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Farid A. unter anderem wegen Geiselnahme vor Gericht
Angeklagter lehnt "Deal" ab

Vor dem Landgericht Koblenz muss sich Farid A. wegen mehrere schwerwiegender Delikte verantworten.
  • Vor dem Landgericht Koblenz muss sich Farid A. wegen mehrere schwerwiegender Delikte verantworten.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

dach Koblenz/Betzdorf/Kirchen. Nach ausführlichen Gesprächen über eine sogenannte Verständigung hat Farid A. (Name geändert) abgelehnt. Der 36-Jährige – am Koblenzer Landgericht unter anderem wegen Geiselnahme, versuchter Vergewaltigung in zwei Fällen und wegen Drogenhandel angeklagt – hat außerdem im Großen und Ganzen sämtliche Vorwürfe bestritten.

Insgesamt vier Anklagen sind Bestandteil des Gerichtsverfahrens gegen den zuletzt in Betzdorf wohnenden Afghanen. Ihm werden Dutzende Drogenverkäufe, meist im kleinen Rahmen, vorgeworfen, unter anderem an Minderjährige. Dabei soll es zu versuchten Vergewaltigungen an zwei Kundinnen gekommen sein. Außerdem soll er sich im Streit mit seiner damaligen Gattin einer ihrer Freundinnen bemächtigt haben.

dach Koblenz/Betzdorf/Kirchen. Nach ausführlichen Gesprächen über eine sogenannte Verständigung hat Farid A. (Name geändert) abgelehnt. Der 36-Jährige – am Koblenzer Landgericht unter anderem wegen Geiselnahme, versuchter Vergewaltigung in zwei Fällen und wegen Drogenhandel angeklagt – hat außerdem im Großen und Ganzen sämtliche Vorwürfe bestritten.

Insgesamt vier Anklagen sind Bestandteil des Gerichtsverfahrens gegen den zuletzt in Betzdorf wohnenden Afghanen. Ihm werden Dutzende Drogenverkäufe, meist im kleinen Rahmen, vorgeworfen, unter anderem an Minderjährige. Dabei soll es zu versuchten Vergewaltigungen an zwei Kundinnen gekommen sein. Außerdem soll er sich im Streit mit seiner damaligen Gattin einer ihrer Freundinnen bemächtigt haben. Unter anderem mit einem Messer in der Hand habe er die Frau sieben Stunden in seiner Gewalt gehabt, so die Staatsanwaltschaft.

Richter am Landgericht Koblenz erwarten umfassendes Geständnis

Am ersten Prozesstag hatte einer der Verteidiger, Markus Herzog, besagte Verständigung ins Spiel gebracht – und Anklageseite sowie Kammer um einen Strafrahmen gebeten, sollte Farid A. ein Geständnis abgeben. Die Staatsanwaltschaft taxierte dies zunächst auf sechs bis Jahre Gefängnis, am zweiten Prozesstag hieß es dann: sieben Jahre. Das Gericht unter Vorsitz von Richter Andreas Bendel gab nun als Strafrahmen fünf Jahre und sechs Monate Haft als untere Grenze an, sechs Jahre und sechs Monate nach oben hin. Bendel machte für diesen Fall mehr als deutlich „Wir erwarten ein wahrheitsgemäßes Geständnis.“

Das kam nicht von ungefähr: Aus dem Inhalt eines Briefs, den Farid A. auf eigene Faust und ohne rechtliche Beratung an die 6. Strafkammer geschickt hatte, lasse sich deuten, dass der Anklagte zu einer „Relativierung der Taten“ neige, so Bendel. So sei darin die Aussage zu finden, er habe nicht gewusst, dass der Handel mit Betäubungsmitteln in Deutschland verboten sei. „Das liegt völlig außerhalb unserer Vorstellung“, sagte der Vorsitzende Richter und machte deutlich, wie wichtig für einen „Deal“ wahrheitsgemäße Angaben seien. Dabei war sich Bendel offenbar den Schwierigkeiten bewusst: „Sie kommen aus einem anderen Kulturkreis, in dem gewisse Hemmungen bestehen könnten, eigene Untaten einzugestehen.“

Farid A. war in Betzdorf mit "drei Türken" unterwegs

Doch das spielt keine Rolle mehr: Nach Beratung mit Marcel Arnal (Kirchen), der am zweiten Prozesstag vom Anwaltstrio des Verfahrensauftakts übrig geblieben war, willigte er in eine solche Regelung nicht ein. Damit wird eine umfangreiche Beweisaufnahme nötig sein. Wie clever diese Entscheidung war, wird sich am Ende zeigen.
Es ist aber keineswegs so, dass der Angeklagte nun zu den Vorwürfen schweigen würde. Für den Geschmack des Vorsitzenden Richters redet er manchmal sogar zu viel. Vor allem dann, wenn er auf Nachfragen bloß mit ja oder nein hätte antworten können, holte er teils weit aus und gab Anekdoten zum Besten, die mit der eigentlichen Sache nichts zu tun hatten. Richter Bendel wollte an diesem zweiten Prozesstag vor allem wissen, ob Farid A. mit Drogen gehandelt hatte oder nicht. Nein, habe er nicht, sagte der Angeklagte.

Er sei einige Zeit lang in Betzdorf mit „drei Türken“ unterwegs gewesen. Die hätten, so habe er irgendwann mitbekommen, mit illegalen Substanzen gehandelt. Er wolle nicht ausschließen, dass er vielleicht mal etwas für sie übergeben habe. Auch habe er schon mal in deren Auftrag eine Sprachnachricht übers Handy an vermeintliche Kunden versendet. Aber die Geschäfte hätten die „drei Türken“ gemacht. Und die hätten in Betzdorf viel Einfluss, sodass später er anstatt ihrer bei der Polizei von Dritten als Dealer angeschwärzt worden sei.

Ex-Gattin mit Eisenstange auf den Kopf geschlagen?

Darüber hinaus: Die Sache mit seiner damaligen Frau sei aus der Welt. „Wir haben uns entschuldigt“, sagte der Angeklagte, dem unter anderem vorgeworfen wird, seiner Ex-Gattin mit einer Eisenstange auf den Kopf geschlagen zu haben. Daran, dass er ihre Freundin als Geisel genommen haben soll, könne er sich nicht erinnern. Er nehme seit Längerem Medikamente, unter anderem gegen Depressionen.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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