin und deren Tochter hat für den 21-jährigen Angeklagten Konsequenzen. Auch wenn die Opfer die Geschehnisse bagatellisieren.
  • Sein gewalttätiger Ausbruch gegen seine Freundin und deren Tochter hat für den 21-jährigen Angeklagten Konsequenzen. Auch wenn die Opfer die Geschehnisse bagatellisieren.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

damo Betzdorf. Wie ärgerlich für Sebastian T. (Name geändert), dass es in Deutschland Offizialdelikte gibt. Hinter diesem Begriff aus dem Juristendeutsch verbergen sich Straftaten, die der Staat schlichtweg nicht duldet. Platt gesagt: Bei einer schweren Körperverletzung kann und will die Staatsanwaltschaft nicht wegschauen. Und genau das ist Sebastian T. jetzt im Betzdorfer Gericht um die Ohren geflogen.
Hätte er an diesem Abend seine Freundin nur angebrüllt, hätte er sie beleidigt oder ihr übel nachgeredet: Dann hätte die Staatsanwaltschaft mit dem Einverständnis von Melanie U. die Akte schließen dürfen.

Aber was für Beleidigung oder üble Nachrede gilt, trifft eben nicht auf eine schwere Körperverletzung zu.

damo Betzdorf. Wie ärgerlich für Sebastian T. (Name geändert), dass es in Deutschland Offizialdelikte gibt. Hinter diesem Begriff aus dem Juristendeutsch verbergen sich Straftaten, die der Staat schlichtweg nicht duldet. Platt gesagt: Bei einer schweren Körperverletzung kann und will die Staatsanwaltschaft nicht wegschauen. Und genau das ist Sebastian T. jetzt im Betzdorfer Gericht um die Ohren geflogen.
Hätte er an diesem Abend seine Freundin nur angebrüllt, hätte er sie beleidigt oder ihr übel nachgeredet: Dann hätte die Staatsanwaltschaft mit dem Einverständnis von Melanie U. die Akte schließen dürfen.

Aber was für Beleidigung oder üble Nachrede gilt, trifft eben nicht auf eine schwere Körperverletzung zu. Und so half es dem 21-Jährigen aus Kirchen auch nicht, dass seine Freundin den Vorfall längst gedanklich ad acta gelegt hat und keineswegs daran interessiert ist, dass ihr Freund bestraft wird.
Allerdings: Dem 21-Jährigen sind an einem Abend im September gleich reihenweise die Sicherungen rausgeflogen. „So kenne ich ihn nicht“, gibt Melanie U. im Zeugenstand zu Protokoll. Und genau das ist ihr auch zu wünschen.

Faustschläge und Tritte gegen den Kopf

Denn Sebastian T. hat seine Freundin an diesem einen Abend brutal zusammengeschlagen. Mehrmals hat er ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen, und zwar so heftig, dass sie mit Hinterkopf gegen die Wand geknallt ist und eine große Platzwunde davongetragen hat. Und selbst als die 39-Jährige auf dem Boden saß, hat der Angeklagte nicht lockergelassen: Er hat weiter auf sie eingeschlagen und ihr sogar gegen den Kopf getreten.

Sebastian T. war offenbar kaum zu bremsen: Selbst als die 18-jährige Tochter der Freundin dazwischengegangen ist, kam er nicht Vernunft – stattdessen hat er auch ihr einen Faustschlag ins Gesicht verpasst. Und zu schlechter Letzt hat er dann noch die Wohnungstür eingetreten, hinter der sich Melanie U. schutzsuchend verbarrikadiert hatte.

Opfer spielt Tat herunter

Kein Wunder also, dass die Tochter des Opfers schließlich die Polizei herbeigerufen hat. Im Zeugenstand versucht die 39-Jährige immer wieder, den Vorfall zu bagatellisieren. Von Faustschlägen will sie plötzlich nichts mehr wissen, und an die Tritte gegen den Kopf erinnert sie sich auch nicht mehr. Auch die Verletzungen, die sie erlitten hat, redet sie klein: „Als erstmal das ganze Blut abgewaschen war, sah das nicht mehr so schlimm aus.“ Auch ihre Tochter hält sich vor Gericht so bedeckt, wie sie nur kann.

Erst als Richter Tim Hartmann die beiden Frauen daran erinnert, was sie unmittelbar nach der Tat bei der Polizei berichtet haben, kommt die Erinnerung bei den beiden Zeuginnen wieder. Und trotzdem gibt sich Melanie U. alle Mühe, ihren Freund in keinem schlechten Licht dastehen zu lassen: „Wir sind wieder glücklich. Die Liebe ist doch stärker als alles andere.“

Geldstrafe und ein Jahr Bewährung

Da mag sie grundsätzlich recht haben – aber sie ist nicht stärker als die Kraft eines Offizialdelikts. Und so kommt Sebastian T., der wegen des Alkoholkonsums an diesem Abend keinerlei Erinnerung an seinen Ausraster hat, am Ende eben nicht ungeschoren davon. Staatsanwältin Jessica Zimmermann fordert in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, ausgesetzt zu Bewährung. „Die Taten zeigen eine enorme Brutalität“, sagt sie. Und auch, dass die Tochter für ihren Versuch der Streitschlichtung ein blaues Auge bekommen habe, sei strafschärfend zu bewerten.

Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Georg Becker, hält eine „maßvolle Geldstrafe“ für angemessen. Schließlich sei sein Mandant vorher noch nicht mit einer Gewalttat aufgefallen, und es spreche auch für seinen Mandanten, dass die Partnerschaft noch immer bestehe.
Richter Tim Hartmann wiederum wählt in seinem Urteilsspruch den Mittelweg: Er verurteilt Sebastian T. zu zwölf Monaten Freiheitsstrafe zur Bewährung. Zudem muss der junge Mann 500 Euro Geldbuße bezahlen und ein soziales Training absolvieren.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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